Ab zur Kibarei - Wiener Polizei will Migranten

23. November 2007

Die Wiener Polizei ist endlich aufgewacht und sucht nun aktiv Nachwuchspolizisten und -innen aus den Migrantencommunities. Eine gute Entwicklung, finde ich. Bisher ist die Exekutive in Wien ja oft durch ihren, sagen wir es euphemistisch, unfreundlichen Umgang mit dieser Bevölkerungsgruppe aufgefallen.  Blättert man die Amnesty International Jahresberichte der vergangenen Jahre durch, wird man bald feststellen, dass das kein Larifari ist, sondern echt. Wie sinnvoll da Aktionen zum Abbau von Vorurteilen sind, in denen Polizisten Umgang mit z.Bsp. Asylwerbern pflegen (also gemeinsames Kochen oder Kaffeplausch beim Afrikaner), ist fraglich. Da finde ich diesen neuen Vorstoß Österreicher mit Migrationsbackground anzuwerben deutlich besser. Durch die gemeinsame Arbeit begegnet man einander auf gleicher Augenhöhe. Da gibt es dann nicht mehr WIR und DIE, sondern alles verschwimmt ein bisschen mehr. Es entsteht so etwas wie eine gemeinsame Identität, nämlich die des Polizeibeamten, man hat etwas gemeinsam, auch wenn man am Wochenende in verschiedenen Pubs abfeiert. Integration nenne ich das. Migranten mit österreichischer Staatsbürgerschaft werden nun endlich auch sichtbarer Teil der österreichischen Gesellschaft. Der Grund warum die Polizei gerade auf diese jungen Leute so scharf ist, ist der, dass sie mehrsprachig sind. Mehr zweisprachige Beamte, weniger Übersetzer. Spart Kohle. Apropos Kohle: Polizisten verdienen natürlich auch nicht schlecht. Mit dem Job geht natürlich auch eine finanziellen und damit gesellschaftliche Besserstellung einher. Weg also mit dem Herumgrundeln in  der sozialen Unterschicht, BRAVO! Bald gibt es also mehr Türken, "Jugos", Rumänen... bei der Wiener Polizei. Ich bin aber gespannt, wann mich der oder die erste Schwarze bei einer Verkehrskontrolle auffordert meine Papiere vorzuzeigen. Oder gibt es die etwa auch schon?

Kommentare

 

War doch eh klar, dass die FPÖ not amused über das Projekt ist... aber he, wann sollte Wien als Europahauptstadt sonst mit seiner Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt beginnen, wenn nicht jetzt?! Ich meine damit nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern auch die Medienlandschaft muss ein bissi bunter werden, damit wir dem Slogan "Österreich ist ein Einwanderungsland" gerecht werden!

 

Ich glaube Österreich will dem Slogan gar nicht gerecht werden. Der wurde dem Land/uns vor kurzem mit einer Studie der ÖAW quasi aufgezwungen. Es ist zu lange weggeschaut worden, sicher auch aus Angst vor der FPÖ und ihren potenziellen Wählern. Also besser die Problematik leugnen und erst um fünf nach 12 handeln anstatt um zehn vor. Diese Konfrontationsscheu wird uns auch in anderen Bereichen noch auf den Kopf fallen. Stichwort Ghettoisierung, unzureichende Deutschkenntnisse bei in Österreich geborenen Kindern mit Migrantenwurzeln u.s.w. Obwohl, ich kann mir gut vorstellen, dass jetzt viele Institutionen/Bereiche nachziehen und endlich etwas tun. Und ob das mit der Medienlandschaft je klappen wird, wage ich zu bezweifeln, aber "schodn tät's net".

 

zum letzten absatz, mir ist ein/e schwarze/r noch nicht aufgefallen, aber freuen würde es mich schon. was die türken und die "jugos" betrifft, das ist korrekt, dass da eindeutig eine lücke ist, aber naja vielleicht reagiert man JETZT auf die nachfrage?!! ps: tolles thema!
"Be the change you want to see in the world"

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