3 Minuten mit Neci Gönay

30. April 2013

 

Die ÖVP vergibt eine Führungsposition an eine Türkin? Was in Wien als Witz durchgehen würde, ist im Ländle Realität. Neci Gönay über türkischstämmige Frauen in der Politik, Alkohol zu Silvester und James Bond in Bregenz.

 

 

biber: Seit wann engagierst du dich für die ÖVP?

Neci Gönay: Ich habe als Jugendliche bei vielen ehrenamtlichen Projekten mitgemacht und dabei Stadträte und Lokalpolitiker kennengelernt. Als mich der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart gefragt hat, bei der ÖVP mitzumachen, habe ich sofort zugesagt. Jetzt bin Geschäftsführerin der jungen ÖVP in Vorarlberg.

 

Kommt ja nicht oft vor, eine türkischstämmige Politikerin bei der ÖVP. Wie fielen die Reaktionen aus?

In der Partei hat mir jeder dazu gratuliert und ist mir mit Anerkennung und Respekt begegnet. Nur außerhalb der Partei hatte ich mit engstirnigen Menschen zu kämpfen.

 

 

 

 

Ach so?

Die Vorbehalte sind noch immer sehr groß. Auch in der Arbeitswelt: Als ich auf Jobsuche war, gab mir eine Freundin den Tipp, mich bei ihrem Arbeitgeber zu bewerben, eine Stelle war zwei Tage zuvor frei geworden. Ich rief an und wurde unsanft abgewiesen, vor allem als der Chef meinen Namen nicht aussprechen konnte. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und rief zwei Stunden später wieder an. Dieses Mal wählte ich einen typisch österreichischen Namen und sprach Hochdeutsch. Und siehe da, der Job war wieder zu haben!

 

Neci ist doch leicht auszusprechen.

Naja, Neci ist nur die Kurzversion von Necmiye. Necmiye merkt sich aber niemand. (lacht)

 

Der Chef der Jungen ÖVP in Salzburg, Asdin El-Habbasi, ist praktizierender Moslem und hat im biber-Interview (02/2012) mit der Aussage, er würde keinen Alkohol und kein Schweinefleisch konsumieren, für Aufregung unter Konservativen gesorgt. Glaubst du an Gott?

Ja. Ich glaube auch daran, dass wir alle denselben Gott haben und es darum keinen Grund gibt, eine andere Religion schlecht zu machen. Ich habe Religionsunterricht in der Schule gehabt und früher auch die Moschee besucht und den Ramadan gefastet, aber mehr aus meditativen Gründen. Ich trinke Alkohol nur zu ganz bestimmten Anlässen, wie Silvester oder Geburtstag.

 

Abschließend ein Tipp für alle Wiener, die sich nach Vorarlberg verirren.

Also bitteschön, wir haben hier den Bodensee, sind in 15 Minuten in Deutschland und der Schweiz, haben die größte Seebühne der Welt und selbst Bond (Anm. der Redaktion: „Ein Quantum Trost“) dreht hier seine Filme. Was will man mehr?

 

 

Wer ist sie

Name: Neci Gönay

Alter: 24

Geburtsort: Bregenz

Beruf: Landesgeschäftsführerin Junge ÖVP, Vorarlberg

Besonderes: Wurde mit sechs Monaten zu ihren

Großeltern in die Türkei geschickt. Mit sechs

Jahren ging es zurück zu den Eltern nach Bregenz.

 

von Amar Rajkovic und Darko Todorovic (Foto)

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