Was Graz uns über die österreichische Linke gezeigt hat

25. August 2020

Sie hassen ihr Vaterland und zeigen bedinungslose Solidarität mit dem Staat Israel - sogenannte Antideutsche fallen immer öfters bei linken Demos auf. Zuletzt vor zwei Tagen bei der antifaschistischen Protestaktion gegen die antisemitischen Überfälle in Graz.

Ein Text von Berfin Marx und Christoph Steinberger

Antisemitismus und linke Rezeption

Graz ist unter Schock: Nachdem letzte Woche die Synagoge mit pro-palästinensischen Sprüchen vandalisiert wurde, zwei Tage später Steine auf das Gotteshaus geworfen wurden, kam es am Samstag-Abend zu einem physischen Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz Elie Rosen. Österreichische Juden und Jüdinnen wurden Opfer von antizionistischem Antisemitismus, ergo sie wurden für die israelische Politik verantwortlich gemacht. Die Antwort der Autonomen ANTIFA (W) auf sozialen Netzwerken ist bezeichnend: Die Antifa veröffentlichte ein Statement, welches sich nicht um ein Bekenntnis zum österreichischen Judentum und um die Solidarisierung mit dessen handelte, sondern welches die Übergriffe nutzte um israelische Politik zu rechtfertigen. In diesem Text fehlte die Unterscheidung zwischen Israel und dem diasporischen Judentum. Die judenfeindlichen Angriffe in Graz wurden seitens der Antifa instrumentalisiert, um jegliche Form von Kritik an den politischen Handlungen des Staates Israels zu Antisemitismus zu erheben. Dadurch findet eine Gleichsetzung von Juden und Jüdinnen und der israelischen Politik statt.

„Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland – schwarz, rot, gold wird abgebrannt!“

Das Statement der Antifa Wien trägt eine antideutsche Handschrift. Das ideologische Fundament der antideutschen Bewegung kennzeichnet sich durch die Ablehnung aller Nationalstaaten, vor allem des deutschen Staates. Der Grund für diese Ablehnung liegt in der Sorge, dass die Wiedervereinigung 1989/90 zu einer erneuten Verfolgung von Juden und Jüdinnen führen würde. Daraus resultiert eine bedingungslose und kompromisslose Solidarität mit dem Staat Israel.

Infolgedessen wird eine Argumentation erschaffen, welches den komplexen Israel-Palästina-Konflikt versucht als schwarz-weißes Narrativ herunterzubrechen. Dabei sehen sie sich als Verteidiger des Staates Israels und versuchen selbst israelkritische Juden und Jüdinnen mundtot zu machen. Als bestes Beispiel dient der Soziologe Moshe Zuckermann, dessen israelkritische Vorträge in deutschen und österreichischen Universitäten des Öfteren von antideutschen kritisiert, gestört und unterbunden werden. Diese Tendenz zeigt auf, wie Antideutsche Juden und Jüdinnen für ihre Haltung nutzen und gleichzeitig ihnen vorschreiben wollen, wie sie sich politisch zu positionieren haben. Solche Positionen lösen teilweise anti-muslimischen Rassismus und die Rechtfertigung der Unterdrückung von Muslim*Innen aus.

Screenshot

Kein Platz für Antisemitismus!

Antisemitismus ist vielschichtig – er kann links, rechts und islamistisch sein. Er ist nicht zentralisiert und kennt viele Formen. Jeder dieser Formen gehört bekämpft. Aber diese Bekämpfung des Antisemitismus darf nicht zum Spielball der Ideologien werden. Europäische Juden und Jüdinnen dürfen nicht Leidtragende israelischer Politik werden und antisemitische Angriffe dürfen nicht als Instrument für Parteien, Organisationen oder Ideologien dienen. Die Sicherheit jüdischer Menschen in Österreich muss immer von höchster Priorität sein, ihnen muss unsere Solidarität gelten.

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