„Wir möchten eine der berühmtesten Marken Österreichs werden“

04. Mai 2022

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Die Gründer von LEVIENNE. Foto:Privat

Drei junge Männer und ein Traum: Ihre Modemarke ganz groß rausbringen. Die Gründer von „LEVIENNE“, Özkan Uzun, Adelon Tofaj und Qiaojun Guo erzählen von ihren Anfängen, Träumen und Schwierigkeiten in der Modebranche Fuß zu fassen.

 

BIBER: Einen sicheren Job zu kündigen ist sehr riskant, wie haben eure Familien und Freunde auf diesen Schritt reagiert?

Uzun: Meine Mutter und mein Vater waren dagegen. Sie wollten, dass ich die Schule fertig mache und dann zur Uni gehe. Ich wusste aber im Herzen, dass ich das nicht will. Ich habe ihnen dann nicht mehr viel erzählt, sondern habe es einfach gemacht. Ich hab mir ein Ticket in die Türkei gekauft und stand dann mit dem Koffer vor ihnen und meinte, dass ich jetzt los gehe um nach Fabriken zu suchen. Ab da waren meine Eltern zwar noch etwas skeptisch, aber sie wussten, dass sie mich nicht abhalten konnten und haben es akzeptiert. Mittlerweile stehen sie komplett hinter mir und fragen sogar, wann die nächsten Kollektionen kommen. Meine Freunde haben mich auf Anhieb unterstützt.

Guo: Meine Eltern haben sich nie in meinen beruflichen Werdegang eingemischt. Ich konnte da immer alleine entscheiden was ich machen möchte. Als ich ihnen erklärt habe was ich jetzt mache waren sie auch positiv drauf eingestimmt.

Tofaj: Familie und Freunde bewerten nur den Erfolg, ob es schnell oder langsam voran geht, was ich auch verstehen kann sie wollen ja nur das Beste für uns. Ich habe mich aber nie auf deren Meinungen fokussiert. Viele Leute unterstützen uns jetzt, weil wir schon die zweite Kollektion rausbringen und konsistent sind.

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Özkan Uzun. Foto: Privat

Wie seid ihr auf die Idee mit einem Mode-start-up gekommen?

Uzun: Als ich noch in einem Laden auf der Mariahilfer Straße als Samstagskraft gearbeitet habe, waren die zwei meine Chefs. Die Kunden kannten uns und haben immer nach uns gefragt. Wir hatten eigenen Stammkunden. Wir dachten uns vielleicht wäre es eine coole Idee, wenn wir unsere eigenen Sachen designen und sie den Leuten zeigen. So ist uns die Idee langsam gekommen.

Wie gestalteten sich eure Anfänge?

Uzun: Das war echt schwer. So einen Weg zu gehen, erfordert viel Disziplin und Flexibilität. Damit ein Unternehmen funktioniert muss man sich mit der Produktion, den ganzen Dokumenten fürs Finanzamt und der online Präsenz auseinandersetzen. Im normalem Leben hatten wir mit diesen Dingen nichts zu tun. Wir drei sind mit einem Koffer in die Türkei geflogen und haben ohne Plan auf einem Bazar Leute gefragt, wo Fabriken sind. Das Problem war nicht nur eine Fabrik zu finden, sondern auch eine die mit uns arbeiten möchte. Eine die qualitativ arbeitet und eine geringe Anzahl produziert.

Hattet ihr Hilfe?

Uzun: Das Problem ist in Wien haben wir diese Nichtsgönner-Kultur. Deshalb will man immer nicht zu viel erzählen.

Was steckt hinter dem Namen „LEVIENNE“?

Uzun: Man erkennt im Namen das „Wien“ und es hat einen guten Klang „LEVIENNE“. Es könnte international in jedem Land gut ausgesprochen werden. Denn das ist das wichtigste bei einer Brand.

Mittlerweile gibt es bereits sehr viele Modemarken. Was ist das Besondere an „LEVIENNE“?

Tofaj: Wir sind sehr klein und machen 90% der Arbeit komplett allein. Wir nehmen uns so viel Zeit wie möglich, damit die Qualität gut ist und hohen Ansprühen gerecht wird. Wir produzieren nicht auf Masse, sondern möchten exklusive Ware erstellen. Uns geht es darum, soviel Zeit wie möglich in ein Teil zu investieren, damit der Kunde mit dem Endprodukt auch was anfangen kann.

Uzun: Wir haben uns alles selbst beigebracht sei es jetzt Photoshop für die Bilder oder das Marketing. Wir zeichnen auch unsere Stücke bis zum Schnitt selbst. Wir sind in jedem Schritt involviert und lassen uns da auch nicht viel einreden. Heutzutage kann man so viel auf YouTube lernen oder auf Fiber kann man für Einmalleistungen bezahlen. Sowas nehmen wir manchmal in Anspruch aber Grundsätzlich bringen wir uns alles selbst bei.

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Adelon präsentiert stolz den Hoddie der neuen Kollektion. Foto: Privat

Welchen Background habt ihr?

Uzun: Ich bin ursprünglich aus der Türkei, aber kurdisch-stämmig. Im Alter von vier bin ich nach Österreich gekommen. Es war aufwendig Deutsch zu lernen, aber ich hatte immer den Willen meine Ziele anzustreben. Ich habe mehrere Jobs gemacht. Ich war in der Gastro aber auch im Verkauf, da habe ich mich auch am meisten entfaltet. Ich habe sehr viel gelernt und mich dazu entschlossen mich in dem Bereich weiterzuentwickeln.

Guo: Ich bin in Österreich geboren meine Eltern sind aber ursprünglich aus China. Ich habe einen Lehrabschluss für Einzelhandel und Textil gemacht und ich arbeite auch seit 10 Jahren in der Textilbranche. Ich wollte schon immer was Eigenes machen und jetzt hat sich eben die Möglichkeit dazu ergeben. Das war dann genau der Schritt, den ich machen wollte.

Tofaj: Ich komme ursprünglich aus dem Kosovo und lebe seit 2005 in Österreich. Ich habe den Hauptschulabschluss gemacht und seitdem viele Jobs ausgeübt. 2010 habe ich beim ZARA begonnen und dort die letzten elf Jahre gearbeitet. Dann habe ich die Jungs getroffen und da wir alle was Eigenes machen wollten haben wir uns zusammengetan. Wir wollten die Routine brechen, da diese einen auf Dauert fertig machen kann. Wir dachten uns, solange wir noch jung sind, müssen wir was neues und aufregendes beginnen. Wir haben alle drei mehr oder weniger den gleichen Background. Wir kommen aus dem Ausland und versuchen uns hier etwas aufzubauen.

Wie findet ihr eure Ideen für die Modestrecken?

Tofaj: Wir schauen in welche Richtung sich die Modewelt bewegt. Momentan möchten wir den Oversize-Fit nach Wien bringen, da der hier noch nicht so weit verbreitet ist. Uns ist wichtig, dass wenn wir eine Richtung einschlagen, wir dem Kunden eine Palette an Stücken bieten. Allein mit unserer Kollektion können bis zu zehn Outfits zusammengestellt werden.

Gab es Momente, an denen ihr an „LEVIENNE“ gezweifelt habt?

Guo: Es gab natürlich Rückschläge vor allem am Anfang als wir noch nach Fabriken gesucht haben und keiner mit uns arbeiten wollte. Oder auch als wir durch Corona Lieferschwierigkeiten hatten. Am Ende haben wir uns aber immer zusammengerauft. Aufgeben war keine Option, weil wir immer an uns geglaubt haben.

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Adelon Tofaj. Foto: Privat

Wie finanziert ihr euch?

Tofaj: Am Anfang finanzierten wir uns durch unsere kompletten Ersparnisse. Wir haben gut überlegt, wie wir unser Geld ausgeben, um das meiste aus einem Euro zu erzielen. Wir haben uns am Anfang auch nicht vom Unternehmen ausbezahlen lassen, sondern jeder Cent wurde reinvestiert.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Guo: Wir wünschen uns, dass wir die Marke etablieren und davon leben können. Wir möchten auch die Prozesse optimieren, um im Jahr vier Kollektionen rauszubringen.

Tofaj: Wir wünschen uns natürlich auch in Zukunft eine der berühmtesten Marken in Österreich zu sein.

 

Aufgepasst: Die neue Kollektion von "LEVIENNE" kommt am 20. Mai raus und spezialisiert sich auf Oversize-Klamotten mit Hoodies, T-shirts und vielem mehr. Alle Teile sind unisex und preislich bewegen sie sich zwischen 35-200 Euro.

INFO: https://www.levienne.com/

 

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