Prosit Neujahr! Und das Mitte März.

20. März 2015

Nawruz.jpg

Neujahr, Naw Ruz, Irn, Afghanistan,
Foto: bereitgestellt

Viele Millionen Menschen feiern am 20. März Neujahr. Naw Ruz heißt das Fest, das im ganzen Nahen Osten mit den verschiedensten Ritualen begangen wird.  Im Kreise der Familie feiere ich auch Neujahr, aber ganz ohne Neujahrsvorsätze, Sekt oder Raketen.

Bei uns, in einem halb-persisch, halb-österreichischen Haushalt, steht um diese Zeit im Jahr die Familie an erster Stelle und alle müssen besucht oder wenigstens angerufen werden, um die Glückwünsche für das kommende Jahr zu übermitteln. Es wird viel gegessen, geschenkt und gelacht,  während sich die gesamte Familie regelrecht mit Glückwünschen anschreit.

Die Tage vor Naw Ruz sind jedes Jahr ein bisschen hektisch. Die Wohnung wird geputzt, das viele viele Essen wird über mehrere Tage vorbereitet und gekocht, alle ziehen sich schön an, Fotos werden geschossen, Geschenke werden ausgetauscht und schließlich wird das viele gute Essen auch verspeist. Und mitten in dem ganzen Geschehen treffen gefühlte tausend Anrufe von Verwandten ein, die auf der ganzen Welt verstreut leben und zum neuen Jahr gratulieren.

Eide Shoma Mobarak!

20. März: Dieses Datum kennen viele als den Frühlingsbeginn, also als einen Tag, der nicht unbedingt gefeiert werden muss. Doch im Iran, in Afghanistan, in Aserbaidschan und in vielen weiteren Ländern des Orients ist an diesem Tag Neujahr. Übersetzt bedeutet Naw Ruz „neuer Tag“. Und gratuliert wird mit einer Floskel, die man bestimmt schon hunderte Male gehört hat: „Eide Shoma Mobarak!“ (Frohes Neues Jahr!).

Man beglückwünscht und wird beglückwünscht und die ganze Familie erfreut sich eines geschmückten Tisches, auf dem – für das ungeübte Auge – allerlei Krimskrams aufgestellt ist. Und zwar ein Apfel, ein rötliches Gewürz, ein Gefäß mit Essig, eine silberne Münze, Hyazinthen, etwas, das aussieht wie Gras, Beeren und – bei uns zumindest – viele Süßigkeiten.  Ist man der persischen Sprache mächtig, dann weiß man, dass alle Gegenstände mit einem „s“ beginnen. Daher kommt auch der Name zu diesem Ritual: Haft-Sin, was die „Sieben-S“ bedeuten würde.

Ohne Knoblauch und Goldfisch bitte

Interessant zu sehen ist vor allem, dass jeder Gegenstand eine bestimmte Eigenschaft symbolisiert. Der Apfel symbolisiert beispielsweise Schönheit und Gesundheit und der Knoblauch würde Medizin symbolisieren, wenn wir ihn aufstellen würden. Aber alle sind dagegen den Knoblauch zu integrieren, denn irgendwann würde das ganze Wohnzimmer wahrscheinlich sehr intensiv zu riechen beginnen. Viele Perser haben auch einen Goldfisch auf dem Tisch stehen aber den brauchen wir auch nicht. Ich zumindest kann nichts mit einem Tier anfangen, dass ein Erinnerungsvermögen von 3 Sekunden hat.

Dadurch haben wir eben einen leicht abgewandelten Haft-Sin, was aber niemanden so wirklich stört. Hauptsache die ganze Familie ist zusammen, hat eine schöne Zeit miteinander und genießt den ersten (Frühlings-)Tag im neuen Jahr zusammen. Und auch alle, die nicht feiern, schreie ich somit virtuell an: EIDE SHOMA MOBARAK!

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