Was sie sich alles trauen, die orientalischen Frauen

04. November 2015

Wann wirst du heiraten? Na, warum habt ihr euch scheiden lassen? Wann werden wir endlich deine Kinder sehen? Wann werdet ihr denn noch ein weiteres Kind haben?


Sie sind genauer als das FBI
Orientalische Mütter, Tanten, Bekannte, oder Frauen, die du nicht einmal kennst, die du auf irgendwelchen Festen triffst, deren Traum es wäre dein Leben zu verändern - egal wie es gerade ist. Ich weiß nicht, wieso in unserer Kultur aus einem simplen „Hallo, wie geht´s?“, ein „Wann wirst du endlich heiraten, du alte Jungfer?“, geworden ist. Mit der Zeit haben junge Damen Strategien entwickelt, um diesen Blödsinn nicht mehr beantworten zu müssen - sie gehen nirgends mehr hin, wo ihnen solche Fragen gestellt werden können. Läuft dir dann doch noch so eine Person entgegen, dann musst du als Frau mit orientalischen Wurzeln lächeln und nicken. Wenn du der Bekannten der Freundin einer Freundin deiner Mutter nämlich deine ehrliche Meinung geigst, dann giltst du als frech und unerzogen. Sollte dir egal sein, was diese Neandertaler von dir denken, so ist es deiner Mama nicht egal – ihr zu Liebe hältst du deinen Mund. Wenn du Glück hast, bleibt es bei den Fragen, solltest du aber in diesem Frauenkreis besonders beliebt sein, dann bekommst du auch noch Heiratsvorschläge, die keine Frau abschlagen würde. Wer würde nicht gern mit einem Hamudi verheiratet sein, der sich von seiner Frau Mama die Braut aussuchen lässt?!

Shut up and drive!

Einmal wurde mir auf einer Hochzeit von der Großmutter eines Freundes des Bräutigams die Frage gestellt, ob ich verlobt oder verheiratet sei. Damals war ich Single, hätte in ihren Augen aber schon verheiratet sein sollen, immerhin war ich 22 Jahre alt und die Braut im Saal erst 20 geworden. Besorgt sagte sie: “Dann schau dich hier schnell um, sonst fährt der Zug noch ab.“ Da ich die Dame irgendwie niedlich fand antwortete ich: “Ich gehe gern zu Fuß.“ Verwirrt drehte sie sich von mir weg und sah mich den Rest des Abends nicht mehr an.

Was diese Leute nicht wissen ist, dass diese Fragen unheimlich wehtun. Natürlich hätten die meisten gern einen Partner, keine Scheidung hinter sich und vielleicht ein paar Kinder, aber was nicht ist, das kann noch werden. Junge Damen, die gerade Liebeskummer haben, oder in deren Augen schon „zu alt“ zum Heiraten sind, Frauen, die seit Jahren versuchen schwanger zu werden, oder eine Scheidung verarbeiten, wollen – zu Recht - nicht daran erinnert werden, was sie alles nicht haben. Danke, das Leben lässt es uns ohnehin nicht vergessen, was uns alles fehlt, da braucht keiner die Analyse von halb fremden Erwachsenen. Ich wünsch mir für diese Leute echt, dass sie eines Tages mit ihren Fragen an die falsche Person geraten, und, dass sie so richtig vor den Kopf damit gestoßen werden. Vielleicht halten sie dann ihren Mund.  

 

 

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