3 Minuten mit einer Spar-Kassiererin

10. April 2020

Die Corona-Krise hat gezeigt, welche Berufe unser System wirklich am Laufe halten. Neben Angestellten im Gesundheitswesen sind das vor allem Supermarktmitarbeiter*innen. Erzsebet Hummer ist eine von ihnen.

Von Hannah Jutz; Foto: Zoe Opratko

Supermarktmitarbeiterin

BIBER: Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag seit der Coronakrise verändert?

ERZSEBET HUMMER: Es ist ein furchtbar beklemmendes Gefühl, den ganzen Tag die Maske zu tragen. Ich bekomme schlecht Luft, habe ständig Kopfweh und es ist schwieriger, persönlichen Kontakt zu halten. Ich hoffe, das alles ist bald vorbei und ich kann das Gesicht von den Kunden wieder sehen. Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist aber gut, wir bekommen Gratiskaffee und sind durch Handschuhe und Desinfektionsmittel gut geschützt.

Wie verhalten sich die Kund*innen Ihnen gegenüber?

Die meisten sind sehr dankbar und freundlich. Es gibt aber Menschen, die die Situation nicht ernst nehmen oder unhöflich sind. Ich versuche, meine Freundlichkeit aufrechtzuerhalten und ich erwarte keine Dankbarkeit von ihnen. Aber mehr Respekt wäre schön. Ich habe meinen 10-jährigen Sohn seit drei Wochen nicht gesehen, weil ich durch meine Arbeit ein Risiko für ihn bin. Er hat Lungenprobleme und ist jetzt bei meinen Schwiegereltern. Aber ich arbeite trotzdem, weil sonst nichts mehr funktioniert. Wir sitzen alle in einem Boot und müssen aufeinander aufpassen.

Hamstern die Leute wirklich so viel Klopapier?

Das mit dem Klopapier hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer, sogar mein Mann hat welches gekauft (lacht). Die Hamstereinkäufe waren Wahnsinn, es gab ewig lange Schlangen, manche sind mit der Gasmaske einkaufen gekommen – sowas habe ich noch nicht erlebt. Jetzt hat es sich normalisiert, man merkt aber, dass die Leute mehr haltbare Lebensmittel und Alkohol kaufen.

Ärgert es Sie, dass die meisten Menschen zuhause sitzen und Sie arbeiten müssen?

Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, zuhause zu bleiben. Das würde ich nicht aushalten. Ich mache meine Arbeit gerne und habe sie mir ausgesucht. Jeder Mensch ist in seinem Bereich wichtig, egal wo man arbeitet. Jetzt sind eben wir an der Reihe.

Durch die aktuelle Situation ist eine Diskussion um die Bezahlung systemrelevanter Jobs losgetreten worden – denken Sie, dass sich nach der Krise etwas ändern wird?

Ich finde es gut, dass die Menschen jetzt sehen, wie wichtig unsere Arbeit ist. Ich kriege mein Gehalt und wenn was dazu kommt, freue ich mich natürlich. Aber ich erwarte nichts. Diese Zeit hat auch etwas Positives: Alles ist auf das Wesentliche reduziert und die Natur erholt sich. Wir haben nur eine Erde und entscheiden, was mit uns passiert.

Alter: 49
Beruf: Supermarkt-Kassiererin
Besonderes: Arbeitet seit 20 Jahren als Kassiererin bei Spar und bedient dabei mehrere hundert Kunden täglich.

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