Qamar – Warum es ein muslimisches Magazin braucht!

19. November 2020

Am 10. Dezember erscheint die erste Ausgabe von Qamar – das muslimische Lifestyle-Magazin aus Wien. Darin geht es aber nicht darum, wo es die schönsten Kopftücher oder das reinste Rindfleisch gibt und wie man sich den besten Platz im Himmel sichert. Es geht um Philosophie, Literatur, Kultur und Gesellschaft. Mit Herausgeber und Medieninhaber Muhamed Beganović habe ich darüber geredet, warum es das Identifikationsmerkmal „muslimisch“ immer noch braucht. 

 

„In den klassischen Medien kommen Muslim:innen in der Regel nur dann vor, wenn es auf etwas zu reagieren gilt. Also Terror, Politischer Islam oder die Kopftuch-Debatte.“, bestätigt Muhamed Beganović die Kritik vieler Muslim:innen der Diaspora. Qamar möchte der Frage nachgehen, womit sich Muslim:innen tatsächlich beschäftigen, wenn sie sich mal nicht mit den von ihnen erwarteten Themenkomplexen auseinandersetzen müssen. Das Magazin möchte vielfältige Lebensrealitäten außerhalb der medialen Berichterstattung repräsentieren. Wieviel es da noch zu tun gibt erzählt Beganović aus persönlicher Erfahrung: „Vor Jahren hatte ich mal ein Bewerbungsgespräch, wo mir der Chefredakteur einer renommierten Qualitätszeitung gesagt hat, er finde Muslim:innen lesen zu wenig und er sichte zu wenig Bildungs- und Integrationspotenzial bei ihnen. Natürlich ist er nicht der Einzige, der diese Meinung vertritt.“

 

„Verstehen statt problematisieren“

Also warum braucht es jetzt eigentlich ein spezifisch muslimisches Magazin? Nach Beganović könne ein klassisches Medium nie die gesamte Vielfalt an Themen und Stimmen einer so dynamischen Community abbilden. Da brauche es eine eigene Plattform, vor allem eine, die sie verstehe und nicht problematisiere. Die Vielfalt muss gesehen, gehört und gelesen werden, damit sie ins kollektive Gedächtnis eingehen kann. Das hat sich Qamar auf die Fahne geschrieben: „Wenn man im ORF mal eine/n muslimische/n Politikwissenschaftler:in einlädt, um über die Wahlen in Island (oder einem anderen nicht-muslimischen Land) zu reden, und dass auch als völlig normal gesehen und von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert wird, dann sehen wir unser Ziel als erreicht. Vielleicht wird Qamar dann obsolet, aber wir nehmen das gerne in Kauf.“ 

Qamar Kant Illustration © Marwa Yasin
Kant Illustration: Marwa Yasin

 

Von weltoffenen für weltoffene Menschen 

„Natürlich machen wir im ersten Ansatz ein Heft für Muslim:innen, aber wir richten uns eigentlich auch an alle weltoffenen Nicht-Muslim:innen, die sich für ein differenziertes Bild der vielfältigen muslimischen Gemeinschaft interessieren. Wir haben auch etliche Bestellungen von Personen, die vom Namen her als Nicht-Muslimisch gelesen werden können. Das freut uns, weil es uns darin bestärkt, dass wir einen richtigen Mix getroffen haben. Außerdem schreiben und illustrieren für Qamar nicht nur Muslim:innen. Etliche unserer Mitarbeiter:innen gehören anderen Religionen an oder sind Atheist:innen. Wir sind zwar ein „muslimisches Magazin“, aber wir sind da sehr offen – alle, sowohl Mitarbeiter:innen als auch als Leser:innen, sind willkommen.“, so Muhamed Beganović. 

 

Qamar Seite Foto Gedicht © Elona Beqiraj
Foto: Elona Beqiraj

 

Und wer sich das Heft schon bestellt und es bis zum Druck nicht abwarten kann, kann sich schon einige Beiträge auf der Website durchlesen. Dort findet ihr unter anderem auch einen Beitrag von Ex-Biber Akademikerin Menerva Hammad, oder ein spannendes Interview mit Gefängnisseelsorger Šibljaković zur Radikalisierungsgefahr in Gefängnissen. Für die volle Ladung Kultur mit Kant und das Islamverständnis der Aufklärung, Literatur usw. freuen wir uns schon auf die Printversion am 10. Dezember. 

 

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