3 Minuten mit Russkaja-Sänger Georgij

03. April 2013

 „Alle Klischees stimmen“

Pizza Bolognese, russischer Schlager und dazwischen ein Interview: Russkaja-Frontman Georgij besucht die biber-Akademie und spricht mit uns über das neue Album „Energia“, putzende Fans und inspirierende Speibsackerl.

 

Zugegeben, das Interview mit dem stimmgewaltigen Leadsänger Georgij von Russkaja war mehr Spaß als Arbeit. Die Gitarre, auf der er uns russische Evergreens wie „Ochi Chernye“ vorspielt, ziert der Text eines mexikanisches Piñataliedes. Ein Überbleibsel vom letzten Kindergeburtstag, wie er uns erzählt. Der bärige Georgij plaudert ganz ungezwungen, singt für uns und umarmt uns zum Abschied herzlich.

biber: Das letzte Album war laut, schnell, melodisch und in drei Sprachen gesungen. Wie soll das neue Album „Energia“ (erscheint am 5. April) das toppen?
Georgij: Das neue Album ist etwas mehr in die Breite gegangen und ist dabei in beiden Richtungen ins Extreme geschwappt. Wir haben Metal mit Balkansounds vermischt. Auf der anderen Seite melodische und groovigere Sachen.

Wieso singt ihr eigentlich in drei Sprachen, reicht nicht eine?
Englisch singt sich irgendwie besser. Auf dem neuen Album haben wir bei dem Lied “ Violina Mia” mit Skero zusammen gearbeitet und da sind wir auf die Idee gekommen, italienische Ausdrücke in Musik zu verwandeln. Skero hat zuerst auf Deutsch angefangen und dann bin ich mit diesen Musikausdrücken dazugekommen.

Der ungewöhnlichste Ort, an dem du je einen Song geschrieben hast?
Es kann dich überall überkommen. Einen Song habe ich im Flugzeug auf ein „Speibsackerl“ geschrieben, weil nichts anderes da war. Früher habe ich viel am Klo geschrieben, bis wir umgezogen sind. Und jetzt haben wir ein Klo, das bei den Knien aufhört. Da müsste ich mich ganz schön verrenken. Früher hatte ich einen langen Gang und am Ende war das Klo wie ein Thron.

Euer  Motto „Nichts und niemals wird uns aus dem Sattel werfen“ ist grammatikalisch falsch. Wisst ihr das?
Das kommt daher, weil ich oft Sachen aus dem Russischen übersetze. Es ist ein Spruch, den mein Onkel immer sagt. Er ist für mich wie eine Vaterfigur. Manchmal klage ich über irgendetwas und er schließt dann das Gespräch mit unserem Motto ab. Ich habe es auch auf der vorherigen Platte in einem Song verwendet:  Kogda.

Kommen wir zu den Klischees: Trinkst du gern Vodka?

Ich trinke lieber einen tiefgekühlten Vodka mit Salzgurkerl, als mir sieben Bier reinzustellen. Dann ist mir nicht mehr nach Party. Aber Vodka geht richtig ins Blut.

Brauchst du viel Vodka, um in Stimmung zu kommen?

Eigentlich brauche ich ganz wenig. Ich trinke ganz wenig Alkohol. Daheim gar nichts, außer es kommen Gäste und dann trinken wir Vodka.

Früher hast du in einer Metal-Band gespielt und sogar in Musicals gesungen. Aber auf der Bühne lässt du ziemlich den Russen raushängen. Ist es so, dass man in Österreich mehr Geld mit Klischees verdient?
Klischees sind für mich gar nicht negativ behaftet. Ich glaube, alle Klischees, die es gibt, stimmen.

Gérard Depardieu ist ja Russe geworden – du bist ausgewandert. Ist Russland jetzt ein Land, aus dem man auswandert, oder wo man hingeht?

Ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht aus Russland ausgewandert, sondern aus der Sowjetunion. Damals war es ein komplett anderes Land. Meine Mutter hat im Außenministerium gearbeitet. Sie war eine einfache Dolmetscherin. Das Problem bei ihrem Job war, dass sie vom KGB auf Schritt und Tritt kontrolliert wurde. Meiner Mutter ist das natürlich auf die Nerven gegangen. Eines Tages wurde ihr aber ein Österreicher zur Betreuung zugeteilt. Da hat es gefunkt und sie ist mit ihm ausgewandert.

In einem Lied singst du „I changed my Olga for my Britney“.  Bist du jetzt mit einer Olga, einer Britney oder doch mit einer Gudrun zusammen?

Ich bin mit einer Mischung zusammen. Meine Frau kommt aus Salzburg und hat Russisch studiert. Eine ihrer Freundinnen kam damals auf uns zu und sagte: „Schau, da, kannst mit ihm Russisch reden.“  So haben wir uns kennengelernt.

Es heißt, dass ihr eure Meet & Greet-Fans bei euch daheim putzen lasst.
Einmal haben wir Leute, die ein Meet&Greet gewonnen haben, gleich eingespannt und sie haben dann T-Shirts verkaufen dürfen. Es ist so: Man macht Meet & Greets, die Leute kommen und freuen sich und wir sagen: „Zuerst bitte Staub wischen – vom Regal und vom Boden.“ Wir richten alles her, sodass sie überall gut hinkommen, wir schauen uns auch die Hände von den Leuten an, die mit kleineren Händen schicken wir in die Ecken. Ja, es gibt wirklich solche Leute.

Es sind noch nie Unterhosen geklaut worden?
Mit den Unterhosen ist das umgekehrt. Unterhosen fliegen auf die Bühne, wo wir uns dann denken: Ok, was mache ich jetzt damit? Die muss man dann irgendwie versteigern, irgendwo in Japan.

Ihr geht demnächst auf Tour. In Österreich seid ihr schon Stars. Am 5. April tretet ihr im ZDF auf. Wird jetzt der deutsche Markt erobert?
Auf jeden Fall! Wir haben schon einen Fuß in Deutschland, durch das weltgrößte Metal-Festival Wacken Open Air, gesetzt. Vor drei Jahren wurden wir zum ersten Mal dort eingeladen.

Letzte Frage: Wenn du tot bist, was soll dann auf deinem Grabstein stehen?
„Nichts und niemals wird uns aus dem Sattel werfen – nicht einmal dieses Grab.“ Das muss ich mir noch überlegen. Ist eine gute Frage, hatte ich noch nie.

 

Info: Georgij Alexandrowitsch Makazaria ist Frontman der 2005 gegründeten Band Russkaja. Sie sind in der ORF-Sendung „Willkommen Österreich“ bekannt geworden. Die Band kombiniert Ska-, Trompeten-, Rock-, Polka- und Balkanbeats und verleiht jedem Song einen russischen Touch. Georgij wurde 1974 in Moskau geboren und kam als 16-Jähriger nach Wien. Am 5. April erscheint das neue Album „Energia“, mit dem Russkaja auf Österreich- und Deutschland-Tour geht. Der Auftakt ist am 6. April im Linzer Posthof. Am 18. April spielt die Band im Wiener Gasometer.

Gewinnspiel: Gewinne zwei Tickets für das Russkaja-Konzert am 18. April im Gasometer. Einfach eine Mail mit dem Kennwort „Nazdrowje“ an redaktion@dasbiber.at schicken. Einsendeschluss ist der 17. April.

 

Von der biber-Akademie und Sara Meister (Foto)

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