Eiserner Vorhang 2.0

17. Juni 2015

Aufgrund der Flüchtlingwelle greift Ungarn zu radikalen Maßnahmen. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó hat heute in einer Regierungssitzung verkündet, dass auf einer Länge von 175 Kilometern ein 4 Meter hoher Zaun errichtet werden soll. Damit soll der illegale Grenzübertritt zwischen Ungarn (die eine Schengen-Außengrenze ist) und Serbien unterbunden werden.

Dieser Schritt wird mit dem großen Anstieg der Aufgriffe an der Grenze begründet: In den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres sind 54.000 illegale Einwanderer nach Ungarn eingereist. Zum Vergleich: im Jahr 2014 sind ungefähr 40.000 über die grüne Grenze gekommen.

Ich hätte mir wirklich nicht gedacht, dass ich 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit ansehen muss, wie ein neuer Zaun hochgezogen wird. Die Ungarn sind eigentlich dafür berühmt, eiserne Vorhänge abzureißen und nicht dafür, sie zu errichten. Gott sei dank sind Minenfelder - wie im Sozialismus üblich - keine geplant. Vorerst.

Landkarte Flüchtlingrouten
Grafik: Adam Bezeczky

Mauern, die Europa umgeben sind übrigens nichts neues: auch Spanien, dass mit Marokko eine Grenze teilt,  hat massive Grenzanlagen errichtet. Die Grenzanlagen in Melilla sind 6 Meter hoch und verlaufen über eine Länge von 11 Kilometern. Die Grenze wird mit elektronischen Senoren gesichert und alamiert die Grenzposten. Auch Bulgarien (30 km Grenzmauer zur Türkei) hat schon eine Mauer errichtet, genauso wie Griechenland.

All das erinnert mich ein bisschen an die Deutsch-Deutsche Grenze zwischen der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland: die DDR pumpte Milliarden in die hermetische Abdichtung der Außengrenze und scheiterte schließlich an den Kosten des Projekts. Der spanische Philosoph George Santayana sagte "Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen" - ich hoffe, so weit kommt es nicht.

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