halb-halb.

05. März 2015

Wer bist du und woher kommst du? Eine Identitätsfindung, die so eigentlich nicht wirklich geplant war.
von Larissa Schneider

Wenn man beim Biber anfängt zu schreiben ist eine der ersten Fragen, die man hört, welche Wurzeln man denn hat. Zugegeben, ich werde nicht oft nach meiner Herkunft gefragt. Wer würde auch von einer großen Person mit heller Haut und eher dunklen Haaren, die sich Larissa Schneider nennt, annehmen, dass sie nicht „Urösterreicherin“ sei. Manchmal kommt es aber doch vor und wenn dann jemand nachfragt, dann erkläre ich: „Meine Mutter ist Perserin und mein Vater Österreicher. Ich bin also halb-halb.“ Während ich diesen Satz sage, zeichne ich mit meiner Hand eine Bewegung von der Stirn bis zu meinem Bauch hinunter und deute somit an, dass ich mich in zwei Hälften teilen würde.

Österreich vs. Persien

 Ich habe vielleicht die Augen und Haare meiner Mutter, die Körpergröße und die Nase meines Vaters, aber ich bin dennoch eine ganze Person. Nachdem ich diese Handbewegung und meinen Satz etliche Male gesagt habe, ist mir etwas klar geworden: Aus genetischer Sicht gesehen, bin ich Halb-Österreicherin und Halb-Perserin, das stimmt schon so. In Österreich geboren, in Österreich aufgewachsen und mit österreichischer Staatsbürgerschaft sollte ich mich doch als Österreicherin sehen, oder? Als richtige Österreicherin? Beim Fußballschauen zu Österreich halten, beim Schifahren Hirscher & Co. anfeuern, jeden Tag Kaiserschmarren essen und Falco rauf und runter hören. Ich muss mich nämlich als Österreicherin fühlen. Und jetzt kommt das große Aber: ich liebe persisches Essen, rede mit meiner Mutter und meinen Tanten persisch, bin (auch wenn ich das persische Tarof nicht so gut beherrsche) sehr höflich und wenn ich orientalische Musik höre, muss ich tanzen.

Aber wie fühlst du dich?

Das Konzept, dass man sich einer Nationalität zugehörig fühlen muss, hab ich ja noch nie verstanden und nachempfinden können. Wie fühlt man sich denn als Österreicherin? Wie fühlt man sich als Perserin? Da ich nichts fühle, wenn ich an die zwei Begriffe denke, habe ich mit mir etwas ausgemacht. Ich habe mich von nun an als Weltbürgerin zu sehen. Denn obwohl ich nicht sagen kann, ob ich Österreicherin, Perserin oder Europäerin bin, eines kann ich ganz bestimmt sagen: Ich bin ein Mensch auf diesem Planeten, also eine Weltbürgerin. Wenn jetzt jemand auf mich zukommt und nach meinen „Wurzeln“ fragt, werde ich weiterhin dieselbe Gestik machen, denselben Satz vor mich hersagen, die Herkunft meiner Eltern erläutern, meine Gesprächspartner zum schmunzeln und vielleicht auch zum Nachdenken bringen. Denn nach meinen Ausführungen werde ich stolz sagen: „Und ich, ich bin eine Weltbürgerin.“

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