Abrechnungstag für die Klimapolitik: Österreich braucht fast 4 Erden

08. April 2021

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Fridays For Future Wien/Julian Kragler
Coronagerechtes Streiken - die Klimakrise macht keine Pause (Foto: Fridays For Future Wien/Julian Kragler)

Klimagerechtigkeits-Blog: Eintrag #7, 08.04.2021

Von Magdalena Frauenberger

Immer wieder höre ich von der einen oder anderen Seite: Was kann Österreich, ein kleines Land, schon gegen die Klimakrise ausrichten? Was bringt uns eine österreichische Klimapolitik, wenn ein Land wie China nicht mitzieht? Und außerdem, Österreich ist doch eh das Land der grünen Wälder, Berge und blauen Seen. Da sind so strenge Klimamaßnahmen doch gar nicht notwendig, oder?

Da kann ich leider nur die Augen verdrehen und den Kopf schütteln. Denn Fakt ist: am 7. April 2021 war in Österreich der „Austrian Overshoot Day“.  Der Tag, an dem Österreich alle seine natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die unser blauer Planet innerhalb eines Jahres wiederherstellen kann. Von nun an verbrauchen wir das restliche Jahr mehr, als diese Welt verkraften kann. Schlussendlich schießen wir sogar so weit über das Ziel, dass Österreich am Ende fast vier Erden verbraucht. Verrückt? Ja, das finde ich auch!

Coronagerechtes Streiken - die Klimakrise macht keine Pause (Foto: Fridays For Future Wien/Julian Kragler)
Foto: Fridays For Future Wien/Julian Kragler

Zum Vergleich: der „Earth Overshoot Day“, auch Welterschöpfungstag genannt, wird dieses Jahr rund um den 22. August sein. Österreich ist also ganze vier Monate früher als der weltweite Durchschnitt dran. Lasst uns Klartext reden. Wer meint, dass Österreich nicht doch ein entscheidendes Puzzleteil in einer klimagerechten Welt sei, der sollte sich noch einmal den globalen Vergleich ansehen. Der diesjährige Report des Climate Chance Performance Index, kurz CCPI, bewertet die 58 emissionsstärksten Länder nach ihren Klimamaßnahmen und stellt sie gegenüber. Österreich ist zwar im oberen Mittelfeld, was erneuerbare Energien angeht, allerdings landen wir in Sachen Energieeffizienz weit unten, auf Platz 48.

Another World is possible: Wie wäre der Wiener Ring ohne Autos wäre, konnte man am 7. Weltweiten Klimastreik im März erleben. Foto: Fridays For Future Wien/Noomi
Foto: Fridays For Future Wien/Noomi

Erstaunlich aber wahr, im finalen Vergleich des CCPI, landet China auf Platz 33, wir hingegen nur auf Platz 35. Das bedeutet? Ja genau, eine Weltmacht wie China, auf die wir uns in Sachen Umwelt und Klima so gerne ausreden, ist zwei Plätze vor uns. Letztendlich kommt es aber nicht nur auf die Platzierung in einem Ranking an. Wie auch im privaten Leben gilt: Wenn du mit dem Finger auf Andere zeigst, zeigen drei Finger auf dich selbst. Es ist einfach, sich darauf zu berufen, Österreich wäre zu klein um etwas zu bewirken. Es stimmt, schlussendlich muss die ganze Welt dazu beitragen, das „1,5 Grad Ziel“ zu erreichen. Dennoch kann die EU, Österreich oder jedes andere Land der Welt mit Vorbildfunktion vorangehen. Jeder Schritt, jede Stimme, jede Entscheidung zählt.

Also, wollen wir weiterhin die Augen verschließen? Bei der Recherche für diesen Artikel ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie wertvoll unser Planet ist. Die Artenvielfalt, die Weltmeere und Wälder sind einzigartig. Die Erde ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „Naturschönheit“. Lassen wir unseren Planeten nicht mit „Sonnenbrand“ und „trockener Haut“ zurück.

Auch die Red Rebells von Extinction Rebellion kämpfen weiter für eine lebenswerte Zukunft
Foto: Fridays For Future Wien/Max

Auf konkrete Fakten sollten konkrete Handlungen folgen. Doch schon wieder befinden wir uns in einem Lockdown und auf die Straße gehen wird schwieriger. Unsere Stimme und unsere Meinung sind aber immer noch genauso wichtig. Wir können immer noch wählen, ob wie uns engagieren oder nicht. Zum Beispiel für eines unserer neusten Fridays For Future Projekte, die Europäische Klimaklage. Dabei geht es darum, dass viele Menschen bereits jetzt mit gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) soll jetzt das Recht auf Klimaschutz sicherstellen. Ein guter Grund, auch in diesen Zeiten seine Stimme zu erheben. Hoffentlich können wir dann auch bald wieder gemeinsam mit Fridays For Future auf die Straße gehen und für eine klimagerechte Welt kämpfen. Und bis dahin werde ich jetzt mal meinen ganz individuellen Fußabdruck testen, hier kannst auch du das tun.

Magdalena Frauenberger (21) ist bei Fridays For Future Wien aktiv

Monatlich erscheint im Biber der Klimagerechtigkeits-Blog von Fridays For Future. Derzeit beuten Industrieländer Entwicklungsländer aus, damit ihre Wirtschaft ständig wächst. Klimagerechtigkeit versteht einen respektvollen Umgang zwischen Mensch, Tier und Natur: Jede*r auf diesem Planeten soll unter denselben Bedingungen leben können, ohne dass die Ressourcen der Erde ausgebeutet werden. Nur so haben auch künftige Generationen eine sichere, lebenswerte Zukunft.

 

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