Eli Preiss im Interview: "Du wirst mich nie in eine Schublade stecken können"

26. April 2021

Vor zwei Wochen hat die Künstlerin Eli Preiss ihr bisher größtes Tape „F.E.L.T.“ veröffentlicht. Ich bin zu ihr ins Studio in die Donaustadt gefahren und habe mit der 22-jährigen über ihren Background, luzide Träume, die Angst vor dem Cringe und ihren Weg in der Szene gesprochen.

 

Eli Preiss
"Noch Newcomerin" Eli Preiss steht im Feld (Foto: Sven Beck)

Biber: Vor dem Interview mit dir habe ich ein paar Freunden davon erzählt. Viele kannten dich schon und die Reaktionen reichten von „Sie ist ein Engel“ bis zu „Die ist völlig verrückt“. Genauso schwer ist auch deine Musik einzuordnen. Wer bist du und was ist dein Genre?

Das sollen die Leute selbst entscheiden. Es ist sehr eigen. Ich bin eine facettenreiche Person, das merkt man in der Musik. Du wirst mich nie in eine Schublade stecken können.

Hat F.E.L.T. einen roten Faden als Album?

F.E.L.T. steht für „Fragmente eines luziden Traums“. Es sind Abschnitte einer Geschichte. Als „Konzeptalbum“ würde ich es nicht betiteln. Das ist für mich Pink Floyd oder die Beatles. Ich habe extrem viel Energie, Arbeit und Detail in das Tape gesteckt.

Bist du noch Newcomerin?

Gute Frage. Würde ich schon sagen. Mein erster Track auf Deutsch kam erst letzten Sommer.

Stimmt, davor hast du Englisch geschrieben. Wieso erst später der Switch?

Ehrlich gesagt: Ich hatte einfach Bock drauf. Mir ist aufgefallen, dass ich auch im Deutschen englische Wörter verwenden kann. Außerdem waren Künstler wie Cro und Rin eine Inspiration für mich. Sie zeigten, dass man über Gefühle schreiben kann, ohne dass es unangenehm ist.

Hattest du Angst vor dem „Cringe“ auf Deutsch?

Das war definitiv einer der Hauptgründe, der mich zurückgehalten hat. Jetzt will ich es nicht missen. Die deutsche Sprache bietet viel künstlerische Fläche. Ich glaube trotzdem, es war wichtig, dass ich auf Englisch begonnen habe. Der Vibe ist immer noch sehr „Englisch“.

Du sagst in einem Song: „Oh wie schön, ich hab luzide Träume“ Wie schön ist das wirklich?

Es hat mich geprägt. Luzides Träumen ist eine besondere Erfahrung, die jeder mal haben sollte. Als Kind hat es mich aber auch in eine Art Depression geführt. Ich habe sehr lange geschlafen, weil es Spaß gemacht hat zu fliegen und zu entkommen. Die Grenze zwischen Realität und Traum zu erfassen, fiel mir dann auch im echten Leben schwer und so geht es mit immer noch. Alle, die mich kennen würden sagen, ich bin eine verträumte Person, die auch ab und zu vor der Realität wegrennt. Das ist manchmal schlecht, aber kann eben auch sehr schön sein.

Eli Preiss Tschickgott
Eli Preiss und ihr "Homie und Producer" Tschickgott (Foto: Sven Beck)

Drehst du dich immer wieder immer nur im Kreis?

Der Song „Im Kreis“ war inspiriert von dem Produzenten, mit dem ich ihn gemacht habe. Aber er war auch an mich gerichtet. Immer wieder nehme ich mir vor, mit bestimmten Dingen aufzuhören, aber ich tue sie doch wieder. Das sehe ich auch im Großen. Die Menschheit entwickelt sich zwar nach vorne, aber wir gehen immer auch zurück. Gerade bei Themen wie Rassismus, Sexismus und so weiter.

Ist deine Kunst politisch?

Nein.

Hat mal jemand darauf reagiert, dass er sich in einem Song wiedererkannt hat?

Ich formulier das jetzt sehr allgemein: Ein Typ hat mal einen Song im Studio gehört, weil er mit demselben Produzenten gechillt hat. Danach ist er aus dem Raum gestürmt. (lacht)

Wie war deine Anfangszeit als Künstlerin in der Wiener Szene? Was ist für junge Künstlerinnen anders als für junge Künstler?

Ich wurde oft zu Produzenten gepusht, die mir dann nur Feedback zu meinem Aussehen gaben. Mir wurde gesagt: „Du brauchst Autotune, zieh das und das an.“ Ich habe das Gefühl als Frau ist man oft nur Objekt. Bei einem Kerl ist Aussehen völlig egal. Da zählt nur die Kunst. Bei Frauen nicht. Die Musikbranche ist eben immer noch eine männerdominierte Welt. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt Leute gefunden habe, mit denen ich auf Augenhöhe arbeite.

Was würdest du dir in dieser Zeit heute sagen?

Vertrau auf deine Intuition. Du weißt, was du willst und was du tust. Lass dir nichts von irgendwelchen Pissern einreden, die denken sie wissen es besser.

Du bist ohne Vater aufgewachsen und zwischen Bulgarien und Österreich hin und her gependelt. Was kommt mit diesem Paket?

Ich habe immer wieder Briefe vom Finanzamt oder so übersetzt, auch als Volksschulkind. Ich musste für sie einstehen, niemand hat mir mit meinen Hausaufgaben geholfen… Vieles ist anders. Im Nachhinein habe ich reflektiert und finde es wirklich arg, wie wir behandelt wurden, nur weil wir nicht aus Österreich kommen. Es war viel weniger Respekt da, sobald Menschen den Akzent meiner Mutter gehört haben. Sobald ich da war, mit fließendem Deutsch, ging es wieder. Ich war auch immer gefangen zwischen zwei Welten, habe mich nie hundertprozentig zuhause gefühlt. Das hat mich aber auch ins Positive geformt. Die frühe Selbstständigkeit hat mich zu der starken Frau gemacht, die ich heute bin.

Was hat dir Bulgarien noch mitgegeben?

Ich schätze die Herzlichkeit und das Teilen. Niemand ist kleinlich, selbst wenn sie gar nichts haben, teilen sie es. Diese Mentalität möchte ich immer mit mir tragen. In Österreich ist das nicht so weit verbreitet.

 

F.E.L.T. auf Spotify

 

 

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