Am Ostermontag da zucken sie aus, die Polen

06. April 2015

Smigus Dyngus

Smigus Dyngus
Foto: GRZEGORZ MICHALOWSKI / EPA / picturedesk.com

Platsch hier, platsch dort. In Polen regnet es am Ostermontag auch wenn es nicht regnet. Warum die Wetterprognose für den „Śmigus Dyngus“ ziemlich sinnlos ist, lest ihr hier!

Mit dem Ostersonntag enden die harten 40 Tage Fastenzeit. Zusammen mit der Familie haut man so richtig rein. Die Feierlaune nimmt kein Ende. Auch am folgenden Tag, dem Ostermontag, ist diese in Polen noch längst nicht verflogen. Allerdings in einer etwas anderen Form, als es sich manch einer in Österreich vorstellen könnte. In Polen hat dieser Tag einen ganz nassen Beigeschmack.

Wenn man dort am Ostermontag trocken aufwacht grenzt es schon fast an ein Wunder. Schon ab den frühen Morgenstunden rüsten sich überwiegend abenteuerlustige Kinder und Jugendliche für den „Śmigus Dyngus“. So heißt die Tradition des Bespritzens mit Wasser. Man nehme jeden auffindbaren Gegenstand, welcher als Wasserspeicher dienen kann. Mit Eimern, Flaschen und Wasserpistolen betritt man das Schlachtfeld – und das ist am „Wet Monday“ jeder einzelne Quadratzentimeter auf polnischem Boden.

Ein Brauch à la “Ice Bucket Challenge”, nur andersrum

Das Ziel ist klipp und klar. Anders als bei „Ice Bucket Challenge“, soll man selbst so lang wie möglich verschont bleiben. Nass werden sollen die anderen. Wenn ganze Wohnsiedlungen gegeneinander antreten, kommt keiner heil aus der Sache. Ob man will oder nicht: man wird klitschnass! Die spritzenden Wasserpistolen aus allen Richtungen erzeugen geradezu einen waagrechten Regenschauer. Im Nachhinein wundert sich keiner über eine deftige Ladung Wasseratome von oben. Ja, der Feind lauert durchaus auf dem Balkon. Vertreter der hardcore Variante bedienen sich auch schon mal eines H²O-Feuerlöschers. Letzten Endes ist man zwangsweise Opfer und Täter zugleich.

Billige Anmache oder lustiges Balzritual?

Vor allem Mädchen und Frauen nehmen oft unfreiwillig an der ganzen Sache Teil. Sie sind meistens die Gejagten. Nicht selten werden sie in Brunnen oder Flüsse geworfen. Die Gentlemen unter den Polen wenden eine weniger drastische Methode an, indem sie die Mädchen mit Parfum besprühen. Als Aberglaube hat sich durchgesetzt, dass die trockengebliebenen Mädels als alte Jungfern enden. Aus diesem Grund lassen viele einiges mit sich ergehen. Nach dem Motto: wer pitschnass ist, ist begehrt.

Spaß verdorben

Mit dem Zahn der Zeit werden Polen in Bezug auf den „Guss-Montag“ leider pingeliger. Man muss mittlerweile zweimal überlegen, wen man nass macht. Die ungeschriebene Regel, dass man an dem Tag nicht für mitgeführte Wertgegenstände haftet, greift nicht mehr ganz. Mögliche Konsequenz lautet Anzeige wegen Sachbeschädigung, Gefährdung des Straßenverkehrs oder der öffentlichen Ordnung. Gerüchten zufolge, soll es in den 90er Jahren Polizisten gegeben haben, die „nasse Übergriffe“ auf ihre eigene Art und Weise zu lösen wussten. Die nassmachenden Lausbuben wurden im Wald ausgesetzt und mussten zur Strafe ohne Kleider nach Hause. Die lästigen Paragraphen verderben so jedermanns Spaß. Dennoch solange es Wasser gibt, kann kein Gesetz die Tradition dämmen. Auch in Zukunft wird man daran nicht vorbeikommen, aus vorbeifahrenden Autos mit Wasserpistolen beschossen zu werden. In diesem Sinne: „The show must go on“.

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