Öffentliche Hinrichtung vor dem Präsidentenpalast

20. März 2015

Gestern wurde eine 27-jährige Frau in Afghanistan nur unweit vom Kabuler Präsidentenpalast im Zentrum von einem wütenden Mob verbrannt. Sie soll den Koran verbrannt haben. Die Frau litt jedoch unter psychischen Störungen.

Von Tanya Kayhan

Weil Farkhunda (27) mehrere Korane in Kabul verbrannt hatte, wurde sie zuerst von der rasenden Meute totgeschlagen, danach wurde sie überfahren, mit Steinen beworfen und letztendlich verbrannt. Dieser Vorfall ereignete sich gestern um 15 Uhr im Zentrum der Stadt, unweit des Präsidentenpalastes und vor den Augen der Polizei. Die hat es nicht unterbunden, den Mord zu verhindern. Die Frau litt unter psychischen Störungen und konnte ihr Handeln nicht abschätzen. Selbst Kabuls Polizei bestätigt, dass das Mädchen mit psychologischen Störungen zu kämpfen hatte. Dennoch musste sie sterben.

Das ist das erste Mal, dass eine Frau in Afghanistan öffentlich wegen einer Koranverbrennung  gelyncht wurde. Aber Frauenfeindlichkeit in Afghanistan ist nichts Neues. Afghanische Frauen haben in ihrer Heimat  mit vielen Problemen zu kämpfen. Einer der letzten Fälle war Shahla Atta, eine Politikerin. Sie wurde am 12. März von fremden Männern in ihrer eigenen Wohnung mit einem Strick erwürgt. Obwohl Fotos belegen, dass das Opfer Würgmerkmale auf dem Hals zu sehen sind, beharrte die Polizei weiterhin darauf, dass es sich um einen natürlichen Tod handelte. Sie sorgte auch dafür, dass die Familie des Opfers schweigt.  

Koranverbrennungen kommen in Afghanistan nicht selten vor. 2012 wurden mehrere Koran-Ausgaben von amerikanischen Soldaten in Stützpunkt Bagram verbrannt.  Tagelang wüteten deswegen gewaltsame Proteste in ganz Afghanistan, bei dem mehr als 30 Menschen starben.

Nach der grausamen Verbrennung von Farkhunda, drohen Frauen in Afghanistan nun eine neue Welle der Gewalt. Dieser Vorfall zeigt, dass sogar Frauen mit psychischen Problemen nicht sicher leben können. Seit der Machtergreifung der Mujaheddin im April 1992 leiden Frauen in Afghanistan unter erheblichen Nachteilen. Frauenfeindlichkeit, Enthauptung, öffentliche Steinigungen, verzweifelte Selbstverbrennungen und Vergewaltigungen sind nur einige ausgewählte Grausamkeiten, die an der Tagesordnung stehen. Nach der US-Invasion im Oktober 2001 verschlimmerte sich die Situation der Frauen.  

Mittlerweile wurden im Fall Farkhunda vier Tatverdächtige verhaftet. Sharaf Baghlany, einer der Täter, prahlte sogar mit seiner Tat in Facebook.  Abdul-Rahman Ahmadzei, der Leiter der Stiftung des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten in Afghanistan, verkündete im Fernsehen: „Wenn die Frau wirklich Korane verbrannt hat, haben die Menschen richtig gehandelt“.

 

Tanya Kayhan absolviert derzeit die biber-Akademie. Sie ist afghanische Journalistin, die seit vier Jahren in Österreich lebt. Deswegen einfach ein Auge zu drücken, falls ihr den ein oder anderen Fehler in ihren Blogs entdeckt. Aller Anfang ist schwer und ihr seid bestimmt auch keine Profis in Persisch, oder?

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