Wir haben als Menschen versagt.

13. Dezember 2016
 
 
Das Assad-Regime ist in den letzten Stunden nun bis in jede kleinste Ecke Aleppos vorgerückt. Die schrecklichsten Momente in diesem Krieg stehen noch bevor. Und wir schauen tatenlos zu.
 
Aus der Geschichte der Menschheit lernen wir, dass der Mensch aus seiner Geschichte einfach nichts lernt. Wie oft haben wir den Satz "Sowas darf nie wieder mehr passieren" nach dem Zweiten Weltkrieg wie ein Mantra vorgesagt? Und doch passiert genau das jetzt wieder. Ein Genozid am syrischen Volk. Und die Regierungen schauen einfach zu.
 
Die letzten Stunden Aleppos
Die syrische Armee hat gestern die letzten Territorien der Rebellen übernommen. Immer mehr Bomben werden abgeworfen, Krankenhäuser bombardiert, Menschen gefoltert und dann getötet. Bereits Hunderte wurden von Assads Soldaten in den letzten Stunden auf offener Straße hingerichtet.
 
Hunderte Kinder, Frauen und Männer die auf der Straße oder in ihren Ruinen, welche mal ihr Zuhause waren, exekutiert wurden und werden.
Aber wir reden von Obergrenzen.
 
Hunderte Kinder, Frauen und Männer, die verzweifelt versuchen zu fliehen, aber wissen: aus Aleppo gibt es keinen Weg mehr hinaus.
Aber wir reden von Tschick oder Gehstock in der Hofburg.
 
Hunderte Kinder, Frauen und Männer wissen, dass ihre letzten Stunden bereits angefangen haben und deswegen voneinander Abschied nehmen.
Aber wir reden über Erdogan und Kurz.
 
Bewohner, Journalisten und Aktivisten aus Aleppo senden gerade ihre Abschiedsnachrichten via Twitter an die Außenwelt.Und gleichzeitig haben wir hier Stimmen in den Medien, die von "einer Befreiung Aleppos" reden. Welche Befreiung? Aleppo von seinen Bewohnern befreien, in dem alles und jeder niedergemetzelt wird? 
 
Unsere Werte haben versagt
Es ist momentan eine Schande der Menschheit, dass wir jahrelang nur zugesehen haben. Nicht genug Druck auf unsere Politiker ausgeübt haben. Nicht vehement genug waren. 
Während heimische Politiker hier den Flüchtlingen vermeintliche "europäische Werte" der Demokratie & Co. aufzwingen wollen, aber all dieses "aufgeklärte" Gedankengut wieder vergessen, wenn es darum geht, diese Werte auch in der Politik in die Tat umzusetzen. Überspitzt formuliert: wir haben keine Wertekultur mehr. Bei aller Liebe, aber wirklich nicht.
 
Laut Aljazeera berichtet Salim Abu Al-Nassar, ein Zahnarzt aus dem östlichen Aleppo, dass momentan über 80.000 Menschen auf ungefähr acht Quadratkilometern versammelt sind. Sollten Soldaten des Assad-Regimes diese Gegend erreichen, wäre ein Massaker gewiss.
All das was wir momentan hier erleben, dieses untätige Zusehen - diese Schuld werden wir nie abbüßen können. Wir haben die Syrer versagt. Wir haben als Menschen versagt. Wieder einmal.
 
An all die Politiker da draußen:
Reißt euch verdammt noch mal zusammen! Das ist hier kein Schachspiel. Hier geht es wortwörtlich um Leben oder Tod. Während ich hier diese Zeilen tippe, verlieren Menschen, die meine Familie, Freunde, Nachbarn sein könnten ihr Leben. Frauen bitten ihre Männer darum, sie und die Kinder umzubringen, um den unvorstellbaren Vergewaltigungen, Folterungen und den entmenschlichten Soldaten des Assad-Regimes nicht in die Hände zu kommen. 
Wollen wir in Geschichtsbüchern für diesen dunklen Fleck mitschuldig sein? Was im Moment zählt ist, wie jedes einzelne Leben in Aleppo gerade noch gerettet werden kann. Mensch-Sein zählt im Moment. 
Oder haben wir das verlernt?
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Kommentare

 

Europa, allen voran Österreich und Deutschland, sollten jetzt unbürokratisch eine Luftbrücke nach Syrien organisieren und die Freiheitsrebellen samt ihren Familien hierher in Sicherheit bringen.
Andernfalls droht eine weitere humanitäre Katastrophe.

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