Marokkanisches Make-Up als Lösung für Gewaltopfer

03. Dezember 2016

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Geschlagene Frau als Model
Screenshot des Videos aus YouTube

Ein Marokkanischer Staatsender zeigt zwei Tage vor dem „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ Schminktipps für geschlagene Frauen. Ist Gewalt mittlerweile so alltäglich, dass sie kaum noch aufschreckt?

Der 25.November ist der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen.“ Und dafür hat sich die Sendung „Sabahiyat“ auf dem öffentlich-rechtlichen Sender 2M etwas ganz „Besonderes“ ausgedacht.

Seit Jahren setzen sich Organisationen und Vereine für die Frauenrechte ein. Normalerweise sind für diesen Tag immer ganz beeindruckende Projekte vorhergesehen. „Das Frauenhaus Burgenland“  veranstaltete das Projekt „1000 Schritte gegen Gewalt“, indem das Team, innerhalb von 16 Tagen, Passanten eingeladen hat, ein paar Schritte gegen Gewalt zu gehen und somit ihren Schuhabdruck auf einer Papierrolle zu hinterlassen. Bekannt sind auch die Selbstverteidigungskurse oder Verhaltenstipps wie z.B: „eine Armlänge Abstand halten“.

Aber mittlerweile ist das alles schon OUT: Der neue Tipp ist Make-Up! Wurde eine Frau wieder mal geschlagen? Dann verdeckt man die blauen Flecken und Schwellungen im Gesicht am besten mit der Contouring Palette, wie die Visagistin im Video gut demonstrierte. (Sarcasm) 

Die Sendung wurde am 23. November ausgestrahlt. Eine Maskenbildnerin zeigte an einem Modell, mit aufgemalten blauen Flecken, wie man am besten die Spuren der Gewalttat übermalen kann. Anschließend sagte die Moderatorin "Wir hoffen, dass diese Schönheitstipps Ihnen in Ihrem Alltag helfen.“

Abgesehen davon, dass Gewalt sicher nicht zum Alltag gehören sollte, ist euer Ratschlag sicher sehr hilfreich. Ist das eure Art „Nein“ zur Gewalt zu sagen? Es einfach zu akzeptieren und das Gewaltopfer zu bemalen als wäre Nichts geschehen? Keine Frau (auch keine marokkanische Frau) muss sich der häuslichen Gewalt hingeben und diese Schmerzen „verdecken“. Frauen sind keineswegs das schwächere Geschlecht. Eher sind das die Männer, die auf eine Frau losgehen, die sich nicht wehren kann bzw. wird.

Welle der Empörung

Unmittelbar nach der Ausstrahlung der Sendung kam es zu wütenden Protesten in den sozialen Medien. Fast 2.000 Zuschauer beschwerten sich bei der Fernsehbehörde, bis der Sender das Video aus dem Netz entfernte und sich auf Facebook entschuldigte: Der Beitrag sei "völlig unangemessen" gewesen und Folge einer Fehleinschätzung. Noch dazu widersprach das der redaktionellen Linie des Senders, der sich seit 27 Jahren für Frauenrechte einsetze.

Screenshots vom Video werden weiterhin auf Twitter verbreitet. Angeblich sollte es sich um eine Gehirnwäsche handeln. Es wird versucht Gewalt gegen Frauen als normalen Alltag zu bezeichnen und den Missbrauch zu verbergen.

 

Gewalt liegt nicht im muslimischen Blut!

Muslimische Frauen werden immer mit Unterdrückung und muslimische Männer immer mit zurückgebliebenen Schlägertypen verbunden. Das typische Klischee, das durch die marokkanische Sendung nochmal fett unterstrichen wurde. Gewalt gibt es jedoch überall und hat rein gar nichts mit der Religion zu tun.

Weder die Moderatorin, noch die Visagistin oder das Model tragen ein Kopftuch an dem erkennen könnte, dass sie Muslimas sind. Aber auf irgendetwas muss man das Ganze ja schieben können. Marokko ist ja ein muslimisches Land! Schon hat sich die Sache geklärt. Ist dann anscheinend logisch, dass Frauen geschlagen Werden. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum manche muslimischen Frauen eine Burka tragen. Nur um ihr blaues, angeschwollenes Gesicht zu verdecken. Seriously?!

Was hat Gewalt mit dem Islam zu tun? Manche wollen es vielleicht nicht wahrnehmen, aber solche Aktionen passieren auch in christlichen Ländern.

Körperlicher Missbrauch hat nämlich keine Religion oder eine bestimmte Hautfarbe, das ist eine Krankheit die es überall auf der Welt gibt. Eine Krankheit für die man auf jeden Fall ein wirksames Heilmittel entdecken sollte. Und zwar etwas außer Make-Up.

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