Zivilcourage kann man trainieren!

08. Juni 2022

Das Zeitalter der digitalen Globalisierung bringt Hürden mit sich, deren Konsequenzen wir ausbaden müssen. Theoretisch kann jeder unter einem anonymen Account eine Identität kreieren, und ungehemmt Lügen und Hass verbreiten. Viele Jugendliche wissen nicht, wie sie mit Mobbing im Netz umgehen sollen, und was sie dagegen tun können.

Um dem entgegenzuwirken, arbeitet das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) seit mehr als zehn Jahren im Rahmen der Projekte  „Zivil.Courage.Online“ und Zivilcourage TRAINIEREN" mit jungen Leuten zusammen: klärt sie über ihre Rechte im Netz auf, weist auf Meldestellen hin, und ermutigt sie zur Zivilcourage. Passend dazu wurde eine App entwickelt, die vom Digitalisierungsfond der AK Wien finanziell gefördert wurde. „Zivilcourage bedeutet: nicht schweigen, sondern konkret handeln“, sagte Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ, bei der gestrigen Pressekonferenz zur Präsentation der App.

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Christa Bauer, Renate Anderl, Willi Mernyi Foto: Jacqueline Godany

Zivilcourage kann Leben retten

Die Geschichte von Daniel Chanoch, der sechs Konzentrationslager überlebt hat, ist eine Quelle der Inspiration für die Initiatoren des Projekts. Zwischen Chanoch und weiteren 130 Kindern, die in der Vernichtungsmaschinerie der Nazis gefangen waren, bildete sich eine enge Beziehung, die ihm geholfen hat, zu überleben. Diese war geprägt von Solidarität und Zivilcourage. Diese Werte will die MKÖ an Jugendliche weitergeben.

Auch in unseren Zeiten ist Zivilcourage und Solidarität wichtig: durch die Digitalisierung sind wir Menschen uns näher als je zuvor, gleichzeitig haben wir uns aber entfremdet. Ich kann binnen Sekunden mit Menschen aus Australien in Kontakt treten, wenn ich aber mit Bekannten beim Tisch sitze, sind wir alle am Handy und schauen uns beim Reden kaum mehr an. Genau diese Entfremdung verleitet uns manchmal dazu, unbedacht Sachen ins Internet zu schreiben, ohne wirklich über die Konsequenzen nachzudenken. Wir sehen nicht den Gesichtsausdruck des Gegenübers, wenn wir ihn verletzen, und sind nicht direkt mit ihm, also Face—to—Face konfrontiert.

Gewappnet gegen Shitstorms und Trolle

Für die Generation meiner Großmutter wäre sowas undenkbar gewesen. Sie muss sich im Alltag nicht mit „Shitstorms“ und „Trollen“ plagen, denn sie weiß nicht einmal, was diese Wörter bedeuten. Begriffe rund um das Thema „Social Media“ werden in der kostenlosen App erklärt. Diese beinhaltet u.a. Übungen, die helfen sollen Fake-News zu erkennen.

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"Achtung, Fake!" Übung Foto: MKÖ

Bilder, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, gekaufte Follower auf Instagram, erfundene Zitate sind Beispiele für Tricks, die angewendet werden, um Social Media User zu täuschen. Wenn man immer wieder Fake-News hört oder liest, steigt die Chance diese zu glauben. Dieses Phänomen heißt „Wahrheitseffekt“, und wird in der App erklärt. Das vermittelte Wissen basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die App stellt außerdem Möglichkeiten vor, Fakes aufzudecken wie z.B. durch die „Google Bilder-Rückwärtssuche“. Man lernt auch auf spielerische Weise wie man Quellen prüft und hinterfragt.

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"Verschwörungstheorien" Übungs-Chat Foto: MKÖ

„Bei uns in der Schule werden diese Themen kaum behandelt.“

Die Welt verändert sich, unser Schulsystem sollte, meiner Meinung nach, zeitgerecht auf diese Veränderungen reagieren. „Bei uns in der Schule werden diese Themen kaum behandelt.“, bestätigt mir eine 13-jährige Schülerin, die für mich die App testet. Sie findet die Inhalte der App ihrem Alter entsprechend. Wir beide sind uns einig, dass es Bildungsinitiativen braucht, die Bewusstsein für die Gefahren der „virtuellen Welt“ schaffen, gleichzeitig aber vermitteln, wie man sich gegen diese wehren kann.

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