Warum darf Abdullah nicht in Österreich bleiben?

11. März 2021

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HLW Hollabrunn
Foto: HLW Hollabrunn

Abdullah Hossaini absolviert derzeit eine Lehre zum Restaurantfachmann, nun steht ihm am 16. März die Abschiebung bevor. 

Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling kam Abdullah Hossaini aus Afghanistan 2015 nach Österreich.  Damals wurde er in der Flüchtlingsunterkunft Lindenhof in Eggenburg in Niederösterreich untergebracht. Bald darauf besuchte er die HLW Hollabrunn und übersiedelte dann nach Tirol für eine Lehrestelle zum Restaurantfachmann. Mit 22 Jahren, einer fast abgeschlossenen Lehre als Restaurantfachmann und einem erschütternden Lebenslauf droht ihm jetzt die Abschiebung nach Afghanistan.

Wieso gleich Abschiebung?

Abdullah Hossaini wurde als subsidiärer Schutzberechtigter kategorisiert. Da er Lehrling war, durfte er eigentlich nicht abgeschoben werden. Laut dem Bundesverwaltungsgericht wird Abdullah Hossaini der Schutz jetzt aberkannt, wegen seiner Arbeitserfahrung, seiner Anpassungsfähigkeit und seiner Volljährigkeit. Es heißt: "Da es dem Beschwerdeführer schließlich gelungen sei, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten sowie die im Alltag immer wieder auftretenden Schwierigkeiten in diversen Bereichen zu bewältigen, sei es dem Beschwerdeführer zuzumuten, mit seiner neu gewonnenen Lebens- sowie Arbeitserfahrung auch in Afghanistan (...) zumutbar leben zu können." Nach einmaliger Verlängerung wurde der Schutzberechtigung für Abdullah Hossaini aberkannt, somit auch sein Aufenthaltsrecht.

Strebsam und „gut integriert“ reichen nicht aus

In etlichen Aussagen und Zeitungsartikel wird Abdullah Hossaini als strebsam, fleißig und „gut integriert“ bezeichnet. Minderjährig und allein ist er nach Österreich geflüchtet, eine Situation, die sich die Wenigsten von uns vorstellen können.  Abdullah Hossaini hat Deutsch in einer sehr kurzen Zeit gelernt, hat seine zweite Heimat Niederösterreich für eine Lehrstelle in Tirol aufgegeben und galt im Allgemeinen als „Vorzeige-Flüchtling“. Also ein Beispiel für gelungene Integration. Dennoch wird er des Landes verwiesen. Die Illusion, man hätte den Anspruch - nein, man hätte es dann verdient, hierzubleiben, wenn man alle Kriterien für das Bleiberecht erfüllt, ist absoluter Quatsch. Was hätte Abdullah Hosseini noch tun können, um Österreich zu zeigen, dass er auch ein Mensch ist, der sehr wohl berechtigt ist, Österreich seine Heimat zu nennen? Die Begründung des BVwGs für Abdullah Hossainis Abschiebung: „[...] Die in Österreich enthaltenen Tätigkeiten und seine Bildungsschritte weisen zwar auf einzelne Bemühungen betreffend einer Integration hin, […] eine Verdichtung der Integration in Österreich kann aber noch nicht gesehen werden“. Meine Frage: Wer verkauft hier wen für blöd? Welche integrativen Schritte sollten noch getätigt werden, um als Österreich-würdig zu gelten? Es scheint so, als ob Geflüchtete mit Gastarbeiter:innen verwechselt werden. Hossainis Flucht hat nichts mit einer Ausbildung in Österreich zum Restaurantfachmann zu tun, er ist (um es ausdrücklich noch einmal erwähnt zu haben) als 16-jähriger alleine vor Misere nach Österreich geflüchtet. Er hat das Beste aus seiner Zeit hier in Österreich gezogen und bewies mehr als „integrative Anstrengungen“, er bewies Willensstärke und Mut. Es scheint einfach so, als ob der Staat Österreich der Meinung ist, dass er mit seinem Lehrabschluss ganz gute Chancen in Afghanistan, dem Land vor dem er geflüchtet ist, hätte. Wie realitätsfern kann man sein? Was wird uns allen vorgegaukelt? Abdullahs nächstes Ziel wäre es, die Sommeliersprüfung nach seinem Lehrabschluss abzuschließen.  Es ist schmerzhaft mit anzusehen, wie ein ganzer Staat einen Menschen im Stich lässt. 

 

Hier könnt ihr mit eurer Unterschrift die Petition gegen die Abschiebung von Abdullah Hossaini unterstützen. 

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