Feminismus als Mittel um Geld zu machen?

12. November 2020

„Können wir für einen kurzen Moment über performativen Feminismus reden?“ schrieb ich vor zwei Wochen auf Instagram. Danach folgten mehrere Stories auf meiner Seite. Ich wusste nicht, dass meine Postings so viral gehen würde, wie sie schlussendlich gegangen sind – aber eine kritische Auseinandersetzung mit der Instagram-Seite @feminist war notwendig. Genau darüber soll es in diesem Beitrag gehen.

Holocaust-Verharmlosungen und Profitmaximierung

Über sechs Millionen Follower:innen. Eine eigene Kleidungsmarke. Mehr als 8500 Posts. Die Seite @feminist scheint auf dem ersten Blick eine feministisch-informative Seite wie jede andere im Internet zu sein. Wer aber kritisch genug denken kann und der Seite etwas länger folgt, wird schnell ein mulmiges Gefühl bekommen. Wie feministisch kann auch eine Seite sein, wenn sie die aktuellen Corona-Maßnahmen mit dem Holocaust vergleichen? Wie inklusiv und intersektional können sie sein, wenn zu 80 Prozent dünne weiße Frauen auf ihrer Seite vorkommen? Und was daran ist Body Positive? Wie feministisch kann eine Seite sein, wenn der Content andauernd von marginalisierten Künstler:innen gestohlen wird – ohne jegliche Quellenangabe? Aber vor allem: Welche Gefahr steckt dahinter, wenn Feminismus so dargestellt wird?

Feminist auf IG

Business trifft Feminismus?

Performativer Feminismus ist, wenn ein Unternehmen, eine Person oder eine Gruppe an Menschen sich als Feminist:innen ausgeben mit dem primären Ziel Anerkennung oder Geld zu erlangen – der eigentliche Kampf um Gleichberechtigung zwischen allen Geschlechtern wird deshalb performativ demonstriert, ohne dem Interesse soziale Gerechtigkeit zu erlangen. @feminist fühlt sich an wie ein Unternehmen, welches mit dem Begriff „Feminismus“ Profit schlagen möchte. Und siehe da: Es ist tatsächlich ein Business. Tanner Sweitzer und Jacob Castaldi sind zwei Männer mit Marketing-Erfahrungen und die offiziellen Besitzer der Seite. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass auch die zwei Administratoren mittlerweile ihre eigene Marke gegründet haben und das erfolgreich an ihre sechs Millionen Follower:innen werben können. Mit den Begriffen „love“, „change“ und „equality“ verkaufen Sie Tausende von T-Shirts und machen taktisch Geld. Wenn Männer mit Feminismus Profit schlagen, dabei marginalisierte feministische Künstler:innen für ihren eigenen Nutzen ausbeuten und antisemitische Inhalte teilen, dann sprechen wir nicht von Feminismus, sondern von performativen „Feminismus“ – oder ganz banal von einer ungewöhnlichen Marketing-Strategie.

Bleibt kritisch.

Dabei geht es nicht nur um diese Seite spezifisch, sondern um das weit verbreitete Phänomen des performativen Aktivismus – in Zeiten wie diesen, wo die meisten Menschen, vor allem junge Menschen, sich über Likes und Follower:innen-Anzahl definieren, leider nicht besonders verwunderlich. Mittlerweile hat auch der Kapitalismus Besitz über das Wort „Feminismus“ ergriffen. Wenn H&M „The Future is Female“-Shirts verkauft, die von unterbezahlten POC Frauen in „Drittländern“ hergestellt worden sind, dann sind sie nicht feministisch, sondern verfolgen einen Trend, um Geld zu machen. Dasselbe gilt für die LGBTQ-Pride und die neue Umweltbewegung – für die meisten Unternehmen sind das neue Wege, um sich selbst zu werben.

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