Wie mir die Kronen Zeitung den Sonntag versaut hat

02. August 2015

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Kronen Zeitung, Flüchtlinge
Der Bericht in der Kronen Zeitung

Normalerweise lese ich die Kronen Zeitung nur aus beruflichen Gründen, am Wochenende mache ich das grundsätzlich nicht, ich will mir ja nicht meinen Sonntag versauen. Aber dann habe ich diesen Beitrag von der Wiener Autorin Stefanie Sargnagel auf Facebook gelesen. Der hat mich neugierig gemacht, also habe ich es gewagt und mir eine Ausgabe besorgt.

Sagen wir so: Übertrieben hat die Sargnagel nicht. Der Bericht ist niveaulos - sachlicher kann ich das Ganze leider nicht zusammenfassen. Es wird von schreienden, schmutzigen und raufenden Asylwerbern gesprochen, die überall ihren Müll liegen lassen, in die Einfahrten von Anrainern urinieren und nur Schwachsinn im Kopf haben. In dem ganzen Artikel durfte das „neue Gesicht der Wutbürger“ nicht fehlen - Virginia wedelt stolz mit der österreichischen Flagge. Wie in der Heute-Zeitung betont sie, dass sie ja eh Mitleid mit den Menschen hat, aber man müsse sie auch verstehen.

Es ist mir ein Rätsel, wie die Kronen-Journalistin diesen Text mit sich selbst vereinbaren konnte. Vielleicht rechtfertigt sie ihn ja mit "Objektivität", keine Ahnung. Aber anscheinend hat sie kein Problem damit, unreflektierte Zitate abzudrucken. Der 59-Jährige Herbert schimpft beispielsweise über Männer, die ihre Frauen in ihrer Heimat zurücklassen. „Heim mit ihnen“, fordert er. Aber natürlich ist er kein Nazi: „...das sind wir hier alle nicht, sonst würde dieses Lager schon brennen.“ Ah eh.

Ich weiß nicht, ob irgendwer annimmt, dass die Flüchtlinge ihre Notdurft in Ecken verrichten, weil dieses Verhalten in ihren Herkunftsländern normal ist. Falls das so ist: Schon mal darüber nachgedacht, dass es in dem Flüchtlingslager nicht genug sanitäre Anlagen gibt und die hygienischen Bedingungen unter aller Sau sind? „Frau Lena“, die auch zitiert wird, ruft den Flüchtlingen ständig folgende Worte zu: „Dirty people!“ Ich persönlich würde ja etwas ganz anderes als dirty bezeichnen, dirty Berichterstattung fällt mir spontan ein.

Um eins klar zu stellen: Die Situation in Traiskirchen ist prekär. Meine Schwester und meine beste Freundin wohnen dort. Ich weiß also, dass es für eine rund 17.000-Einwohner-Stadt und ihre Bürger nicht leicht ist, etwa 4300 Flüchtlinge aufzunehmen. Um dieses Fakt geht es ja gar nicht. Und nein, nicht jeder (wie ein zitierter Mann im Kronen-Text meint), der die Situation in Traiskirchen kritisiert, "ist sofort im rechten Eck." Denn sehr viele freiwillige Helfer, Journalisten und Politiker kritisieren die Umstände.

Obwohl manche der befragten Einwohner in dem Artikel erwähnen, dass die Flüchtlinge eh arm sind, kommt danach immer ein "Aber" - "aber sie sind dreckig" zum Beispiel. Ich frage mich: Wenn die Journalistin schon einen "Lokalaugenschein" vom Erstaufnahmezentrum machen wollte, wieso hat sie nicht auch mit mehreren Flüchtlingen gesprochen und hat sie tatsächlich zu Wort kommen lassen? Nicht genug Platz im Heft bekommen? Diesen Platz, liebe Kronen-Zeitung, den hättest du dir nehmen sollen.

 

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Kommentare

 

das ist ein Fiasko der journalistischen Berichterstattung.
Es gibt aktuell keine objektive Mitte, die sowohl die entstehenden Probleme vor Ort als auch das Leid der Flüchtlinge ausgewogen und seriös darstellen.

Die Krone macht diese schreckliche - Mistkübel-Kampagne - das ist sonst nicht meine Wortwahl, aber das triffts wohl auf den Punkt.
Dagegen gibt es wiederum eine Anti-Kampagne vieler anderer Medien, die dafür die zukünftigen Herausforderungen für Integration nicht wirklich thematisieren.
Dazwischen stehen -alleingelassen- die Flüchtlinge und die Bevölkerung.

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