Schwesterherz ich lieb‘ dich so!

25. September 2016

Eine Hommage an meine Schwester

Immer wenn mir jemand sagt: „Mit meiner Schwester verstehe ich mich nicht so gut“, versuche ich mir vorzustellen, wie sich das wohl anfühlt. Doch es fällt mir schwer. Für mich war so etwas immer unvorstellbar.

 

Engel auf Erden

Meine Schwester war das größte Geschenk, das mir meine Eltern machen konnten als ich fünfeinhalb Jahre alt war. Ich habe sie mir gewünscht und gebetet, dass man sie mir schickt, lange bevor sie da war. Daher nenne ich sie auch meinen Engel.  Der Gedanke, dass sie immer für mich da ist, gibt mir täglich Halt. Ernsthaften Streit hatten wir noch nie.

Ich scheue davor zurück zu sagen, wie traurig ich es finde, wenn jemand mir offenbart, dass die Beziehung zur eigenen Schwester nicht so gut ist. Denn dann muss ich daran denken, wie sehr ich leiden würde, wenn es bei meiner Schwester und mir auch so wäre, und ich bekomme kein Wort mehr heraus.

 

Frühere Leben

Ich liebe meine Schwester so sehr, dass es mich innerlich zerreißt, wenn sie leidet – wegen ihres Jobs, eines Mannes, oder sonstiger, alltäglicher Schwierigkeiten, die das Leben mit sich bringt. Ich kann nicht ruhig schlafen, und es tut weh, wenn sie traurig oder unglücklich ist.

Immer wenn mich jemand fragt, was ich denke, warum meine Schwester und ich ein Herz und eine Seele sind, muss ich lächeln – und meine Antwort ist stets die gleiche: „Weil wir uns schon aus früheren Leben kennen.“ Die Reaktionen auf diese Aussage reichen von konfusen Blicken und Lachen bis hin zu zustimmendem Nicken. Ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass es so ist. Wir spüren alles und wissen alles voneinander, ohne miteinander kommunizieren zu müssen. Es ist wie eine transparente Nabelschnur – fast schon eine Art telepathischer Verbindung auf einer solch hohen Ebene, dass sie für Außenstehende kaum verständlich ist.

 

Lernen im Kinderzimmer

Durch Schwestern und Brüder lernen wir von klein auf mit allen Emotionen, welche uns Menschen ausmachen, umzugehen: Freud und Leid, Neid und Eifersucht, Rücksichtnahme und Selbstlosigkeit, Geduld und Empathie. Die Liste ist unendlich. Von niemandem lernt man womöglich so viel wie von einem Geschwisterteil, ob man will oder nicht, und am meisten natürlich über sich selbst. Man lernt aber auch zu tricksen, Streiche zu spielen oder wie die Sache mit dem Zynismus funktioniert.

Ich erzählte meiner Schwester zum Beispiel als Kind, dass sie adoptiert worden wäre, um sie zu ärgern. Das machte sie natürlich komplett fertig.

Dafür schmierte sie sich immer ihre Spucke auf die Wangen, wenn wir Zoff hatten, damit man annahm, sie würde weinen, und erzählte meinen Eltern dann, dass ich sie geschlagen hätte, was eigentlich nie der Wahrheit entsprach.

Mit Geschwistern besucht man sozusagen lebenslänglich ein soziales Trainingslager. Und ein gemeinsames Kinderzimmer kann einander mehr zusammenschweißen, als man es im Kindesalter ahnt. Ernste Rivalität gab es nie zwischen uns.

 

geschwister, schwestern

Anker im Ozean

Meine Schwester ist immer diejenige, zu der ich sofort laufen möchte, wenn mir etwas Schönes, und erst recht, etwas Unschönes passiert ist.

Sie ist diejenige, die mich besser versteht, als ich es tue.

Sie kennt mich in- und auswendig und ergänzt mit ihrer Art all meine weniger ausgeprägten Seiten. Im Grunde vervollständigen wir uns, während jede ihre eigenen Freiräume hat.

Nur sie ruft mich aus dem Nichts an und sagt: „Ich spüre irgendwie, dass es dir nicht so gut geht. Ist was passiert?“

 

Mehr als Familie

Sie ist nicht nur meine Schwester, sie ist meine beste Freundin und besitzt einen Platz in meinem Leben, den ihr niemals jemand streitig machen könnte – auch nie jemand einnehmen würde, weil jeder Ehrfurcht besitzt vor dem Respekt, mit dem ich sie behandle.

Als Pubertierende nervte es mich, dass meine kleine Schwester immer bei mir und meinen Freundinnen sein wollte. Heute möchte und wünsche ich sie mir immer an meiner Seite.

Aber seine Familie  kann man sich nicht aussuchen, nicht wahr? Das glaube ich auch. Denn ich habe nicht zu allen Familienmitgliedern solch eine gute Beziehung. Aus diesem Grund denke ich, dass solche Verbindungen über das Familiäre weit hinaus gehen und eine spezielle Form der tiefen und bedingungslosen Freundschaft darstellen. Daher weiß ich auch, dass wir einander immer wieder suchen werden, egal, ob wir im nächsten Leben miteinander verwandt sind, oder nicht.

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