„Die Leute nehmen in Kauf, dass diese Tiere leiden“

28. Februar 2023

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Die platte Nase, die Falten und Kulleraugen lassen den Mops süß aussehen, aber auch Qualen leiden. Foto: JC Gellidon/Unsplash

Ein runder Kopf, Kulleraugen, eine besondere Fellfarbe, eisblaue Augen und mehr sind Züchtungen an Hunden, die sie besonders niedlich machen sollen. Französische Bulldoggen, Tea-Cup-Hunde oder silberfarbene Labradore sind nach wie vor sehr beliebt. Was viele bei dem Kauf eines reinrassigen Hundes ignorieren: Oft sind sie Ergebnis einer Qualzucht und leiden ihr Leben lang unter den Folgen.

Eigentlich kommentiert der Youtuber Sanijel Jakimovski Trash-TV-Sendungen für seine Abonnenten. In einem seiner neusten Videos liegt ihm zu Beginn jedoch ein anderes Thema auf dem Herzen: Qualzucht bei Hunden. Sanijel selbst ist Besitzer von zwei Möpsen, die er sehr liebt und sich mit 21 Jahren gekauft hat. Rückblickend sagt er über sich selbst, dumm und naiv gewesen zu sein und sich mit seinem Wissen von heute nie wieder eine Qualzucht zulegen würde.

Generell spricht man von Qualzucht, wenn die durch Zucht geförderten oder geduldeten Merkmalsausprägungen zu Minderleistungen bezüglich Selbstaufbau, Selbsterhaltung und Fortpflanzung führen und sich in züchtungsbedingten Veränderungen oder Verhaltensstörungen äußern, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. Beispiele dafür sind der Dackel, der Boxer oder auch der Border Collie.

Dass sich hinter Qualzucht auch ein Geschäft versteckt, ist ein offenes Geheimnis. Gerade zur Weihnachtszeit boomt die Welpenmafia, wo reinrassige Hunde unter den unwürdigsten Bedingungen gezüchtet werden und dann als zu rettende Hunde verkauft werden. Um das zu unterbinden hat Wien neue Maßnahmen eingeführt. Tierärzte schulen ab sofort Polizisten der Diensthundestaffel zu den rechtlichen Grundlagen des Tierhandels. Bei einem Tatverdacht können die Polizisten vor Ort durch gezielte Fragen Täter finden und zur Rechenschaft ziehen, da diese Welpen durch die Zucht, den Transport und die Haltung nachweislich leiden.

„Die Hunde schreien um ihr Leben, weil sie ersticken“

Sanijel erzählt in seinem Video von den Operationen, denen sich seine Möpse unterziehen mussten. Stimmtaschen, Mandeln, Gaumensegel und mehr mussten ihnen rausgeschnitten werden. In den Kommentaren findet er Zustimmung, ein User schreibt: „Ich bin sonst ein stiller Zuschauer, aber jetzt möchte ich doch mal was sagen. Ich arbeite beim Tierarzt und wir operieren jeden Tag solche Rassen. Danke für deine Aufklärung!!“

Als Sanijel seine Hunde operieren ließ, erzählten ihm die Ärzte, dass einige Personen bereits einen OP-Termin für ihren Vierbeiner ausmachen, bevor sie sich den Hund überhaupt gekauft haben. „Die Leute nehmen in Kauf, dass diese Tiere leiden“, macht der Youtuber seinem Ärger Luft. „Die Hunde schreien um ihr Leben, weil sie ersticken.“

Doch damit nicht genug. Hunde kühlen sich durch Hecheln ab, doch Plattschnauzer wie der Mops oder die Bulldogge können dies nicht mehr im normalen Maße. Es kommt zur Überhitzung, da die Tiere nicht mehr fähig sind ihre Köpertemperatur selbst zu regulieren. „Ein normaler Hund hat eine sechs bis zehn Zentimeter lange Schnauze, je nach Verhältnis zur Körpergröße. Alle Plattschnauzer sind eine Qualzucht“, macht Sanjiel deutlich. Dem kann eine Abonnentin nur zustimmen, sie schreibt: „Ich habe beim Tierarzt mitbekommen, wie eine Bull Dogge, um sein Leben geschrien hat. Ich bin in Tränen ausgebrochen.“

Als ob Atemnot nicht ausreichen würde

Hunde wie der Mops leiden, zusätzlich zur Atemnot und der Gefahr an Überhitzung zu sterben, noch an anderen Dingen aufgrund ihrer unnatürlichen Züchtung. Die Kulleraugen, die den Mops für viele so beliebt machen, drohen herauszufallen. Einige Tierärzte haben daher bereits Glasaugen extra für diese Fälle in ihrer Praxis vorrätig. Außerdem gehören korrigierte Wirbel, Zahnschmerzen aufgrund eines zu kleinen Gebisses, gerichtete Bandscheiben sowie künstliche Hüft- und Kniegelenke zum täglich Brot der Tierärzte, die Möpse als Patienten haben. Diese Tiere sind schwerstbehindert und ohne Operationen überhaupt nicht lebensfähig.

Doch der Mops ist mit den Problemen, die die Züchtung hervorgerufen hat, nicht allein. Andere Rassen wie beispielsweise der Australian Sheperd leiden unter der Züchtung ihres gescheckten Fells und den eisblauen Augen, wegen denen das Tier als besonders schön gilt. Die besondere Fellzeichnung nennt sich Merle und hat ebenso wie die hellen oder gar verschiedenfarbigen Augen einen Gendefekt als Grund, der dem Hund viele Nachteile und Schmerzen bringen kann. Gleiches gilt für silberne Labradore oder andere Hunde, deren Fellzeichnung nicht natürlich ist. Herzfehler, Juckreiz, Schmerzen, Blindheit und mehr können die Folgen dieses gefährlichen Gendefekts sein.

Auch andere Rassen leiden unter ihrem hin gezüchteten Körperbau. Sie bekommen Gelenkschmerzen, tun sich mit der Zeit schwer zu laufen, müssen Operationen durchstehen, erleiden Hautkrankheiten, neurologische Störungen, Entzündungen und mehr.

Fehlende Aufklärung trotz Gesetzwidrigkeit

Tatsächlich steht im Tierschutzgesetz, dass die Züchtung von Tieren verboten ist, wenn diese Tiere nachweislich unter den Folgen der Züchtung leiden. Das Problem: Es müsste bei jedem Tier einzeln geprüft werden, ob es tatsächlich aufgrund der Zucht leidet. Es gibt Fälle, in denen Züchter bereits verklagt worden sind, doch dies kommt äußerst selten vor. Solange es Menschen gibt, die keine Aufklärung über Qualzucht erhalten haben oder welche, die dies wissentlich in Kauf nehmen, wird sich in diesem Punkt vermutlich wenig ändern.

Prominente Hundebesitzer:innen wie Paris Hilton mit ihrer Chihuahua-Dame Tinkerbell in den 2000er Jahren oder der Familienhund der Obamas, Bo, der als Wasserhund ebenfalls ein Fall von Qualzucht ist, sind leider traurige Vorbilder und animieren Fans zum Kauf dieser Rassen.

Wer sich einen Hund zulegen möchte, sollte sich also genau überlegen, welche Rasse es sein wird und welchen potenziellen Qualen auf seinen Vierbeiner zukommen können. Gleiches gilt natürlich auch für viele Katzenrassen und andere Tiere.

Häufig betroffene Hunderassen

Es gibt einige Rassen, die besonders häufig an den Folgen ihrer Qualzucht leiden. Eine einheitliche Liste lässt sich nirgends finden. Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jeder Hund der aufgezählten Rassen immer an den genannten Beschwerden leidet oder leiden wird. Die Wahrscheinlichkeit das es jedoch so ist, ist hoch. Diese Liste ist nicht vollständig, sie soll (zukünftigen) Hundehaltern allerdings zusätzlich zu den bereits erwähnten Rassen einen Überblick verschaffen.

  • Deutscher Schäferhund
  • Golden Retriever
  • Nackt-Hunde
  • Dalmatiner
  • Berner Sennenhund
  • Rhodesian Ridgeback

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