Verwirrung um Aschbacher und das Baby-Foto

07. August 2020

Ein Paar, ein Kind und eine Ministerin, die einen hunderter Schein mit einer Zange dem Baby überreicht. Was klingt, wie die Werbung einer Vorsorgeversicherung, ist ein Bild, dass am 30.05 in der Kronenzeitung erschienen ist. Es zeigt Arbeits- und Familienministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Sie überreicht offenbar höchst persönlich Familien Geld aus dem Härtefallfonds in bar. „Aschbacher ließ es sich nicht nehmen, einer betroffenen Familie mit zwei Kindern das Geld selbst zu übergeben“, schreibt die Krone darin.  Seitdem herrscht eine große Kontroverse um das Bild.

Aschbacher Baby-Foto
BKA

Der Standard zieht einen Vergleich mit Jörg Haiders Methoden. Die Hygiene des Geldscheins und der nicht vorhandenen Mindestabstand kritisieren dafür andere. Auch um wen es sich bei der Familie handelt und wie es zu dem umstrittenen Foto gekommen ist, ist zunächst ein Rätsel. Ist es eine wirkliche Familie oder posieren durch nur Schauspieler. Wie kam es zu dem Foto? Ist alles echt oder doch nur inszeniert?

Die ÖVP Nähe der Familie wird erst später bekannt.  Die Mutter war parlamentarische Mitarbeiterin bei der ÖVP-Abgeordneten Maria Rauch-Kallat. Der Vater hat geschäftlich mit dem ÖVP-Wirtschaftsbund zu tun. Der stellvertretende Kabinettschef und Pressesprecher von Familienministerin Aschbacher sind beide Facebook-Freunde des Paares. Alles nur Zufall? Wohl eher nicht.

Alles doch inszeniert

Doch kommuniziert wird das alles seitens Aschbacher anfänglich nicht. „Grundsätzlich war es so, dass die Eltern das Geld übernommen haben und das Baby kurz zu dem Geld auch greifen wollte“, erklärt Aschbacher Anfang Juli noch im Ö1-„Morgenjournal“.  Es hat den Anschein, als hätte sich die Sache ganz zufällig ergeben.

Dass dies nicht ganz der Fall war, ist nun in den Antworten des parlamentarischen Antrags von NEOS ersichtlich. 14 Fragen stellte sie in diesem an Ministerin Aschbacher. Das Ergebnis: Das Foto war doch inszeniert und es werden nicht wirklich Gelder aus den Familien-Härtefallfonds in bar ausbezahlt. „Die Familie hat sich in Zusammenhang mit der positiven Zuerkennung einer Leistung aus dem Corona-Familienhärtefonds an mein Büro gewandt. Daraus hat sich die Möglichkeit ergeben, hierzu symbolische Fotos zum Start der Auszahlungen zu machen. Das Bildmaterial wurde sodann im Einvernehmen mit der Familie gemacht“, so Aschbacher. Ein Fotograf des Bundespressedienst habe das Foto am 28. Mai 2020 um 16:30 Uhr im Volksgarten aufgenommen.

Aschbacher verwirrt, die Medien ignorieren

Kurzzeitiger Gedächtnisschwund ist bei Politikern ja nichts neues. Mal jenes sagen, und dieses dann später verneinen, wäre nichts ungewöhnlich. Aber Aschbachers gegensätzliche Aussagen in so kurzer Zeit, werfen nun doch sehr viele Fragen auf. Was denn nun Frau Ministerin? Ich bin verwirrt. Und das anscheinend als einer der wenigen. Oder warum redet sonst niemand darüber?

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