Ibiza-Preis für Handyvideo nach Terroranschlag

31. März 2021

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Ibiza-Preis 2021
Die Nominierten: Michael Bonvalot, Mikail Özen (Preisträger 2021), Hanna Simons (Foto: Julia Wesely)

Am 2. November 2020 retteten Mikail Özen und Recep Tayyip Gültekin einen angeschossenen Polizisten vor einem Amokläufer. Für das Video, das Mikail Özen danach aufnahm, um die Öffentlichkeit zu informieren, bekam er nun den Ibiza-Preis für Journalismus.

 

Zutiefst dankbar und ein bisschen wackelig nimmt Mikail Özen den Ibiza-Preis 2021 im Volkstheater gestern entgegen. Der türkischstämmige Österreicher hat zusammen mit seinem Freund Recep Tayyip Gültekin am 2. November 2020 beim Terroranschlag am Schwedenplatz das Leben eines Polizeibeamten gerettet. In einem Handyvideo berichtete er später, was geschehen ist. Es sei „nicht abzuschätzen“, wie die öffentliche Debatte abgelaufen wäre, hätte er dies nicht getan, so Regisseur Franz Novotny, der 2020 die Idee für den Preis hatte.

Erst beleidigt, dann beklatscht

Es ist nicht die erste Auszeichnung für Özen, die er nach dem Terroranschlag bekommt. Der Wiener Polizeipräsident verlieh Gültekin und ihm ein Ehrenabzeichen und auch Bürgermeister Michael Ludwig hat die beiden getroffen - "ein netter Mann“, so Özen. Dabei war die Reaktion zuerst gegenteilig. Ein Passant hatte ihn und Gültekin gefilmt, doch das Videomaterial geriet gekürzt ins Netz. So wurden die beiden fälschlicherweise als Attentäter abgestempelt und als „Erdogan-Soldaten“ beleidigt. (Warum heldenhafte Taten und fragwürdige Gesinnung nicht einander ausschließen, kannst du hier lesen)

„Es hat sogar ein Freund bei mir angerufen“, erzählt er: „und gesagt, ich sei der Amokläufer, er habe meine Stimme erkannt.“ Daraufhin habe er im Video schnell alles erklärt. Eine Aufmerksamkeitswelle, die für Özen überraschend kam, er freut sich darüber und betont: „Ich finde das ist selbstverständlich, was wir taten. Wir wollen helfen.“ Und weil das immer noch gesagt werden muss, stellt er auch klar: „Wir Muslime stehen zu Österreich.“

Handy an, Kamera drauf

Der Ibiza-Preis wird von dem Medium „Dossier“ in Kooperation mit dem Volkstheater verliehen und ging im letzten Jahr an das Team der „Süddeutschen Zeitung“ fürs Strache-Video. Neben Mikail Özen kamen auch der freie Journalist Michael Bonvalot und die WWF-Aktivistin Hanna Simons in die engere Auswahl. Bonvalot hatte die Polizei bei einem Einsatz übermäßiger Gewalt gefilmt, er dokumentiert immer wieder Fehlverhalten der Exekutive. Konsequenzen gab es allerdings keine. Genauso wenig, wie für Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP), der eine Kollegin Hanna Simons vom WWF vor laufender Kamera als „widerwärtiges Luder“ bezeichnete. Dennoch leisteten die beiden Aufzeichnungen einen wichtigen Beitrag für den österreichischen Journalismus im letzten Jahr.

Mit der jährlichen Vergabe des Ibiza-Preises setzen die Verantwortlichen ein starkes Zeichen. In Zeiten von Skandalen und Krisen ist ein freier und kritischer Journalismus wichtig, der auch dort hinschaut, wo es unangenehm ist. Das taten Michael Bonvalot, Hanna Simons und auch Mikail Özen und schufen so Raum für Meinung und öffentliche Debatten. 

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