Von Enttäuschungen und Verletzungen – Oder: Ein Ratschlag zur heutigen Dating-Welt

05. Mai 2018

Wir machen uns das selber schwer

„Es ist schwer jemand g‘scheiten zu finden“, gehört heutzutage zu jedermanns Standardaussage, wenn es um Beziehungen, Klagen über ebendiese, Ratschläge und potentielle Partner geht.

Die Suche nach IHM/IHR ist schwer geworden. Aber war diese jemals tatsächlich einfach, oder wollen wir das nur glauben?

„Du darfst nicht krampfhaft suchen“, oder „Sie/Er wird dann kommen, wenn du aufgehört hast zu suchen“, sind wunderbare Sprüche um Singles so richtig zu nerven.

Kann man das überhaupt - damit aufhören Ausschau zu halten? Oder macht man sich da nur selbst etwas vor?

Glück gehabt

Möchte man die wirklich glücklichen und erfüllten Beziehungen, die man selbst aus dem eigenen Bekannten- und Verwandtenkreis kennt, an einer Hand abzählen, reichen oftmals schon zwei Finger, denn von außen täuscht man sich meistens.

Sehr viele Menschen gehen Partnerschaften ein, mit denen sie nur halbwegs zufrieden sind. Aus unterschiedlichsten Gründen: Einsamkeit, Gewohnheit, Abhängigkeit, Sicherheit, gesellschaftlicher Druck, Angst vor dem Alleinebleiben, Langeweile, und vieles mehr.

Und dann gibt es jene, die einfach nur tagein, tagaus daten - mal mehr, mal weniger hoffnungsvoll, mal ernst, mal weniger ernst, verzweifelt oder schon frustriert, und oftmals einen Reinfall nach dem anderen erleben.

Im Leben eines Singles gibt es aber auch durchaus Phasen, in welchen man einfach niemanden mehr kennenlernen möchte, weil man schon so ‚müde‘ von dem ganzen Quatsch ist.

Und wenn Singles dann doch jemanden treffen, von dem sie hin und weg sind, ‚vermasseln‘ sie es irgendwie. Oder aber, sie haben zu viel Hoffnung und Erwartung in diese Person gesteckt, was absolut der falscheste Ansatz von allen ist.

Vorsicht, empfindlich!

Sehr viele Leute heutzutage wollen keine Verpflichtungen eingehen, möchten aber mit Samthandschuhen angefasst werden. Sie haben selbst keine Eier in der Hose (Männlein, als auch Weiblein) und können, oder wollen sich nach eigenen Angaben nicht binden, hätten aber am liebsten alles vom Gegenüber: Treue, Verfügbarkeit, Sex und Verbindlichkeit. Das Maximum haben wollen und selbst das Minimum zur Verfügung stellen. Dass das nicht funktionieren kann, muss hier nicht näher erläutert werden. Einer zieht oft den Kürzeren.

Warum Menschen das tun, eine eigentlich einfache Sache so zu verkomplizieren? Weil sie oftmals Egoisten sind. Oder aber, weil sie Angst davor haben, zurück- oder abgewiesen zu werden. Es ist womöglich eine Art Selbstschutz: Lieber sich ‚blöd anstellen‘, den A*** spielen, und dann als der weniger verletzte aussteigen, anstatt es zu riskiereen mit seinen Gefühlen sitzen gelassen zu werden.

Ja, manchmal sind auch beide kindisch und ‘lieben‘ aneinander vorbei.

Die einen erwarten alles vom Date, die anderen haben keinen Glauben mehr an mögliche, glückliche Beziehungen und prophezeien das Ende, bevor es überhaupt begonnen hat. Mit den Gedanken: „Es wird eh sicher wieder nix“ gehen sie an die Sache heran.

Und so vergeuden Menschen gegenseitig ihre wertvollen Energien und Zeit.

Anspannung tut weh

Die Angst vor einer Abfuhr, dass der andere es sich doch noch anders überlegen könnte (wozu er/sie freies Recht hat), führt oftmals dazu, dass wir ständig angespannt sind und bei jedem kleinsten Zeichen von potenzieller Abweisung (Treffen wird abgesagt, sie/er meldet sich einen Tag lang nicht mehr so regelmäßig, etc.) sofort überreagieren, was dann wiederum nicht selten in einen Streit ausartet. Ein Streit mit jemandem, mit dem wir weit weg davon entfernt sind überhaupt eine Beziehung einzugehen. Diese Streitereien sind dann auch mal welche von jener Sorte, wo man sich Dinge vorwirft (weil wir ja Erwartungen hatten, die wir uns selbst herbei gesponnen haben), impulsive, unreflektierte Sachen dem Gegenüber an den Kopf schmeißt, eigene Wünsche und Ängste aufeinander projiziert, mit denen sie/er gar nichts zu tun hat - und welche nicht der Wahrheit entsprechen, und einiges mehr. Puh.

Uns selbst beruhigen wollend, reden wir uns dann ein: „Na, wenn es jetzt schon so mit ihm/ihr ist, dann kann sowieso nie was daraus werden. Gut, dass es gleich am Anfang passiert ist.“

Fakt ist aber: Unser Verhalten rührt aus komplett emotionsgeladenen, unbegründeten Impulsen heraus, die unser eigenes Problem sind!

Klarerweise wird man dann für verrückt gehalten, während man den anderen natürlich mindestens für genauso gestört erklärt.

Die Sache mit den Erwartungen

Es ist leider so: Erwartungen sind die Wurzel jeder Enttäuschung. Und Enttäuschungen gehören nun mal zum Leben dazu, sie sind quasi Teil des Plans. Die Frage ist, wie man mit ihnen umgeht und als was man diese sieht.

Erwartungen kann man haben, wenn man bereits eine ernsthafte, vielleicht sogar längere Beziehung miteinander hat, und klare Dinge ausgemacht wurden. Aber nie, wirklich nie während der Dating-Phase.

Stattdessen?

Ersetzen wir doch mal unsere Erwartungen die ersten paar Wochen durch Neugier: „Wie ist diese Person wohl in Situation x?“

Es ist extrem schwer. Aber lieber ein „Aha. Doch nicht so meines.“, als eine bittere Enttäuschung und tagelang schlechte Laune wegen eines nahezu fremden Menschen!

Zu sehr, zu schnell

Wir wollen oft etwas so sehr, dass wir es ruinieren, bevor es überhaupt anfängt. Wir überdenken und ‚zerdenken‘ alles. Wir fantasieren herum. Wir bilden uns Dinge ein und stellen uns Dinge vor. Wir erwarten. Wir machen uns Sorgen und malen uns Sachen aus. Wir zweifeln. Sind pessimistisch. All das, anstatt Dingen ihren Lauf zu lassen und eine natürliche Entwicklung zu ermöglichen.

Box, Träume und emotionale Schrammen

Beim nächsten Date also: Versuchen die Erwartungshaltung für einige Zeit in eine Box einzusperren, und diese erst dann raus zu lassen, wenn man mit der Person auch wirklich eine Beziehung hat. Was kann schon Schlimmeres passieren, als nicht in Erfüllung gegangene Träume auf keinen Fall persönlich zu nehmen und ohne emotionale Schrammen davon gekommen zu sein?

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