Warum trinkst du nicht?

04. Oktober 2016

Meine Freundin hat am vergangenen Samstag ihren dreißigsten Geburtstag gefeiert. Eine Gelegenheit, bei der man als Freund trinken 'sollte'. Um Spaß zu haben, zu tanzen, sich mit Menschen besser unterhalten zu können und, last but not least, den Geburtstag zu feiern. Ich war aber der einzige auf der ganzen Party, der keinen Tropfen Alkohol getrunken hat.

Es schien, als würden es viele nicht wirklich verstehen, manche fanden es sogar unhöflich. Es ist der dreißigste Geburtstag seiner Freundin und die Spaßbremse trinkt nicht, schienen die Blicke einiger Menschen zu sagen.

 

Ein paar Getränke später und dieselben Menschen kamen zu mir und murmelten mir ins Ohr: Wie machst du das? Du trinkst nichts und  kannst trotzdem tanzen und Spaß haben?

 

Wenige Stunden später: You're a legend, Artur!

 

 

Die Frage, warum ich nicht trinke, wird mir sehr oft gestellt. So oft, dass ich mich schon längst daran gewöhnt habe. Anfänglich hat es mich aufgeregt. Es ist ja schließlich meine Wahl und mein Leben. Kurz gesagt: Not your freaking business! Ich bin aber an dem Punkt angelangt, an dem ich mir keine Gedanken mehr darüber mache. Die Reaktionen sind immer die gleichen und ich kann die Gründe der Fragenden besser als zuvor nachvollziehen.

 

Ich mag das Gefühl betrunken zu sein. Man wird lockerer, ehrlicher und macht Sachen, die man sonst nie machen würde. Außerdem hat man viel Spaß, erlebt unglaublich lustige Abenteuer (so lange man sich an sie erinnern kann). Auch die lustigsten Geschichten stammen aus dem betrunkenen Zustand. Was ist daran nicht zu mögen?

 

Warum trinke ich also nicht, wenn trinken so viele Vorteile hat?

 

Es war nicht immer so, dass ich nicht getrunken habe. Als Student, während meiner Reisen und zu vielen anderen Gelegenheiten habe ich in meinem Leben einige alkoholische Getränke konsumiert. Ich war derjenige, der andere zum Trinken angefeuert hat. Als hätte ich unbedingt das berühmteste Polen-Klischee verwirklichen wollen. 

Doch eines Tages, anfänglich vor allem wegen Sport, habe ich die Menge reduziert. Es ist immer seltener geworden bis ich einfach nicht mehr trinken wollte. 

Gesundheit ist der Hauptgrund, warum ich kaum mehr Alkohol trinke. Trinken passt einfach nicht in meinen Lifestyle rein. Ich ernähre mich gesund, achte darauf, dass ich genug Schlaf kriege und treibe viel Sport. Ich habe einen Fitnessblog, schreibe die "Mann und Body" Kolumne für Biber und bin Personal Trainer. Ich befürworte die Regel: Lass Worten Taten folgen.

Obwohl es mir immer bewusst war, wie ungesund Alkohol ist, habe ich es nie wirklich zur Kenntnis genommen. Oder ich habe es schon zur Kenntnis genommen, habe es aber in Kauf genommen, dass wenn ich Spaß haben will, meine Gesundheit drunter leiden muss. Das will ich aber nicht mehr.

Was als eine Herausforderung an mich selbst angefangen hat, ist jetzt zu einer Gewohnheit geworden. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man nach einer Party keinen ganzen Tag schlafen muss, keine Kopfschmerzen hat und  immer noch vieles unternehmen kann. 

Alkohol trinken scheint viel mit sozialem Druck zu tun zu haben. Wenn man nicht trinkt, wird man eben oft als Spaßbremse bezeichnet oder man verpasst viele Partys und kann dann am nächsten Tag nicht mitreden.

Das muss nicht sein. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass Menschen sich daran nach einer Zeit gewöhnen. Es scheint immer mehr akzeptabel zu sein, wenn man erklärt, dass es die eigene Wahl ist, nicht zu trinken. Es dauert, bis man seine Freunde 'erzieht', sie werden es aber schlussendlich verstehen. Und wenn man auch ohne Alkohol tanzen, mitreden und Spaß haben kann, gewinnt man den Respekt anderer Menschen. Man macht nämlich etwas, zu dem viele nicht fähig sind. Jeder kann sich betrinken und Spaß haben, nicht jeder kann aber den gleichen Spaß ohne Alkohol haben. 

 

 

 

 

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