3 Minuten mit Rettungsschwimmer Michele

25. Juni 2020

Am beliebtesten Sandstrand der Österreicher hisst er die rote Fahne: Michele Tria ist Rettungsschwimmer am italienischen Strand von Grado und erzählt, wie Corona seine Arbeit verändert – oder auch nicht.


von Livia Klingl (Text und Foto)

 

biber: Was hat sich durch Corona an deiner Arbeit geändert?
Michele Tria: Wir mussten einen Corona-Kurs absolvieren und nur wer am Ende das Zertifikat erhielt, durfte arbeiten. Wir bekamen eine neue Ausrüstung mit Handschuhen, Schutzkleidung, Maske und Plexiglasschild und ich habe auch ein Puls- und Sauerstoffmessgerät besorgt. Wir haben neue Guidelines, aber das ist Theorie. Wenn ich einem Kind oder einem alten Menschen helfen müsste, dann würde ich nicht erst an Corona denken und jemanden sterben lassen, sondern an Lebensrettung.

Wie oft kommt so etwas vor?
Auf 1,6 Kilometer Strand haben wir pro Saison im Schnitt einen Toten und zehn, die wir retten. Davon sind vier bis fünf kritische Fälle.

 

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Was wäre jetzt in der Corona-Zeit, wenn Mund-zu-Mund-Beatmung nötig wäre?
Das machen wir schon ein paar Jahre nicht mehr. Alle Rettungsschwimmer haben eine Maske mit Blasbalg in ihrem Equipment. Und alle 300 Meter gibt es einen Defibrilator. Wir haben alle Walkie-Talkies und im Rettungsfall gehen zwei ins Wasser, um den Verunglückten herauszuholen und ein Dritter kommt mit dem Defi. Für alle Notfälle haben wir eine Checkliste, mit und ohne Corona.

Was ist am Strand anders?
Die Sonnenschirme haben jetzt seitlich einen Mindestabstand von 4,60 Meter und nach vorne Richtung Meer fünf Meter. Die Liegen werden jeden Morgen desinfiziert - auch wenn das vielleicht unnötig sein mag, weil das Virus auf diesen Flächen nicht mehr als ein paar Stunden überlebt. Aber das sind jetzt eben die neuen Regeln.

Nicht alle sind nachvollziehbar?
Im Indoor-Schwimmbad dürfen nur noch 30 Personen sein, obwohl Chlor ja angeblich das Virus tötet.

Müsst ihr euch regelmäßig testen?
Alle von der Schwimmrettung mussten auf Anordnung des Verkehrsministeriums einen Test machen. 

Lebst du anders als vor Corona?
Wir alle hier sind ja wegen der Zustände in Bergamo Corona-Experten geworden. Wir haben die Maske immer mit und halten Abstand. Und ich wasche mir öfter die Hände. Für Menschen in meinem Alter ist das leichter als für die Jungen, die in die Disco wollen oder zum Fußball. Für die muss die Politik mitdenken. Politiker haben einen Beruf gewählt, in dem sie vorausschauend und verantwortlich sein müssen oder müssten. 

Um wie viel weniger Touristen habt ihr jetzt?
Wir haben durch die Abstandsregeln ein Drittel weniger Sonnenschirme. Und von denen eine Auslastung von 40 bis 50 Prozent. Aber langsam, langsam kommen Urlauber aus Österreich und Deutschland. Ich denke, wir müssen mit diesem Virus leben lernen und wissen, dass es auch wieder zurückkommen kann. Ein bisschen ist es wie mit dem Meer. Vor dem muss man auch Respekt haben.

 

Wer ist er?

Alter: 52

Beruf: Rettungsschwimmer

Fitness-Programm: Rudern und Boxen

Besonderes: Hat zwischenzeitlich viele Jahre im Nachtleben gearbeitet. Weil das zu stressig wurde, ist er an den Strand von Grado zurückgekehrt und rettet dort Leben.

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