"Wenn das rauskommt, gehen wir in den Knast!"

04. März 2021

Blüml, Plagiate und FFP-2. Während sich die heimischen Skandale häufen, thematisiert die fiktive Serie „Bad Banks“  Machtmissbrauch und Korruption in Deutschland. Doch wie viel ist tatsächlich Fiktion?

Es ist Routine geworden: Am Morgen lese ich zum Frühstück den neuesten Skandal, made in Austria: Hausdurchsuchung beim Finanzminister, Betrug bei Maskenproduktion, die geheimen Machenschaften der Frau Spiegelfeld. Nichts schockt mehr und alles ist irgendwie egal. Doch jetzt hat eine zwei Jahre alte Netflix-Serie es geschafft, mich wieder für die Machenschaften der „Big-Player“ zu interessieren. Meine Lockdown-Binge-Empfehlung, für alle die, die es verpasst haben: „Bad Banks“ zeigt was alles geht, wenn großes Geld im Spiel ist.

Zunächst ist der Zuschauer noch ganz bei ihr: Die junge Bänkerin Jana Liekam hat in Frankfurt die Karrierechance ihres Lebens bei der Bank „Deutsche Global Invest“. Sie soll mit ihrem Team das Bauprojekt „Leipzig 2025“ finanziell absichern, ein Auftrag in Milliardenhöhe. Doch um in einer egoistischen Branche zu überleben, treibt es sie langsam in die Illegalität. Angefangen mit der Weitergabe von Insiderinformationen, landet sie über Sabotage eines Mitarbeiters durch Körperverletzung schließlich bei einer spektakulären Wette gegen ihre eigene Bank. Zusammen mit zwei Eingeweihten veröffentlicht sie Belege, die beweisen, dass die „Deutsche Global“ seit Jahren über Umwege ihre eigenen Wertpapiere kauft. Sie löst eine Finanzkrise aus. Ihr eigenes Projekt platzt, doch sie selbst profitiert. Den privaten Gewinn von mehreren Millionen verteilt sie auf zwei Konten in Mauritius.  

Nah an der Wirklichkeit

Der Name „Deutsche Global“ soll dabei nicht das einzige bleiben, das uns bekannt vorkommt. Überweisen geheimer Gelder auf verschiedene Konten in Drittstaaten, Weitergabe von Insiderinformationen, das alles kennen wir noch aus der Buwog-Affäre. Den Skandal des Insidertradings haben unsere deutschen Nachbarn mit der Causa Wirecard fabulös vorgeführt. „Wenn das rauskommt, gehen wir in den Knast.“. Ein Satz, der in „Bad Banks“ immer wieder fällt, aber die Akteure doch nie von ihren Handlungen abhält. Wer spielen will, muss dreckig spielen. Die Finanzaufsicht wird in der Serie durch Geschenke schweigend gestellt, hat sowieso nicht die Kompetenzen wirklich etwas an den Machtspielen zu ändern. Ähnlich wie beim Rechnungshof in Österreich sind die Regularien nicht scharf genug, um einzuschränken und die Beweislage ist viel zu oft zu schwammig.

Zwischen Verständnis und Ekel

Eine fiktive Serie, die keinen Einblick geben kann, in die Finanzwelt wie sie wirklich ist? Nun, wer wie ich schon davor wenig Ahnung auf diesem Gebiet hatte, wird auch nach dem Streamen wohl kaum ein Meister der Börse sein. Doch diesen Anspruch stellt Drehbuchautor Kienle gar nicht. Abgesehen davon, dass es einfach eine hammergeile Story mit grandioser Charakterentwicklung ist, liegen die wahren Einblicke der Serie in der Absurdität des Machtmissbrauches. Betrüge in unvorstellbar hohen Summen werden uns als Zuschauern vielleicht nicht in ihrer Gesetzeslage, dafür aber auf eine menschliche Weise schauerlich verständlich gemacht. Wir sympathisieren plötzlich mit einem Schlag Mensch, über den wir sonst vor Bildschirmen nur kurz den Kopf schütteln. Dann haben wir wieder lichte Momente, in denen uns die Sucht nach Karriere anwidert und wir das Spiel mit fremdem Schicksal aufs Schärfste verurteilen. Wir sind hin und hergerissen. Was zählt: Wir sind dabei.

Als Recherche hat der Autor der Drehbücher lange Gespräche mit echten Bankern und Insidern geführt, für die es, so Kienle, therapeutisch wirkte, alles mal erzählen zu dürfen. Die Reaktionen auf das fertige Ding waren erschreckend: „Manche Banker sagten mir: 'Das ist ja ganz süß, was ihr da erzählt, aber…' Und haben mir dann noch krassere Dinge geschildert.“, berichtet Kienle in einem Interview. Gegen die Corona-Langeweile und damit die Skandale dieser Republik, mehr als nur ein kurzes „Ah ja“ auslösen. Fürs Mitfiebern bei dubiosen Taten und hohen Geldsummen empfehle ich wärmstens meine neue Lieblingsserie, „Bad Banks“ auf Netflix.    

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