3 Minuten mit Mehmet Uysal

08. Juli 2022

Was wäre, wenn die Türken nicht Kaffee, sondern Raki bei der Belagerung dagelassen hätten? Mehmet Uysal hat mit “Otto Raki” einen Anis-Schnaps geschaffen, der Österreich und die Türkei in einer Flasche zusammenbringt.


Interview: Nada El-Azar-Chekh
Foto: Zoe Opratko

 

otto, raki, 3min

biber: Was fasziniert dich kulturgeschichtlich am Raki?

Mehmet Uysal: Ich finde die Frage spannend: Was wäre, wenn die Türken bei der Belagerung Wiens nicht Kaffee, sondern Raki hinterlassen hätten? Die ganze Kultur hätte sich womöglich anders entwickelt – statt Kaffeehäusern wären vielleicht Raki-Häuser entstanden. Raki ist im gesamten mediterranen Raum wichtig. Araber und Israelis nennen ihn Arak, die Griechen haben Ouzo, die Franzosen haben Pastis, Italiener haben Sambuca… Ich wollte das Getränk meines Herkunftslandes mit meiner jetzigen Heimat in einer Flasche verbinden. Es ist österreichische Schnapskultur in einer Flasche mit der türkischen Raki-Kultur. Wir verwenden Weißburgunder aus der Steiermark und fügen keinen Zucker hinzu.

Manche Menschen stehen überhaupt nicht auf Anis. Wie überzeugt man sie?

Bei Anis ist es wirklich so, dass man ihn entweder liebt oder hasst. Deswegen war es eines unserer Ziele, einen Raki herzustellen, der jedem schmeckt. Er ist fünffach destilliert und daher sehr mild, außerdem haben wir andere Gewürze beigegeben, welche die Anisnote verfeinern. Wir wollten ein angenehmes Geschmackserlebnis schaffen, mit Orangenblüte, Kardamom, Süßholz und anderen feinen Aromen. Anis hat außerdem auch durchaus medizinische Vorteile. Er ist gut für den Magen, wurde lange Zeit auch in der Zahnmedizin verwendet und gilt auch noch als Aphrodisiakum. Raki ist also ein Alleskönner.

Woher kommt der Name „Otto Raki?

Ich habe in Wien Architektur studiert und bin ein großer Fan von Otto -Wagner. Das Etikett ist bewusst ein bisschen im Jugendstil gestaltet. Und im Otto stecken auch die Ottomanen, also die Osmanen. Es ist also ein doppeldeutiger Name für den Raki.

Wie genießt man Raki denn am besten?

Viele meiner Freunde machen den Fehler, den Raki wie einen Shot hinunterspülen zu wollen. Nein, man muss ihn langsam genießen! Klassisch trinkt man Raki mit ein wenig Wasser verdünnt und Eis. Dann wird der klare Schnaps typisch milchig, weil die ätherischen Öle aus dem Anis sich im Wasser nicht auflösen. Je trüber der Raki, desto mehr Anis ist drin. Das nennt man auch Louche-Effekt. Der klassische Raki-Trinker stellt uns auf jeden Fall die Frage: Wie kann man den bloß in einen Cocktail machen? Natürlich lieben wir es traditionell, wo unsere Wurzeln sind – aber Innovation muss auch sein. Wir haben schon mit professionellen Barkeepern zusammengearbeitet, die individuelle Cocktails mit dem Raki kreieren.

 

Wer ist er? Mehmet Uysal (36)

Geboren in: Ankara, lebt seit 2006 in Wien

Superpower: Kann gut Kaffeesud lesen

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