„Bedeck dich richtig, Schwester“- Hijabi-Hass auf Tiktok

11. Januar 2023

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Laylo Qasim, bekannte muslimische Tiktokerin und Influencerin. Screenshot: TikTok @layloqasim

„Bedeck dich richtig Schwester“ oder „Die Verwirrung ist verwirrt“ sind zwei von unzähligen Hasskommentaren, die unter TikTok-Posts von muslimischen Mädchen, spezifisch die, die ein Kopftuch tragen, veröffentlicht werden. Eine neue Ära hat begonnen, in der Muslime andere Muslime digital haten.

Laylo Qasim, eine bekannte amerikanische Tiktokerin und Influencerin, ist bekannt für ihre ausgefallenen Make-up Looks und ihren Kleidungsstil, die dem Gothstil ähneln. Ich habe mir auch ihren Instagram Account näher angeschaut und sofort bemerkt, dass zwischen den ganzen begeisterten Fans, immer wieder kommentiert wurde „Wie der Teufel“ oder „Astagfurillah“ (arab.: Ich bitte Allah um Vergebung). Immer öfters liest man auch Kommentare wie „Ach diese Dunya“ (arab.: Welt) oder „Schwester, das ist kein Bedecken“ unter unzähligen Videos. Mal sitzt das Kopftuch zu locker, mal sieht man eine Haarsträhne oder den Hals. Oft liest man dann auch die Aussage „Entweder richtig oder gar nicht“.

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Screenshot: TikTok Kommentar

TikTok ist DIE Social Media Plattform, die insbesondere Mädchen mit Hijab zur Last fällt. Ständig sind Hate Kommentare unter den Posts der Hijabi-Mädchen zu lesen. Leider ist dies nichts neues, doch was passiert, wenn diese Hassnachrichten von Muslim:innen selbst geschrieben und veröffentlicht werden? In letzter Zeit musste ich oft beobachten wie muslimische Mädchen und Frauen von sogenannten „Internet-Hodschas“ aber auch von anderen Musliminnen darauf hingewiesen werden, dass sie sich nicht dem Islam entsprechend verhalten. Vor allem auf TikTok ist dieser Hass in der Muslim-Community deutlich spürbar.

Hijabis – die größten Opfer der Haram-Polizei?

Es ist ohnehin schon schwer genug für Frauen mit Kopftuch. Muss man es ihnen schwerer machen, indem man jeden ihrer Schritte kritisieren muss, sei es die Bekleidung oder das Verhalten? Was mich schockiert ist, dass solche Äußerungen Menschen von sich geben, die sich selbst als Muslime bezeichnen. Ich bin mir sicher, dass das der Islam nicht lehrt. Leider gehen die Menschen noch einen Schritt weiter. Diesmal sind das Make-up und die Nägel ein Problem. Grund für die Aufregung ist, dass man mit lackierten oder Gelnägeln und Make-up keine Gebetswaschung machen kann, weil das Wasser die Haut und den Nagel nicht berührt. Fragen wie sie dann damit beten kann oder wie sie ihre Gebetswaschung durchführen kann, um ihre 5-maligen Gebete zu verrichten, stehen im starken Interesse der anonymen Kritiker:innen. Hierbei stelle ich mir die Frage, woher man sich das Recht nimmt, solche Fragen in einer öffentlichen Plattform zu stellen. Als gläubige:r Muslim:in weiß man, dass man nur privat jemanden auf seine Fehler oder sogar Sünden aufmerksam machen darf, allerdings scheinen das nur wenige zu wissen. Durch und durch dient das Kopftuch dazu, so unauffällig wie möglich in der Gesellschaft zu erscheinen und seine körperliche Statue zu bedecken, jedoch finde ich trotzdem, dass dies immer noch die Tragende selbst zu entscheiden hat und keineswegs eine öffentliche Erniedrigung entstehen darf. Ob sie sich schminkt und sich Gelnägel machen lässt, hat sie mit sich selbst zu vereinbaren. Selbst wenn das alles nicht der Fall ist, findet die Haram-Polizei trotzdem einen „Fehler“, den man anscheinend nur als Hijabi nicht machen darf.

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Screenshot: TikTok Kommentar

Unbedeckte Musliminnen haben es leichter

 Ich habe bemerkt, dass nur Hijabi Mädchen angegriffen werden, und das ist das Problem. Ich selbst bin überzeugte und gläubige Muslima, jedoch ist mein „Vorteil“, dass man es mir nicht ansieht. Ist es fair spezifisch sie zu verurteilen, auf ihre Bekleidung oder Bedeckung zu achten ebenso wie auf ihr gesamtes Erscheinungsbild als repräsentative Muslima und wieso werden kaum Männer verurteilt?  All diese genannten Punkte veranlassen mich zum Nachdenken und sollen auch andere in der Muslim-Community zum Nachdenken anstoßen. Ich finde es wird langsam wieder Zeit, sich als Muslim:in selbst an die Nase zu fassen.

 

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