„Du wirst nie wieder die Sonne sehen“ – Heimlich gefilmtes Video von Dubais Prinzessin Latifa aufgetaucht

18. Februar 2021

Während Influencer*innen aus aller Welt gerade Werbung für Dubai machen, wird die Tochter des Staatsoberhaupts in einer Villa gefangen gehalten – weil sie versucht hatte, zu fliehen. Nun ist ein Video von Prinzessin Latifa aufgetaucht, in dem sie über ihre Geiselhaft spricht.

"Ich bin eine Geisel und diese Villa wurde in ein Gefängnis umgewandelt. Die Polizei hat mir gesagt, dass ich nie wieder die Sonne sehen werde". Die 35-Jährige Prinzessin von Dubai, Latifa bint Muhammad Al Maktum, Tochter des Emirs von Dubai, wird laut eigenen Aussagen von ihrem Vater in einer Villa gefangen gehalten. Die 35-Jährige hat heimlich ein Video aufgenommen, das nun von der britischen BBC veröffentlicht wurde und in Sozialen Netzwerken die Runde macht. Wie alt das Video ist, kann nicht genau verifiziert werden. Alle Fenster seien vergittert. Das Video habe sie im Badezimmer der Villa aufgenommen, weil es der einzige Raum sei, den sie abschließen könne. Die Kampagne "Free Latifa" erklärte, sie habe ein Smartphone zu Latifa einschleusen können.

 

Latifas spektakulärer Fluchtversuch

Latifa ist die Tochter des Dubai-Herrschers Mohammed bin Rashid al-Maktoum. Vor drei Jahren, im Februar 2018, soll sie vergeblich versucht haben, das Emirat gegen den Willen ihres Vaters zu verlassen. Eine Menschenrechtsgruppe veröffentlichte ein Video über ihren Fluchtversuch. Latifa wollte sich in die USA absetzen. Sie floh verkleidet aus Dubai mit einer Freundin in einem Auto zur Küste und von dort mit einem Schlauchboot und Jetskis zu einem bereitstehenden Boot. Doch letztlich wurde sie von einer Sondereinheit vor der indischen Küste gefasst, unter Drogen gesetzt und per Privatjet nach Dubai zurückgebracht. Das berichtet sie in dem Video, das vor wenigen Tagen aufgetaucht ist. Latifas ältere Schwester Schamsa war bereits im Jahr 2000 in Cambridge entführt und nach Dubai zurückgebracht worden. In einem 39 Minuten langen Video vor ihrem Fluchtversuch versuchte Latifa zu erklären, warum sie nicht mehr in einem goldenen Käfig leben wolle und sprach auch über das "große Ego" ihres Vaters. Sie wirft ihm vor, für die Bewahrung seines Rufs zu töten. Sie würde jeden Tag um ihr Leben fürchten. Es gibt keine offizielle Stellungnahme der VAE zu dem Video. Die Regierung von Dubai hatte im April 2018 lediglich erklärt, Scheicha Latifa sei zu ihrer Familie "zurückgebracht" worden und es gehe ihr gut. Seither wurde sie nicht mehr persönlich in der Öffentlichkeit gesehen. Die Regierung der Emirate veröffentlichte Monate danach Fotos von einem Treffen Latifas mit Ex-UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson. Diese sagte später, sie sei während ihres Besuchs in Dubai "schrecklich getäuscht" worden. Nun kündigte das Büro des Menschenrechtskommissars der Vereinten Nationen an, mit den Emiraten über Latifas Schicksal zu sprechen. 

 

Der Vertrag für Dubai-Influencer*innen

Während Latifas genauer Aufenthaltsort nicht bekannt ist und nach aktuellem Stand niemand weiß, ob sie am Leben ist und wenn, in welcher psychischen und physischen Verfassung, wimmelt es auf Instagram nur so vor Influencer*innen, die Dubai als den schönsten Ort der Welt lobpreisen. Immerhin ziehen immer mehr im deutsche Influencer wie Simon Desue, Sami Slimani oder „Die Harrissons“ in das Emirat. Aber warum? Jan Böhmermann veröffentlichte letzte Woche in Video, in dem er erklärte, was genau so viele Influencer gerade nach Dubai locken würde: Wenn Influencer*innen nach Dubai auswandern, zahlen sie kaum Steuern, nämlich nur 5% Mehrwertsteuer. Man muss in Dubai weder Einkommens– noch Unternehmenssteuer zahlen. Der Haken: Jan Böhmermann präsentiert einen Influencer-Vertrag, den man in Dubai unterschreiben müsse, wenn man dort als Influencer*in arbeiten möchte. Grob zusammengefasst seien die Bedingungen, dass man sich nur positiv über Dubai äußern dürfe und man sich auch nach der "öffentlichen Moral" verhalten müsse. Das bedeutet, dass man sich in der Öffentlichkeit nicht küssen, zu laut Musik hören oder auch nicht tanzen dürfe. Wie dem auch sei – die Internetberühmtheiten haben diesen Vertrag unterschrieben und sind aus freiem Willen nach Dubai gereist. Latifa hingegen hat diese Wahl nicht. Die Strand– und Sonnenschein- Postings der Influencer*innen bekommen einen noch fahleren Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass Latifa angedroht wurde, sie würde „Nie wieder die Sonne sehen.“ 

Unter https://freelatifa.com findet ihr Infos, Updates und einen Spendenaufruf. Die Kampagne setzt sich für die Befreiung Latitfas ein.

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