Angriff auf alles Kurdische

10. September 2015

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Cizre
Weil die Müllentsorgung zum Erliegen gekommen ist, stapelt sich in Cizre der Müll auf den Straßen. Foto: Mehmet Ali Aslan

Die Situation im Südosten der Türkei verschärft sich. Vor allem in der Stadt Cizre gibt es heftige Gefechte. In mehreren türkischen Städten kam es zu pogromähnlichen Ausschreitungen, bei der Kurden angegriffen wurden.

„In Cizre passiert ein Massaker“, sagt Mehmet Ali Aslan, HDP-Abgeordneter aus der türkischen Provinz Mardin. Er und weitere HDP-Politiker haben es noch geschafft in die Stadt reinzukommen, bevor sie vom türkischen Militär eingenommen wurde. Denn seit vergangenem Freitag ist Cizre vom Rest der Türkei abgeschnitten.

Waffenruhe aufgeküdigt

Nach dem die PKK die Waffenruhe mit der Türkei im Juli aufgekündigt hatte, kommt es seitdem im Südosten des Landes immer wieder zu heftigen Gefechten. Während die Türkei der PKK den Tot von zahlreichen Soldaten verantwortlich macht, wirft die PKK der Regierung vor, den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ auch zum Angriff gegen die PKK zu nutzen. Des Weiteren gehen türkische Sicherheitskräfte massiv gegen die kurdische Bevölkerung vor.

Cizre
Die Einschusslöcher zeugen von massiven Kämpfen in der Stadt. Foto: Mehmet Ali Aslan

Die Ereignisse rund um die Stadt Cizre soll ein Beleg dafür sein. In der 100.000-Einwohner-Stadt, nahe der Grenze zu Syrien und dem Irak, herrschen Bürgerkriegsähnliche Zustände. Seit Wochen kommt es hier zu Kämpfen zwischen kurdischen Widerstandskämpfern und der türkischen Staatsmacht. Um der Lage Herr zu werden, haben die Behörden eine Ausgangssperre verhängt. HDP-Abgeordneter Aslan hält das für einen bösen Vorwand, um der Bevölkerung einen Exempel zu statuieren: "Diese Ausgangssperre soll dabei helfen die Leute leichter ausfindig zu machen und zu töten. 20 Menschen sind bereits ums Leben gekommen. Alles Zivilisten.“

Cizre
Angesichts der dramatischen Lage, steht diesen Männern die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Foto: Mehmet Ali Aslan

Leichen dürfen nicht bestattet werden

Die Lage sei zunehmend prekär. Die Wasserversorgung in der Stadt ist zusammengebrochen. Immer wieder kommt es zu Stromausfällen. Die Müllentsorgung ist zum Erliegen gekommen. Mehrere Augenzeugen berichten, dass die Polizei Rettungskräfte daran hindere den Opfern zu helfen. Aslan: „Die Polizei erlaubt uns nicht die Leichen der Opfer zu bestatten. Damit Krankheiten nicht ausbrechen, bewahren wir sie in Tiefkühltruhen auf.“

„Alles was kurdisch aussieht, wird angegriffen.“

Der Konflikt schwappt allmählich auf den Rest des Landes über. In mehreren Städten haben türkische Nationalisten kurdische Geschäfte, Wohnungen und Vereinslokale sowie die Parteibüros der Kurdenpartei HDP angegriffen. Müjgan Arpat ist Redakteurin im ZDF-Auslandsstudio in Istanbul und beschreibt die Lage so: „Es sind pogromähnliche Zustände. Alles was kurdisch aussieht wird attackiert.“ Hinzu komme, dass türkische Politiker, allen voran Präsident Erdoğan, Öl ins Feuer gießen und gegen Kurden hetzen, so Arpat weiter.

Fußmarsch nach Cizre

Abgeordnete der HDP versuchen weiterhin auf die dramatische Lage in Cizre aufmerksam zu machen. Nachdem die Polizei eine HDP-Autokolonne in der Stadt Midyat stoppte, versuchen die Abegeordneten – mit den beiden Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ – Cizre zu Fuß zu erreichen.

Cizre
Nachdem sie von der Polizei gestoppt wurden, setzten HDP-Abgeordnete ihren Weg nach Cizre zu Fuß fort. Foto: HDP

 

 

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