Statt New York lieber an den Wolfgangsee: Warum CO2-Kompensation keine Lösung ist

06. Januar 2021

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Fridays For Future
Foto: FFF Wien

Blog Klimagerechtigkeit: Eintrag #4, 08.01.2020

 

von Gerrit Osabal


Kennt ihr das? Ihr wollt in den Urlaub fliegen, zum Beispiel nach New York, habt aber ein schlechtes Gewissen, weil Flugzeuge sehr viele Treibhausgase ausstoßen? Dafür gibt es seit geraumer Zeit das Wort “Flugscham”.

 

Damit ohne Rücksicht aufs Klima weiter Profit gemacht werden kann, bieten viele Airlines (wie auch seit Kurzem einige Tankstellen) an, Scham so wie CO2 einfach zu kompensieren. Wen das jetzt an modernen Ablasshandel erinnert – genau das ist CO2-Kompensation. Dem Konsumenten wird vorgegaukelt, sich von seinen Sünden reinwaschen und ohne schlechtes Gewissen in den Urlaub fliegen zu können. Was gut klingt, funktioniert in der Praxis allerdings eher schlecht als recht.

 

Fridays For Future Wien
Foto: FFF Franziska Marhold

 

Wie funktioniert diese umstrittene CO2-Kompensation denn überhaupt? Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Bäume zu pflanzen oder den CO2-Ausstoß eines anderen zu verhindern.

 

Bäume nehmen bekanntlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Doch ein Baum muss mehrere Jahre lang stehen bleiben, um das emittierte CO2 wieder aufzunehmen. Und auch wenn ich mit meinem Flug Bäume pflanzen lasse - mit dem Pflanzen ist die Sache noch nicht erledigt. Der Baum darf vorher nicht gefällt, von Schädlingen befallen werden oder sonst irgendwie verschwinden.

 

Um einen Hin- und Rückflug nach New York zu kompensieren, braucht man außerdem mehr als einen Baum. Eine solche Reise verursacht 3,5 Tonnen CO2. Allein für dessen Kompensation müssten also zum Beispiel 280 Buchen gepflanzt werden. Dadurch sind schnell große Flächen für die erforderlichen Bäume notwendig.

Da wären noch zwei riesen Probleme: Bis der gepflanzte Baum das von mir ausgestoßene CO2 einmal aufnehmen kann, ist das Kohlendioxid Jahrzehnte in der Luft. Zudem lebt der Baum nicht ewig. Auch wenn das CO2 aufgenommen wird - früher oder später wird es wieder in die Atmosphäre abgegeben.

 

Dann gibt es noch die Möglichkeit, bei Flügen im Gegenzug Klimaschutzprojekte zu finanzieren, damit an anderer Stelle kein CO2 entsteht. Aber würdet ihr euren Müll im Wald wegwerfen und dann Geld zahlen, damit ein anderer in Zukunft seinen Müll im Mistkübel entsorgt? Natürlich nicht! Genau das ist aber das Prinzip von CO2-Kompensation.

 

Da ist es sinnvoller, einfach so an Klimaschutzprojekte zu spenden, ohne selbst große Mengen an CO2 zu emittieren. Also entscheide ich mich dafür, doch nicht nach New York zu fliegen, sondern mit dem Zug zum schönen Wolfgangsee zu fahren. Da ich einen Koffer mit Rädern besitze, ist die Reise auch nicht weiter anstrengend.

 

Gerrit Osabal (24) ist seit Mai 2019 bei Fridays For Future Wien aktiv.

Monatlich erscheint im Biber der Klimagerechtigkeits-Blog von Fridays For Future. Derzeit beuten Industrieländer Entwicklungsländer aus, damit ihre Wirtschaft ständig wächst. Klimagerechtigkeit versteht einen respektvollen Umgang zwischen Mensch, Tier und Natur: Jede*r auf diesem Planeten soll unter denselben Bedingungen leben können, ohne dass die Ressourcen der Erde ausgebeutet werden. Nur so haben auch künftige Generationen eine sichere, lebenswerte Zukunft. Mehr Infos unter: www.fridaysforfuture.at

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