Wohin der Feminismus die russischen Frauen geführt hat.

11. Mai 2015

Ob im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung, die russischen Männer picken sich bei diesen Tätigkeiten die Rosinen hinaus. Frauen erledigen noch heute zwei Drittel der unbezahlten Arbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine präsentable Studie in Russland.

Als Russin kann ich selbst diese Schlussfolgerung ohne Hilfe der Soziologen machen! Es reicht, sich die Beziehung in meiner Familie anzuschauen. Vom frühen Morgen bis in die späte Nacht ging meine Mutter nicht nur arbeiten und verdiente stets mehr als mein Vater. Sie erledigte auch alle Pflichten im Haus: Kochen, Aufräumen, Bügeln und sich um mich kümmern. Zu den Pflichten meines Vaters gehörte nur die Intakthaltung aller elektronischen Geräte. Und diese Situation ist sehr typisch, nicht nur für meine Familie. Fast alle meine verheirateten Freundinnen beklagen sich, dass alle Tätigkeiten im Haushalt und die Kinderbetreuung allein auf ihren Schultern liegen. Ihre Männer sind somit aus den Händen der sorgsamen Mamas, die für sie alle schmutzige Arbeit machten, gerade unter die Fittiche ihrer Freundinnen gewandert.

Die Männer haben uns überlistet.

Die russischen Frauen haben so lange für die Gleichberechtigung gekämpft und versucht, sich aus den klassischen, russischen, patriarchalischen Familien herauszureißen. Doch dabei haben sie nicht bemerkt, dass sie zwar etwas Neues gewinnen, aber alten Ballast dafür nicht loslassen. Jetzt haben sie 2  Jobs: „Powerfrau im Büro und super Hausfrau!”. Sehr praktisch für die russischen Männer! Jetzt sind wir, die russischen Frauen, gezwungen nicht nur, die Rolle der idealen Hausfrau zu spielen, sondern auch auf jede Weise, dem modernen feministischen Ideal zu entsprechen: schön, unabhängig, erfolgreich in der Arbeit zu sein und dabei sicher auf den haushohen Absätzen zu gehen! Und das ist wirklich nicht so leicht!

Vielleicht heiraten darum viele Österreicher so gerne russische Frauen? Wir sind nicht verwöhnt und selbst ein halbherzige Versuch seinerseits, auch einmal das Geschirr zu waschen oder abzustauben, nehmen wir mit unglaublicher Begeisterung wahr. Persönlich war es für mich ein Schock, als mein österreichischer Freund selbst den Fußboden gewaschen hat. Das habe ich wirklich noch nie gesehen!

 

 

Ira Dyagileva ist derzeit die Stipendiatin der biber-Akademie. Sie ist russiche Journalistin, die seit 7 Monaten in Österreich lebt. Deswegen einfach ein Auge zu drücken, falls ihr den ein oder anderen Fehler in ihren Blogs entdeckt. Aller Anfang ist schwer und ihr seid bestimmt auch keine Profis in RussischUkrainisch und ein bisschen Polnisch oder?

Blogkategorie: 

Kommentare

 

na ja,, das ist halt schwierig. Ich finde das sehr schön, wenn im Haushalt schon beide sich auskennen) 

Alle hängt natürlich auch von der Person ab 

Das könnte dich auch interessieren

Unsplash/Samantha Borges
iPads im Unterricht und Digitalisierung...
.
Wer sich für ukrainische Kunst ...
.
Duftende Kunstwerke und weihnachtliche...

Anmelden & Mitreden

6 + 0 =
Bitte löse die Rechnung