3 Minuten mit Malarina

09. September 2021

Die Austro-Serbin und Neo-Kabarettistin Marina Laković geht nach gezwungener Coronapause mit ihrem Solo-Stück „Serben sterben langsam“ auf die Bühne. Warum Politkabarett wie Milch ist, und wie wichtig Selbstreflexion innerhalb von migrantischen Communitys ist.

Von Jelena Čolić, Foto: Vanja Pandurevic

Foto: Vanja Pandurevic
Foto: Vanja Pandurevic

BIBER: Was ist das Geheimnis hinter dem Namen Malarina?

MALARINA: Ich wollte, dass es nur ein Wort ist. Was gut genug für Cher ist, ist auch gut genug für mich. Es ist die erste Silbe meines Nachnamens zusammengefügt mit meinem Vornamen. So mysteriös ist es doch nicht. (lacht) Dein neues Solo heißt „Serben sterben langsam“. Woher nimmst du die Inspiration dafür? Ich fange im 1. Weltkrieg an, bis hin zum 2. Weltkrieg und der Tito-Ära. Es ist relativ chronologisch und dann kommen die Gastarbeiter dran. Es ist wie eine Geschichtsstunde - was eben bei den Schwabos und was bei uns passiert ist. In der zweiten Hälfte des Stücks geht’s viel um die Tatsache, dass Serben rechts gewählt haben, Stichwort Haider und HC. Ich bin in meinem Stück eine rechtsradikale Frau, die sehr traurig ist, dass Strache weg ist. Dafür habe ich mich von der ikonischen serbischen Dame am Brunnenmarkt aus Spiras „Alltagsgeschichten“, die gegen Ausländer schimpft, inspirieren lassen – was würde sie tun?

Du hast es geschafft, dass der Falter in einer Kritik über dein Stück „pička“ erwähnt. Versteht das das autochthone Publikum? Wen möchtest du mit deinen Stücken eigentlich abholen?

Ich nenne meine Künstlerfigur und Haider „pička“. Jene Leute, die nicht B/K/S (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) sprechen, schließen die Bedeutung dann schon aus dem Kontext. Generell aber ist es mir wichtig, ein Stück zu spielen, dass auch Leute außerhalb der Ex-YU-Community verstehen. In der zweiten Hälfte des Stückes spreche ich über aktuelles politisches Zeitgeschehen und aktualisiere es vor den Auftritten immer, damit es frisch bleibt. Politisches Kabarett ist wie Milch, das kann über Nacht schlecht werden.

Dein Stück handelt von dem geschichtlichen Tango zwischen Serbien und Österreich. Beide kriegen ihr Fett weg. Warum ist das so wichtig?

Ich finde nicht, dass jeder der Migrationshintergrund hat eine Ethno-Comedy schreiben muss, die ein Safe-Space für die eigene Community ist.

Kabarett ist in Österreich sehr männerdominiert. Als Frau, Mitglied der LGBTQ+-Community und Migrantin mischt du die sehr homogene Gruppe auf. Wie waren deine ersten Schritte in der Branche?

Ich wollte ja ursprünglich nie ins Kabarett. Ich dachte, ich werde bestimmt einen wichtigen Roman schreiben und die Leute werden mir eines Tages Kugelschreiber auf mein Grab legen. Was man halt so denkt mit Anfang 20. Ansonsten hatte ich schon sehr Glück. Man steht sich eher selbst mit dem Hochstapler-Syndrom im Weg, vor allem Frauen. Männer haben ganz selten schlechten Selbstwert, warum auch (lacht)?

Wer ist sie?

Alter: 31

Geburtsort: Petrovac (schaut laut Marina bisschen aus wie in „Chroniken von Narnia“)

Besonderes: Spricht Deutsch, Englisch, B/K/S, Rumänisch und Italienisch

Malarina ist am 28. September 2021 live im Kabarett Niedermair zu sehen!

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