Warum Venedig viel cooler ist als ihr denkt

03. November 2016

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Burano
Foto: Semsa Salioski

Über traumhaft farbenfrohe Orte, die aus einem „Super Mario“-Spiel stammen könnten, seltsame Lokale mit BHs an der Decke, „One Piece“-Feelings auf den Wasserbussen, Tage ohne Belästigung oder unnötige "Bitch-Blicke" und Orientierungsprobleme, die sich wie eine lustige Schatzsuche anfühlen.

Es gibt sehr gegensätzliche Meinungen über Venedig. Bevor ich dort war und mir selbst ein Bild von der Stadt machen konnte, habe ich mich im Internet darüber informiert. Die einen hassten Venedig und meinten, es sei nur ein überbewerteter und überfüllter Ort, der fürchterlich stinkt. Die anderen beschrieben Venedig als schönste Stadt, die sie je gesehen haben.

Ich gehöre definitiv zur zweiten Sorte. Ich war zwar schon an einigen wirklich wunderschönen Orten wie Nizza, Monaco, Antibes, London, Bern, Neuchâtel, Skopje oder Ohrid, aber nichts war für mich bisher so interessant wie Venedig.

Sogar meine Freunde und Verwandten löchern mich noch bis heute mit Fragen über meinen Venedig-Trip. Und das, obwohl ich eigentlich vor mehreren Wochen dort war. Die bunten Fotos auf meinem Facebook-Account haben anscheinend ihr Interesse geweckt. Einige sind kurz darauf sogar selbst hingefahren. Andere planen ihren Trip für den kommenden Sommer. Daher habe ich mich dazu entschlossen einen Blog über meine Venedig-Erfahrungen zu schreiben, womöglich interessiert es auch einige unserer Leser. Fotos gibt’s natürlich auch.

Ist das alles echt oder bin ich in einem Super Mario-Spiel gelandet?“

Kleine Häuser in allen Regenbogenfarben, Boote, Wasserbusse, Brücken, Statuen, enge Gassen und Wasser, wohin man auch sieht. Ich habe wirklich noch nie so einen interessanten Ort gesehen. Das historische Zentrum und vor allem die Inseln Burano und Murano, im nördlichen Teil der Lagune, sind eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Ich kam mir vor wie in dem Videospiel „Super Mario Sunshine“. Laut einer Legende sind die Häuser von Burano nur so bunt, damit Fischer ihre Insel und ihre eigenen Häuser, auch bei Nebel oder nach einer durchzechten Nacht finden können. Check this out. 

Burano

Burano
Foto: Semsa Salioski

Burano Island
Foto: Semsa Salioski

Venedig
Foto: Semsa Salioski

Murano

Murano
Foto: Semsa Salioski

"Geh bitte, Venedig ist doch nur was für alte Leute und langweilige Paare!“

Ok, also einen Party-Urlaub, bei dem ihr drunk as fuck von Club zu Club taumelt und ordentlich abshaket, werdet ihr in Venedig wahrscheinlich nicht erleben. Sorry Leute. Es gibt viele Bars, aber keine richtigen Clubs, zumindest haben meine Freundinnen und ich keine gesehen. Als ruhig und langweilig kann man die Stadt trotzdem nicht bezeichnen. Die Straßen sind nämlich fast immer voll mit Menschen. Dazu gehören auch überraschend viele junge Leute, die mit ihren Freunden die Stadt erkundigen.

Es gibt auch wirklich an jeder Ecke unterschiedliche Restaurants und Bars. Einige sind fancy, andere sind ziemlich funny. Meine Freundinnen und ich kamen durch Zufall in eine Jazz-Bar, in der die BHs von weiblichen Gästen an der Decke hingen. Ihr glaubt mir nicht?

Venedig
Foto: Semsa Salioski

Wie Ruffy aus „One Piece“ immer auf einem Schiff unterwegs – und das jeden Tag und jede Nacht

Venedig
Foto: Semsa Salioski

Autos kann man auf den Inseln lange suchen. Man besitzt entweder ein eigenes Boot oder man fährt mit einem Wasserbus, auch bekannt als Vaporetto, von A nach B. Es gibt natürlich auch Wassertaxis und Gondeln. Was daran so besonders ist? Naja, ich bin in Wien geboren und aufgewachsen. Hier fahre ich nur mit lame ass Bussen, Autos, Straßenbahnen und U-Bahnen durch die Gegend. Die Tatsache, dass ich in Venedig jeden Tag auf dem Wasser unterwegs sein konnte, war einfach so verdammt leiwand. Gestunken hat es by the way wirklich nur ganz selten.#nolie

Venedig
Foto: Semsa Salioski

Ich habe mich auf den Vaporettos wie Kapitän Ruffy aus „One Piece“ gefühlt. Stellt euch mal vor, ihr sitzt ganz vorne auf einem Wasserbus mit einer Stadtkarte in den Händen und könnt zusammen mit euren besten Freunden spontan entscheiden, wo ihr aussteigen wollt und diese Gegend dann einfach abchecken. #onepiecepiratenvibeshoch100 #strohhütewarenauchdabei #keinehalbensachen

Besonders toll waren die Vaporetto-Fahrten wahrscheinlich in der Nacht, wenn die Stadt ruhiger geworden ist und sich die Lichter aller Lokale im Wasser gespiegelt haben, während man ganz langsam an ihnen vorbeigefahren ist.

Keine Belästigung, keine „Bitch-Blicke“

Es gab wirklich keinen einzigen dummen Anmachspruch oder andere Arten von Belästigung durch Männer oder „zu coole“ jugendliche kleine Pisser, wie meine Freundinnen und ich es leider aus Wien kennen (nichts gegen Wien, ich liebe Wien, aber das ist eben beschissen). Das Einzige, wovor wir von den Menschen dort gewarnt wurden, waren die Taschendiebe. Bei uns wurde allerdings nichts geklaut.

Außerdem gab es keine „Bitch-Blicke“ von älteren Frauen, wenn man als Mädchengruppe in höheren Schuhen und Sommerkleidern durch die Straßen gewandert ist, welche wir leider ebenfalls aus Wien kennen. In Venedig ist man frei von all dem. Man kann anziehen, worauf man Bock hat. Kein Kleid, kein Hut, kein lila Lippenstift und keine noch so verrückte Sonnenbrille sind hier „too much“. Was vielleicht auch daran liegen kann, dass in dieser Stadt die meisten so aussehen, als kämen sie direkt von einer Catwalk-Show der neusten Sommer-Kollektion. Sogar ältere Damen waren top gestylt und spazierten in schwarzen High Heels, langen Kleidern und riesigen Hüten durch die Gassen. Von den jüngeren Leuten und ihren coolen Fashionista-Outfits will ich nicht einmal anfangen. „Italiener halt“, würden manche Leute jetzt vielleicht sagen. I loved it.

Wenn sogar Orientierungslosigkeit Spaß macht

Venedig
Foto: Semsa Salioski

Meine Freundinnen und ich haben uns gleich nach unserer Ankunft eine Stadtkarte besorgt. Glaubt mir, die ist in dieser Stadt auch mehr als nötig. Es gibt so viele kleine Gassen, Gondeln, Vaporetto-Stationen, Brücken und Kanäle, dass man ganz schnell die Orientierung verlieren kann. Das eigene Apartment zu finden, fühlte sich anfangs wie die Suche nach einem verborgenen Schatz an (was ich natürlich auch cool fand, weil ich childish as fuck bin). Nach zwei bis drei Tagen kennt man sich allerdings viel besser aus und schafft es auch um drei Uhr morgens, ohne Vaporetto und bewaffnet mit einer Stadtkarte, irgendwie zum Apartment zurück. Auf dem Weg dorthin sahen wir in den unbekannten Gassen viele interessante kleine Geschäfte, Statuen, Dönerbuden und sogar einen kleinen McDonalds #feltlikehome #wien1200

Für mich waren die Tage in Venedig wirklich das Highlight meines Sommers (was man sich beim Lesen dieser öffentlichen Liebeserklärung wahrscheinlich schon denken kann). Ich bin jeden Morgen mit einem mega fetten Grinsen im Gesicht aufgewacht und habe mich auf den nächsten Tag gefreut. Meine gute Laune hat mich fast schon selbst genervt, aber was soll ich tun? So bin ich eben, wenn ich etwas super finde.

Ich habe meine Lieblingsstadt anscheinend gefunden. Was ist eure?

 

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