Andere Länder, andere Corona-Sitten

01. Mai 2020

Das Coronavirus hält die ganze Welt in Atem. Alle Länder sitzen im selben Boot, rudern jedoch auf unterschiedliche Art und Weise. Ich habe mit fünf Frauen über die Maßnahmen in ihren Heimatländern und ihr Quarantäne-Leben gesprochen.


 

„Spanien hätte keine unfähigere Regierung für diese Krise haben können“

Natalia Alvarez, 21, Spanien

Meiner Meinung nach gleicht die Corona-Krise einem riesigen Chaos. Mein Land hätte keine unfähigere Regierung zur Bewältigung einer Gesundheitskrise dieses Maßes haben können, da bin ich mir sicher. Das Virus hat uns völlig unerwartet und unvorbereitet getroffen. Anfangs hieß es noch, dass alles unter Kontrolle sei aber das änderte sich schnell. Bald durfte niemand mehr raus. Auf den Straßen patrouillierte die Polizei mit Lautsprechern und ermahnte die Bewohner, zuhause zu bleiben. Auch an den Grenzen gab es Polizeikontrollen und auch das Militär war auf den Straßen. 

Corona, Weltweit
Foto: Privat

Durch die Krise haben viele ihren Job verloren und so wird es auch noch weiteren Menschen gehen. Auf diese Gesundheitskrise wird eine Wirtschaftskrise folgen und von der letzten im Jahr 2008 haben sich viele Menschen erst jetzt erholt. Und da gibt es noch etwas, das mir Sorgen bereitet: Mein Land verwandelt sich immer mehr in eine Diktatur. Während der Pressekonferenzen der Regierung und der Minister war es Journalisten lange Zeit nicht erlaubt, Fragen zu stellen. Sie mussten ihre Fragen vorab stellen, damit sie überprüft, aussortiert und geändert werden konnten. Das hat doch nichts mehr mit einer Demokratie zu tun!  

 

„Die Gewalt und der Hass gegenüber Asiaten müssen aufhören!“
Yen Huynh, 24, California – United States

corona weltweit
Foto: Privat

Während der Corona-Pandemie in Kalifornien zu leben ist nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe.  Das Virus hat sich weiter ausgebreitet und die Lage hat sich zugespitzt. Mittlerweile muss ich eine Maske und Handschuhe tragen, wenn ich das Haus verlasse.

 Ich weiß, dass das einfach nur meiner Sicherheit dienen soll, aber ich glaube nicht, dass diese Maßnahme allein das Virus aufhalten wird. Neben dem Virus an sich gibt es aber auch gesellschaftliche Entwicklungen, die mir Angst machen: Der Rassismus gegenüber Asiaten hat seit Corona zugenommen und das macht mir Sorgen. Die Leute erzählen viel Negatives über uns. Manchmal kommt es sogar zu rassistisch motivierten Übergriffen und es gab beispielsweise einige Berichte darüber, dass die Fensterscheiben von ein paar Bubble-Tea Shops eingeschlagen wurden. Das Coronavirus führt dazu, dass einige Leute es wirklich auf uns abgesehen haben und das ist einfach nicht richtig. All die Gewalt und der Hass gegenüber Asiaten müssen aufhören.

 

“Bei manchen meiner Freunde kam die Polizei täglich vorbei.”
Bozhidara Vateva, 21, Bulgarien 

Ich lebe in London und habe mir Sorgen gemacht, dass ich gar nicht mehr nach Hause kommen kann. Ich habe es dann aber zum Glück doch nach Bulgarien geschafft. Dort angekommen musste mich dann zu einer zweiwöchigen Quarantäne verpflichten. Es kam auch tatsächlich die Polizei bei mir Zuhause vorbei um zu kontrollieren, ob ich mich an die Regeln halte. Bei Freunden von mir, die ebenfalls aus dem Ausland eingereist sind, kam die Polizei sogar jeden Tag vorbei. Wer sich nicht an die Quarantäne-Regeln hielt, musste Strafe zahlen. Eine weitere Maßnahme, die Bulgarien ergriffen hat, betrifft die Supermärkte: Die wurden dazu verpflichtet, dass sie regionale Produkte verkaufen. Damit soll der Schaden, den lokale Lebensmittelhersteller durch das Virus erleiden, eingedämmt werden. 

corona weltweit
Foto: Privat

Meiner Meinung nach ist das auch gut so. Bulgarien hat zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen ergriffen. Mir ist aufgefallen, dass die bulgarische Regierung viel früher Maßnahmen ergriffen hat als die englische. Das hat mich überrascht. Schon einige Tage nachdem der erste Corona-Fall in Bulgarien bekannt wurde, wurden Schulen und Restaurants etc. geschlossen. England hingegen hat zu lange gewartet. Das sieht man auch an den Zahlen der Infizierten und an der Corona-Sterberate. 

 

 „Mein Leben fühlt sich an wie ein Remake von ‘Und täglich grüßt das Murmeltier’ an.“
Irene Montoli, 30, Italien

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Im März starben vor allem in der Lombardei und Nahe Bergamo so viele Menschen an dem Virus, dass die Regierung das Militär einsetzen musste um die Leichen zum Friedhof zu bringen. Die Leichenbestatter arbeiteten 24/7 und die Familien konnten nicht bei den Begräbnissen dabei sein. Die Situation im März war wirklich unglaublich schwierig, aber alle haben ihr Bestes gegeben, um sich um die Verstorbenen zu kümmern.
Mittlerweile ist das Leben in Quarantäne beides: unglaublich überwältigend und gewohnter Alltag zugleich. Auf der einen Seite fühlt es sich so an, als ob das Leben ein Remake von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (ein Film mit Bill Murray) wäre – so, als ob man denselben Tag wieder und wieder erlebt. Auf der anderen Seite bin ich umgeben von Vertrautheit, von meiner Familie und dem alten, kleinen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Diese Vertrautheit macht es manchmal sehr leicht zu vergessen, welche furchtbaren Dinge gerade so gut wie überall auf der Welt passieren. Aber spätestens wenn ich nach langer Zeit mal wieder in den Supermarkt gehe und dort auf einen Mitarbeiter treffe, der meine Temperatur misst, erinnere ich mich daran, dass dieses beängstigende Virus namens Covid-19 immer noch überall ist.

 

„Wir dürfen uns nur zehn Kilometer von unseren Häusern entfernen“
Tang Ching Yee, 23, Malaysia

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Foto: Privat.

In Malaysien scheint das Coronavirus unter Kontrolle gebracht worden zu sein. Momentan befinden wir uns in der fünften Woche des nationalen, partiellen Lockdowns. Wir dürfen uns nur zehn Kilometer von unseren Häusern entfernen, um beispielsweise Essen einzukaufen. Als die Regierung anfangs den Lockdown verkündete, gab es Gegenwind von einzelnen Gruppen. Mittlerweile hält sich ein Großteil der Bevölkerung an die Maßnahmen. Ich glaube, das liegt an der asiatischen Kultur: Wenn die Regierung bestimmte Regeln aufstellt, dann ist die Bevölkerung tendenziell kooperativer. Wir legen den Fokus mehr auf die kollektive Gemeinschaft und ich denke, dass das auch ein Grund ist, warum die Pandemie in Asien schneller unter Kontrolle gebracht wurde als in Europa. Noch dazu kommt, dass wir in Asien einfach mehr Erfahrungen mit Situationen wie diesen haben, man denke mal an das SARS Virus. Die Zahlen der Infizierten haben sich innerhalb der letzten Woche jedenfalls halbiert. Das stimmt mich optimistisch. Ich denke, dass die Ausgangsbeschränkungen in den nächsten zwei Wochen endlich aufgehoben werden. Und ich hoffe, dass es in anderen Ländern jetzt auch wieder bergauf gehen wird.

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