Die Kickbox-Kamerafrau spricht

11. September 2015

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Foto: Youtube

Die ungarische Journalistin Petra Lászlo hat Flüchtlinge getreten. Losgetreten hat sie auch eine Welle der Empörung und ihre eigene Kündigung.
Nun hat sie einen offenen Brief geschrieben und sich zu dem Vorfall geäußert. Ihr Brief wurde auf  der Webseite des regierungsnahen Magyar Nemzet online veröffentlicht.

Hier eine Übersetzung im Wortlaut:

"Es tut mir aufrichtig leid, was passiert ist. Es hat bis jetzt gedauert, bis ich mich sammeln konnte, um diesen Brief zu schreiben. Ich bin praktisch im Schockzustand davon, was ich getan habe und was auch mir angetan wurde.

Als ich mit meiner Kamera Aufnahmen gemacht habe, sind plötzlich hunderte Migranten ausgebrochen, haben den Polizeiring durchbrochen und sind auf mich zugestürmt und ich habe mich erschrocken. Ich hatte Angst, wie sie auf mich zuströmten und dann hat etwas in mir nachgegeben. Mit der Kamera in der Hand habe ich nicht genau gesehen, wer da auf mich zukommt, ich dachte nur, sie attackieren mich und ich müsste mich wehren. Es ist schwer, gute Entscheidungen zu treffen, wenn man in Panik ist und hunderte Menschen auf einen zuströmen.

Ich habe in jenem Augenblick keine gute Entscheidung gefällt. Mir tut der ganze Vorfall sehr leid und als Mutter tut es mir besonders leid, dass das Schicksal dafür gesorgt hat, dass gerade ein Kind seinen Weg mit mir kreuzt. Ich verfalle in Panik, wenn ich mich auf den Aufnahmen sehe und erkenne mich nicht wieder. Meine Taten tut mir sehr leid, aber ich nehme dafür die Verantwortung auf mich.

Ich bin keine herzlose, Kinder tretende rassistische Kameraufrau. Ich habe die politische Hexenjagd auf meine Person nicht verdient und auch die die vielen beleidigenden, oftmals auch Morddrohungen enthaltenden Attacken nicht verdient. Ich bin nur eine Frau, die inzwischen eine arbeitslose Mutter ist, die in einer Paniksituation die falsche Entscheidung getroffen hat. Es tut mir aufrichtig leid."

Tatsächlich fällt man in Paniksituationen keine guten Entscheidungen. Frau László nimmt ihre Verantwortung wahr und entschuldigt sich öffenlich. Wäre das am Tag nach dem Vorfall passiert, wäre es ein Zeichen von Rückgrat gewesen.

In ihrem Brief stellt sie sich aber als Opfer des Schicksals dar, doch blöderweise gibt es ja mehrere Aufnahmen, in dem sie aktiv gegen Migranten handelt.

kickbox kamerafrau
Foto: Youtube

Insofern nehme ich der Damen die Entschuldigung, die jetzt, Tage später auf der Webseite eines rechtskonservativen Blattes auftaucht, nicht ab. Dazu hätte es mehr gebraucht, zum Beispiel eine großzügige Spende an die Hilfsorganisation Migrant Aid oder die persönliche Entschuldigung bei ihren Opfern. Das Argument, dass diese schwer zu finden seien, ist berechtigt, aber in diesen Zeiten nicht glaubwürdig - der zu Fall gebrachte Vater mit der Tochter heisst Osama al-Gadab, hat drei Kinder und war in seiner Heimat ein bekannter Fussballtrainer. Er wurde aufgrund der Teilnahme bei Demonstrationen verhaftet, gefoltert und musste fliehen.

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