Warum wir nicht zufrieden sind

11. Februar 2021

Menschen scheinen eine Schwäche für Zerstörung zu haben. Wir missbrauchen die Schätze der Natur und verwenden sie als Mittel für temporären Komfort. Als Konsequenz hält oft weder der emotionale, noch der physische Komfort stand.

In der Natur der westlichen Welt liegt es zu denken, dass unsere Lebenskonzepte die einzigen legitimen sind. Wir betonen zwar gerne die Wichtigkeit von Integration wenn es um andere geht, aber gut darin sind wir selber nicht. Gewöhnlich nehmen wir unsere Standards mit uns, wohin auch immer wir gehen und zwingen sie uns selbst und der Umgebung auf.

Der Tourismus auf den pazifischen Inseln und asiatischen Ländern ist ein perfektes Beispiel dieses Phänomens. Unser westliches Streben zu reisen und „uns selbst zu finden“ hat die idyllische Landschaft und Kultur vieler Inseln entlang der pazifischen Küste komplett zerstört. Strände und Ozean sind enorm verschmutzt, das Meeresleben in bestimmten Gebieten ist verschwunden und Korallenriffe ausgestorben. Inseln wie Bali leiden unter ernsten Wasserkrisen weil Touristen für 65% des Wasserkonsums aufkommen.

Sie nennen es ‘The Great Pacific Garbage Patch’ als wäre es ein Schicksalsschlag von den Göttern. Während wir auf unser zerstörerisches Verhaltens aufmerksam wurden, formulierten wir es um und nannten es „Privileg“. Dabei hat man Zuspruch auf Dinge oder Dinge zu tun, die andere nicht haben. Über die Existenz von “Privileg” zu sprechen ist gut aber wir sollten unsere Position nicht übertreiben. Wir mögen mit materieller Fülle gesegnet sein, aber uns kommt die Fähigkeit abhanden, menschlich zu sein und zu fühlen. Somit ist nichts von dem, was wir zu besitzen meinen, von echtem Wert.

Der Preis von Komfort und wie man Einheit finden kann

Weil sich die westliche Welt so stark um Geld dreht, lernten Generationen von früh an, dass es eine große Quelle von Komfort ist. So ist es schwer für uns Zufriedenheit zu empfinden wenn das Geld nicht zur Verfügung steht. Unsere Überlebensinstinkte puschen uns dazu, Ausbildungen zu starten, die uns finanzielle Stabilität versprechen und irgendwie unsere Interessen treffen oder wir fangen gleich zu arbeiten an.

Als Resultat fühlen wir uns immer noch nicht zufrieden, einfach weil materialistischer Komfort so transaktional ist. Das ist auch der Grund warum reiche Menschen ihren Lebensstil manchmal zum Exzess treiben; sie haben immer noch keinen Komfort gefunden.

Also wo finden wir ihn? Irgendwo zwischen unserer Selbstfindung und Selbstbefreiung. Die ultimative Komfortquelle kommt vom Gefühl einer gewissen Bodenständigkeit und Verbindung zur Welt. Das kann als Gefühl von „Verbundheit“ oder „Einheit“ beschrieben werden (engl.: „unity“). Einheit ist die Definition von „Einssein“, es bedeutet, dass alles mit allem verbunden ist. Es ist das Bewusstsein, dass eigentlich jeder kleine Organismus Teil eines großen Organismus ist. Dieser Organismus ist alles, einschließlich uns.

Das erste Mal, das wir „Einheit” empfanden, war im Bauch unserer Mutter. Nach etwa fünf Monaten da drinnen, entwickelten wir ein Bewusstsein. Was sich damals wie eine Ewigkeit angefühlt hat, war eigentlich das erste Mal, dass wir Erfahrung selbst erfuhren.¹

„Erleuchtung ist es, Einheit zu kennen, aber nicht darüber sprechen zu können. Die Philosophie der Erleuchtung versucht die Erfahrung von Einheit zu beschreiben. Einheit ist die Natur aller Dinge.“ -

Dr. Brad Blanton²

Spirituelle und meditative Methoden

ermöglichen es uns, uns an Einheit zu erinnern und damit in Verbindung zu gelangen. Alle Religionen und spirituellen Praktiken führen zu der Mission zurück, Einheit zu finden. Wenn man nicht von einem religiösen oder spirituellen Hintergrund kommt, scheint die Idee zu beten oder zu meditieren, irgendwie wild zu sein.

Obwohl immer wieder davon zu hören ist, wie vorteilhaft Meditation für die Psyche als auch für den Körper ist, können wir uns immer noch nicht mit der Idee anfreunden, dass es mehr gibt, als die physische Dimension an der wir so hängen. Immerhin, alles was wir sehen, die gesamte Welt einschließlich unserer Körper, besteht aus nur 0.0000001% Materie.³ Der Rest ist fürs menschliche Auge unsichtbar.

Vielleicht kommen davon unsere Reproduktionsinstinkte. Wir kaufen Dinge, färben unsere Haare und streichen unsere Wände, konzipieren uns und unsere Leben mehrmals neu, haben Sex und erzeugen Kinder; instinktiv kreieren wir die Solidität in der wir leben können. Wir verewigen uns an Parkbänken und Bäumen, social media, sogar an Menschen, und wollen diesen Titel und Abschluss, weil wir uns nach etwas „Solidem“ sehnen. Und das obwohl mehr als 99% des Universums unsichtbar ist.

Der See der Empfehlungen

Je mehr sich das Selbst vom Gefühl der Einheit, das grundliegende Gefühl ein einzelner Teil eines größeren Organismus zu sein, entfernt, desto mehr wächst ein Gefühl der Leere. Darum sagen wir manchmal wenn wir traurig sind, wir fühlen uns „leer“.

Die Quellen an Komfort, die man durch die Verbindung zur „Einheit“ bekommt, und deren Belohnung, entwickeln sich langfristig wenn man sie auch verfolgt. Das liegt daran, dass ein gewisses Gefühl an Verbundenheit mehr wiegt als kärgliche Endorphin-Kicks die man vom Shoppen oder einem Sportwagen bekommt.

Sich mit Einheit zu verbinden bedeutet außerdem sein „Alter Ego“ zu verlieren. Dieses Alter Ego wurde durch Empfehlungen und Erfahrungen im Laufe unseres Lebens geformt. Als Gegenleistung für dessen Entsorgung, bekommt man sein wahres Selbst, das wahre Selbst, das schon vom Zeitpunkt unserer Geburt immer am wahrsten war und dann mit der Zeit im Hintergrund verschwand.

Wir fürchten uns, unsere Persönlichkeitsmäntel fallen zu lassen und zu enthüllen was auch immer darunter steckt. Meistens wissen wir selbst nicht, wer wir hinter der Maske unserer Persönlichkeit sind. Wir schwimmen in unserer Kreation, ein See an Empfehlungen, und verlieren Verbindung zum Ozean der Erfahrungen und dem Wesen, das wir sein sollten.⁴ Die meisten Menschen entwickeln sich traurigerweise nie über den Punkt des Gefangenseins im See der Empfehlungen hinaus. Ihre Wesen sind gefangen hinter der Persönlichkeitsmaske und sie schaffen es nicht, in den Ozean der Erfahrung, welcher ist, loszubrechen.

Zusammengefasst gesagt,

ist das Problem, dass unsere gesamten Leben sich um diese 0,0000001% an Substanz, an die wir uns verzweifelt klammern, drehen. Technisch gesehen ist es uns möglich fast alles zu tun; und trotzdem haben wir immer noch nicht herausgefunden, wie wir existieren können ohne uns und den Planeten gleichzeitig zu zerstören.

Wir müssen erstmals aus unserer Komfortzone heraus, um dann neue Komfortquellen zu ergreifen. Und diese Quellen, wie ich versucht habe im Zuge dieses Artikels zu beschreiben, sind verfügbar jenseits der physikalischen Welt.

Regelmäßige Meditation und Beten helfen uns, uns mit unserem Unterbewusstsein zu verbinden und uns an das Gefühl von Einheit zu erinnern. Wir sind uns, mehr als uns lieb ist zu wissen, nur zu 20% über unsere Handlungen und Motivationen bewusst. Der Rest wird größtenteils vom Unterbewusstsein kontrolliert.

Für unseren Körper und Gehirn ist es also wichtig, dass Unterbewusstsein durch mehreren Methoden (auch Schreiben und Zeichnen) zu aktivieren. Das hilft dabei, alte Erfahrungen und Emotionen auf einem menschlich plausiblen Weg zu verwerten.

Und was hat all das mit Umweltverschmutzung zu tun?

Ich bin keine Politikerin oder Wissenschaftlerin. Ich bin nicht hier, um spezifische Überzeugungen einzuarbeiten, noch will ich euer Geld oder eure Stimmzettel. Ich observiere und fasse zusammen. Obwohl ich versuche, es so rational wie möglich zu halten, möchte ich, dass wir, als Individuen, einen Blick aufs größere Bild werfen. Denn von der Perspektive gesehen, dass alles, uns einbezogen, eigentlich Teil eines großen Organismus ist, ist Umweltverschmutzung ein Zeichen von Vernachlässigung. 

Wir vernachlässigen unser wichtiges Bedürfnis, uns mit dem Ursprung, welcher Einheit ist, zu verbinden und es gelingt uns demzufolge nicht, uns mit uns selbst und dem Planeten zu verbinden. Wenn wir also uns selbst, andere, oder den Planeten missbrauchen oder vernachlässigen, ist es so als würden wir unsere eigenen Organe vernachlässigen und missbrauchen. Daher brauchen wir uns nicht wundern, dass irgendetwas „fehlt“ oder „wehtut“. Eine Handlung löst immer eine Reaktion aus, auch wenn wir sie nicht direkt in Verbindung setzen.

Es ist wichtig für jene, welche in westlichen Kulturen mit wenig Fokus jenseits des Materiellen, leben, zu wissen, dass wir es uns schon lange nicht mehr leisten können, in der Glückseligkeit der Ignoranz zu leben. Wir müssen es neu erlernen, uns mit dem Ursprung der Erfahrung, der Erfahrung selbst, zu verbinden und gesamte Muster an generationellem toxischem Verhalten zu entrümpeln.

Außerdem müssen wir unsere Art und Weise, wie wir die Welt und uns selber sehen, neu artikulieren und uns mit der Idee anfreunden, dass wir nicht als einzelnes Individuum besonders sind, sondern generell als Kollektiv. 

 

 

¹ Radical Honesty, Brad Blanton, PhD., p.30

² Radical Honesty, pg. 31

³https://www.sciencealert.com/99-9999999-of-your-body-is-empty-space

Radical Honesty, pg. 34

https://subliminalpro.com/the-subconscious-and-the-human-brain/

 

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