„Hast du nen Freund?“

22. April 2015

Normalerweise ist die Hofburg meine Disko. Wenn ich es jedoch wage, mit meinen Freundinnen „fort zu gehen“, dann vermisse ich mein langes Ballkleid. Von Selfie-Pausen, Wasser statt Alkohol und Typen, die einem auf die Nerven gehen.

Ich gehe fort, in einen Club mit meinen Freundinnen und deren männlichen Begleitpersonen. Eine dieser Freundinnen wollte nämlich ihren 20. Geburtstag feiern gehen und da kann man schlecht ablehnen. Zugegeben, das mit dem „Fortgehn“ passiert wirklich selten und seit Samstag ist mir auch wieder klar, warum ich so selten dabei bin.

Wir kommen zu dem Veranstaltungsort und vor uns tummeln sich die Menschenmassen – warten ist angesagt. Nachdem wir uns 40 Minuten lang wie die Pinguine zusammengekuschelt haben, dürfen wir endlich eintreten und einen (meiner Meinung nach viel zu überteuerten) Eintritt von 10 Euronen zahlen.

Vom Klo-Selfie zum Foto-Blitzlicht

Doch bevor es zur Tanzfläche geht, müssen die obligatorischen Selfies im Spiegel vor den  Toilettentüren gemacht werden. Als ich noch in die Schule gegangen bin, habe ich nie verstanden, warum Mädchen zusammen aufs Klo gehen müssen. Ich schaff das alles alleine, danke. Und dann auch noch zusammen Bilder machen, wenn das Licht schlecht ist, der Hintergrund nicht sehr einladend ist und alle gerade aus der Kälte gekommen sind und noch rote Backen haben? Erklärt mir das bitte jemand.

Jetzt zur Tanzfläche, denke ich mir, als die Selfie-Pause vorbei ist. Falsch gedacht! Alle holen sich noch ihre weißen Spritzer (ich hol mir ein Wasser) und wir kommen an einer Fotobox vorbei, bei der wir als ganze Gruppe klarerweise Fotos schießen müssen. Mit unseren Getränken versorgt suchen wir uns, vom starken Blitzlicht geblendet,  endlich ein Plätzchen zum tanzen.

NOT interested.

Nachdem wir ein paar Lieder lang Gas gegeben haben, kommt plötzlich ein Typ auf mich zu. Kurz darauf kommt auch sein Gesicht immer näher und näher und ich kann noch ausweichen. Im Laufe des Abends versucht es der gleiche Typ, der zwar keine 1,80 groß ist, aber ein 3-Meter-großes Ego hat es weitere zwei Mal bei mir. „Not interested“ schreibe ich dann auf meine Hand und halte sie ihm ins Gesicht.

„Hast du nen Freund?“ ist dann die erste Frage die ich zu hören bekomme. Ich verneine. „Bist du lesbisch?“ kommt dann die Folgefrage. Ich verneine ebenso und betone, dass ich nur hier bin um mit meinen Freundinnen zu tanzen. Enttäuscht gibt er endlich auf und lässt mich in Ruhe. Sind das denn die einzigen zwei Möglichkeiten, mit denen man in Ruhe gelassen wird? Freund oder lesbisch. Beides bei mir nicht der Fall.

Saufen oder Schmusen.

Eine männliche Begleitung erklärt mir das Verhalten seiner Leidensgenossen dann so: „Wenn du als Single-Mann fortgehst, dann entweder um zu saufen oder um zu schmusen.“ Da ich keinen Alkohol trinke, fällt das erste schon mal weg und an dem zweiten bin ich nicht interessiert. Warum auch? Ich bin dort, um mit meinen Freundinnen zu tanzen und Spaß zu haben. Und das kann ich sehr wohl ohne blödem Herumgeknutsche.

Ich bleibe bei meinen Bällen. Ohne Saufen und Schmusen, dafür mit umso mehr Tanzen. Und Tanzen, das kein Herumgehüpfe ist. Ein beschwingter Quickstep oder eine langsame Rumba, das sind die Tänze, bei denen ich dabei bin. Niemand fragt mich ob ich einen Freund habe oder nicht, denn niemanden interessiert es, zum Glück.

 

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