Dem Erfolg sind meine Wurzeln wurscht

13. Februar 2020

zadic.jpg

zadic
(C) Christoph Liebentritt

Wenn es um die Geschichten von erfolgreichen Menschen mit Migrationshintergrund geht, läuft einiges schief. Über positiven Rassismus und unnötige Migrationsvordergründe.

Kommentar von Nada El-Azar

Letztens sah ich beim Scrollen durch meinen Facebook-Feed ein Posting des Wiener Expat-Magazins Metropole, in dem ORF-Journalist Stefan Lenglinger zur Moderation der Zeit im Bild gratuliert wurde.

 

Lenglinger
Würde Stefan Lenglinger auch so über sich schreiben? (Screenshot aus Facebookpage des Magazins Metropole)

„Es sollte eigentlich normal sein – und doch ist es etwas Besonderes.  Letzten Freitag moderierte, zum ersten Mal, ein österreichischer Moderator mit afrikanischen Wurzeln die wichtigste Nachrichtensendung des Landes, die Zeit im Bild. (…) Ziemlich toll, oder?“

Doch je länger ich dieses Posting betrachtete, desto mehr Irritation rief es in mir hervor. Es war bestimmt keine Absicht, aber das Lob für Herrn Lenglinger klingt so formuliert eher wie eine Rechtfertigung. So à là „Leute, er hat es geschafft, obwohl er afrikanische Wurzeln hat!“. Ich schätze die Kolleginnen und Kollegen von Metropole sehr und lese auch als Nicht-Expat das Magazin regelmäßig. Aber hier zeigt sich ein weiteres Mal, dass es ein Problem gibt mit der Art, wie über erfolgreiche Menschen mit Migrationshintergrund geschrieben wird.

„Pretty neat, right?“

Diese gut gemeinte Schulterklopfermentalität muss ein Ende finden, denn: Wenn Menschen nicht mehr aufgrund ihres Aussehens oder kulturellem Hintergrund diskriminiert werden wollen, muss man damit aufhören, sie eben anhand dieser Merkmale hervorzuheben, wenn sie Erfolg haben. Denn das ist nichts anderes als positiver Rassismus.

Ähnlich verhält es sich mit der Berichterstattung über Alma Zadićs Angelobung zur Justizministerin. „Vom Flüchtlingskind zur Ministerin“ titelten gleich mehrere große Zeitungen. Ich möchte nicht abstreiten, dass es eine große Leistung ist, als so junger Mensch, der zudem nicht in Österreich geboren wurde, ein so wichtiges und hohes Amt zu bekleiden. Aber Flüchtlingskind hin oder her: Ist das bei Zadićs Karriere denn so verwunderlich, dass sie einmal Ministerin werden würde? Sie gab in einem Interview an, dass ihre Fluchtgeschichte während ihrer Arbeit als Anwältin für sie komplett in den Hintergrund gerückt war. Und plötzlich taucht sie wieder auf, mit dem Ministeramt.

Zadić
"Endlich angekommen" - ist Alma Zadić sicher nicht erst als Justizministerin in Österreich. (Screenshot eines Artikels der ZEIT)

 

Nun, man kann natürlich sagen, dass ist alles nicht so schlimm ist. Doch wenn Migrationshintergründe ständig in den Vordergrund gerückt werden, wird es niemals als normal angesehen, wenn Migrantinnen und Migranten in höhere Positionen kommen. Ähnlich war es mit der Bezirksrätin der Inneren Stadt Mireille Ngosso – sie kam im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern aus dem Kongo nach Österreich und bezeichnet Wien als ihre Heimat. Dauernd erwähnen zu müssen, dass sie eine Schwarze ist, passt niveautechnisch eher zu Wolfgang Fellner, der sie in seiner Sendung auf OE24 mit dem Sager konfrontierte: „Die erste schwarze Bezirksvorsteherin, die aber eine Rote ist!“

Ngosso
Mireille Ngosso ist seit 2010 in der SPÖ engagiert und Ärztin. Wien bezeichnete sie in Interviews als ihre Heimat. (Screenshot aus DerStandard.at)

„Woher kommst du wirklich?“

Ich kann noch ein weiteres Beispiel nennen, das die Absurdität hinter dieser Sache verdeutlicht: Als Muna Duzdar (SPÖ) im Jahr 2016 unter großen Buhrufen von der FPÖ zur Staatssekretärin ernannt wurde, bekam ich ein E-Mail von einem Kollegen. Er gratulierte mir dazu, dass Duzdar als Kind palästinensischer Eltern in dieses Amt erhoben wurde. Mein Vater ist nämlich auch aus Palästina – und das ist, neben der Tatsache, dass wir beide gebürtige Wienerinnen sind, eigentlich die einzige Gemeinsamkeit zwischen Muna Duzdar und mir.

Man sagt doch auch nicht, dass beispielsweise Österreich, beziehungsweise die Österreicherinnen und Österreicher den Oscar gewonnen haben, sondern Christoph Waltz. Ist dieses Rückführen des Erfolgs einer Person auf ein vermeintliches Kollektiv nicht bizarr?

Aber das passiert nun einmal, wenn Migrationshintergründe zu Migrationsvordergründen werden. Denn es gibt viele Nuancen von Rassismus – auch solche, die nicht degradierend, sondern auf den ersten Blick aufwertend wirken.

Blogkategorie: 

Das könnte dich auch interessieren

Somers Almanah
Er bringt Mittelklassekinder in „...
Hans Arsenovic
Zwischen 2. und 5. März finden heuer...
Chisinau, ADA, Kinder, Moldawien
Stetige Abwanderung und wirtschaftliche...

Anmelden & Mitreden