Wenn der Politiker dir eine E-Mail schreibt

25. August 2016

Da öffnet man in der Biber-Redaktion seinen virtuellen E-Mail-Kasten und was findet man? Eine Nachricht von Österreichs derzeitigem Shit-Storm-Politiker #1.
„Sie haben eine E-Mail von Ahmet Demir“

Vor kurzem war das gesamte Netz in Aufruhr, da ein grüner Politiker im Internet angeblich Witze über zwei Nonnen gemacht hat. Folgender Post: „Habe zwei #Burka-Trägerinnen in #Zams gesichtet. Sachen gibt's. Unterdrückte Frauen überall. ;) #sarcasmoff“ hat eine große Welle der Kritik ausgelöst und ihm, Ahmet Demir, einige wahrscheinlich unerwünschte Schlagzeilen eingebracht.

Die andere Meinung
In einem früheren Blog-Post bin auch ich näher auf diesen Shit-Storm eingegangen und habe auch einen Artikel der Heute zu diesem Facebook-Post kommentiert.
Obwohl die Heute davon überzeugt war, dass wohl keiner Ahmets Post lustig fand – davon abgesehen, dass es kein Witz sein sollte, sondern ein sarkastischer (!) Hinweis auf die heuchlerische Doppelmoral puncto der Burka-Debatten – fanden sich nach der Veröffentlichung meines Blogs doch einige Leute der anderen Meinung.

Kritik an Demir? Keine Überraschung
Als Politiker ist es natürlich immer heikel, in sarkastischer Form Gesellschaftskritik zu üben. Vor allem in einem Land, bei dem sich zwei so verschiedene Parteien besonders energisch gegenüber stehen. Egal was einer von den Grünen postet, es wird bei den Blau-Wählern immer auf Widerstand stoßen, genauso auch umgekehrt. Man kann ja auch praktisch jede Aussage auf die eine und auch auf die andere Weise interpretieren, so, wie man es eben gerade braucht und wie es einem selbst in die Karten spielt. Demnach war die heftige Kritik gegenüber einem Grünen, der einen sarkastischen Beitrag postet nicht gerade überraschend.

Die E-Mail des Grünen
Was ich aber positiv überraschend fand, war die E-Mail, die sich kurz darauf in der E-Mail-Box der Biber-Redaktion wiederfand.
Herr Demir hatte sich bei uns gemeldet:

E-Mail Demir
Foto/Screenshot: Bella Haltrich


Ich fand es zu allererst echt nett, dass er geschrieben hat, um sich für meinen Blog-Post zu bedanken. Aber ich fand auch den Link, den er mitschickte, sehr interessant. Wenn man darauf klickt, kommt man wieder auf einen Facebook-Post des Politikers, welcher dieses Mal aber seine eigentliche Sichtweise/Absicht und die wirkliche Message seines sarkastischen Nonnen-Posts erklärt.

Facebook-Klarstellung von Demir
Screenshot: Facebook/Ahmet Demir

Jetzt mal Klartext
Die Botschaft, die er mit seinem schwerstens kritisierten Post anbringen wollte, scheint ja so nicht angekommen zu sein. Daher fand ich es gut, dass er seine Sichtweise und seine Meinung noch einmal ganz ausführlich und ohne „;)“ präsentierte. Ich glaube spätestens bei Post numero dos sollte jeder, auch die etwas blauer Gestimmten, seine Absichten und Ansichten verstehen. Ob sie diese auch befürworten und vertreten, ist wieder eine andere Frage. Aber ich glaube, Ahmet Demirs Beweggründe sind damit hoffentlich ein für alle Mal geklärt.

Gab es jetzt genug Shit-Storm?
Soviel dazu. So amüsant ich auch Ahmet Demirs Post numero uno fand, da ich ein Fan von sarkastisch dargebotenen Messages zu einem wichtigen Sachverhalt bin, verstehe ich es vollkommen, wenn Kritiker von einem Politiker trotzdem eine eher ernstere Darbietung seiner Meinung erwarten – so wie Post numero dos. Aber jeder hat mal strategische Fehlgriffe und nachdem sich Herr Demir ja ausführlich in einem weiteren Facebook-Post korrigiert und entschuldigt hat, können wir doch sicher alle getrost weiterleben, oder?

„Sie sind ein toter Mann!“
Dachte ich zumindest. Aber dann kommen immer diese unnötigen Hassbriefe….
Hat man einmal als Mann der Öffentlichkeit und Mann der Politik einen unüberlegten Post veröffentlicht, dann rieselt es schon Hass-Botschaften jeden Formates. Ist das denn wirklich notwendig, liebe Leute?

 

Hassbrief Ahmet Demir
Screenshot: Facebook/Ahmet Demir

Wenn schon Drohbrief, dann doch bitte richtig.
Ich bin echt kein Grammatik-Nazi und auch in meinen Texten, so wie bei jedem menschlichen Wesen, wird man hier und da Tipp-Fehler finden. Aber wenn man schon einen Drohbrief schreibt, sollte man wenigstens ein kleines bisschen auf die Rechtschreibung achten, sonst ist es schwer, den Absender ernst zu nehmen. Vielleicht ist der Brief ja auch in voller Rage getippt und ohne Überfliegen ausgedruckt und verschickt worden, kann passieren. Aber wenn der „katholisch erzogene Familienvater“ – als wären diese Informationen irgendwie von Belang – Ahmet Demir auffordert, „auf in der Hölle“ zu gehen, schmerzt das Lesen  einen Germanisten glaube ich mehr als den grünen Politiker selbst. 

Auswanderung erwünscht
Wenn der „verhasste Türke“ eindeutig besser Deutsch kann, als der wütende, wahrscheinlich österreichische, Absender, stellt sich mir doch tatsächlich die Frage, wessen Auswanderung für Österreich am Ende besser zu verkraften wäre.
Aber nur um das klarzustellen: Ich finde JEDE Art von Hass-Botschaft, egal von welcher Seite, vollkommen unnötig und fehl am Platz. Ganz egal ob ein „katholischer Familienvater“ nun einen türkischen Politiker bedroht, oder ob einer von den Grünen einen von den Blauen beschimpft. Das ist nichts als vollkommen kindisch und unvertretbar. Was soll das bitte bringen?

 

Ich hoffe einfach, dass dieser ewige Shit-Storm bei jeder kleinen, fragwürdigen Aussage und die unnötigen Hass-Botschaften an Menschen mit einer anderen Meinung endlich mal aus der Mode kommen. Langsam wird es zach. 

 

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