Claus Pandi: "Den Bundeskanzler kenne ich schon seit zwanzig Jahren"

29. Oktober 2010


Der Innenpolitik-Chef der „Krone“, Claus Pándi, über die vielen „Flaschen“ in der Politik, das „Politik-Bla-Bla“ von seinem Freund und Bundeskanzler Werner Faymann und warum ein Schwarzer nicht Kolumnist in Österreichs größter Tageszeitung sein könnte.

von Monika Bratić und Julia Spicker (Foto)

 

Im ersten Wiener Gemeindebezirk, im traditionsreichen Alt-Wiener Kaffeehaus Korb, wird Claus Pándi von den Kellnern freundlich begrüßt. Obwohl er unter den vielen Anzugträgern nicht besonders auffällt kennt man ihn und das aus gutem Grund. Claus Pándi, ist Innenpolitik-Chef der „Krone“, der einflussreichsten Tageszeitung Österreichs. Und die ist ja nicht gerade auf Seite der Migranten, wie wir wissen. Dabei ist Pándi selbst der Sohn eines Ausländers, sein Vater wanderte aus Ungarn nach Österreich ein. biber-Redakteurin Monika Bratić traf den Journalisten zum Interview.

 

biber: Herr Pándi. Sie sind einer der einflussreichsten Journalisten Österreichs. Wie sehr müssen Sie sich um ein Interview bemühen

Claus Pándi: In der Politik sind heutzutage solche Flaschen unterwegs, dass wir als Journalisten einfach wichtiger geworden sind. Wichtiger als etwa vor 10 bis 15 Jahren. Damals gab es eine Politikergruppe die sehr selbstbewusst war. Ich musste mich um ein Interview bemühen. Heutzutage ist es schwierig, die Politiker abzuwimmeln.

 

 

Hebt der FPÖ-Chef sofort ab, wenn Sie anrufen? Oder dauert es, bis Sie ihn erreichen können?

Also beim H.C. Strache ist es etwas schwierig. Er hat einen anderen Lebenswandel als ich. Ich stehe früh auf und gehe auch früh wieder schlafen. Herr Strache hat einen anderen Rhythmus. Wenn ich ihn um acht Uhr früh anrufe und er nicht abhebt, dann kann es daran liegen, dass er noch schläft. Aber er ruft dann eigentlich sehr schnell zurück (lacht).

 

 

 

Zu Ihren guten Freunden zählt auch Bundeskanzler Werner Faymann. Wie können Sie das mit einer objektiven Berichterstattung vereinbaren?

Den Bundeskanzler kenne ich schon seit 20 Jahren. Damals konnte ich ja noch nicht wissen, dass er mal Bundeskanzler wird! Es wäre komisch, wenn ich eine Freundschaft kündigen würde, nur weil ein Freund von mir einen bestimmten Posten bekleidet. Werner Faymann hat keinen medialen Vorteil durch mich. Er hat es bestimmt schwieriger als andere Politiker, weil ich ihn noch kritischer sehe. Vor allem deswegen, weil ich mich diesem Vorwurf nicht aussetzen lassen will, dass ich nur Positives berichte, weil er mein Freund ist.

 

War der Bundeskanzler jemals angefressen auf Sie?
Ja, natürlich (lacht). Und zwar immer dann, wenn er von einer Sache sehr überzeugt ist und ich der Meinung bin , dass es nur Politik-BlaBla ist.

 

 

Faymann ist also Ihr Freund. Und dann gibt es noch Ihre Ehefrau Angelika Feigl, die seine Pressesprecherin ist. Wie ist das, gibt’s Ehekrach, wenn Sie nicht gut berichten?

Naja, es ist schon sehr schwierig. Die Angelika hat ja die Aufgabe, den Bundeskanzler so gut wie möglich in den Medien darzustellen. Meine Aufgabe ist es, zu schreiben, wenn etwas Mist ist. Natürlich gibt’s dann Diskussionen wenn wir nicht einer Meinung sind. Wir versuchen aber nicht jede Minute über Politik zu reden. Und wenn Sie mir versehentlich manchmal etwas erzählt, was ich nicht wissen sollte, dann bin ich der gute Ehemann und schreibe es auch nicht.

 

 

Bei der Medien.Messe.Migration haben Sie in einer Diskussion über Migranten & Medien, gemeint, dass ein Kolumnist mit afrikanischer Herkunft bei der „Krone“ nicht möglich wäre. Das ist bei uns gar nicht gut angekommen.

Ja, ich habe den Blog von der biber-Kollegin gelesen. Ich finde es aber schade, dass eine Kollegin von euch nicht versteht oder verstehen will, was ich gemeint habe. Das ist die typische Boulevard-Masche. Wenn sie bewusst die Boulevard-Masche durchziehen will ok; aber so schätze ich biber nicht ein. Und nun zu dem, was ich wirklich gemeint habe. Dass eine Kolumne mit einem schwarzen Kolumnisten in der Krone nicht funktioniert liegt nicht an mir, sondern an der Gesellschaft. Es dauert bis der autochthone Österreicher damit leben gelernt hat, dass sich die Gesellschaft verändert. Das sind die Realitäten, die man aussprechen muss. Wenn ich es ändern könnte, dann würde ich es tun. Aber das liegt im Moment nicht an mir.

 

Was können denn die Ausländer tun, damit sich etwas ändert?

Ich finde, die Communitys müssen auch Verantwortung für ihre Fehler übernehmen. Man darf nicht so wehleidig sein. Ich spreche aus persönlicher Erfahrung. Meinem Vater emigrierte aus Ungarn nach Österreich. Ihm wurde nichts geschenkt, aber auch nichts genommen als er nach Österreich kam. Hier gibt es alle Chancen, man muss sie nur nützen wollen. Gleichzeitig muss man auch kritikfähig sein und bereit sein, Probleme aus der Welt schaffen zu wollen.

 

 

wer ist er: claus pándi

herkunft: ungarn

beruf: innenpolitik-chef bei der „Krone“

 

Bereich: 

Kommentare

 

suuuuuper interview'.
und der claus scheint echt leiwomd zu sein
++ für die letzten zwei antworten

 

kein "Blabla"-Interview. gratulation an die kollegin bratic

 

Ja Moni ich finde das Interview wirklich gelungen. Deine Fragen sind sehr interessant aber er hat auch cool geantwortet.

 

er sieht sich wohl selbst eher als geschäftsmann und marktforscher als seriösen journalisten. tja, damit wird er es bestimmt schaffen, dass die krone mit abstand die #1 in österreich bleibt, der österreichischen gesellschaft tut er damit aber keinen gefallen. so sympathisch er persöhnlich vielleicht auch sein mag, allein diese eigenschaft macht ihn zu einem ziemlichen a********

ein aussage von ihm war aber grandios "Wenn ich es ändern könnte, dann würde ich es tun"
hmm, ja stimmt. wäre es nicht toll wenn es jemanden in österreich geben würde der, rein hypothetisch, in der größten tageszeitung des landes,sagen wir mal, chef der innenpolitik ist. diese person könnte bestimmt was ändern. anscheinden gibt es die aber nicht laut herr pandi

 

Die letzte Antwort ist schon sehr Kronemässig. Die hätte ich ihm nicht durchgehen lassen!!

 

damit meint der herr pandi wohl mich. dabei habe ich ihn nur zitiert und mich dasselbe gefragt wie professor hausjell, nämlich, ob er als innenpolitik-chef der krone, welche der großteil der österreichischen bev. liest, nicht positiven einfluss ausüben könnte.
die antwort bleibt er immer noch schuldig. "die gesellschaft ist nicht bereit" finde ich als antwort ungenügend.

 

genauso wie politiker ihr blabla drauf haben, haben es auch journalisten.
den krone typen mein ich ;) und ihr sicher auch :P

 

er antwortet. er sagt, dass er es nicht als seine plicht ansieht etwas zu schreiben was richtiger oder besser wäre. sondern das was momentan realität ist.
es ist halt nicht das was du hören wolltest.

aber da sind wir bei der grunddiskussion: hat ein journalist einen bildungsauftrag? oder ist es nur der wiedergabe der realität verpflichtet?

 

kronen zeitung = abbildung der realität?

da stellt sich eine andere grundfrage, nämlich: von wessen realität sprechen wir?

 

von leider diesen: (manche würden sie auch als österreichische realität bezeichnen)

http://www.wien.gv.at/wahlinfo/index.html

 

trotzdem hat die mehrheit rot gewählt.also mitte links.
und demnächst soll es eine rot-grüne koalition in wien geben.
außerdem:während in den USA ein schwarzer präsident wird, diskutieren wir in österreich, ob es schwarze kolumnisten geben kann/soll/darf/muss.
schon traurig.

 

heißt rot/schwarz = tolerant ? i denk ned

 

ich kenn keine zeitung in österreich, die einen schwarzen kolumnisten hat - auch nicht der standard.

 

...wirds zeit herr chefredakteur,
ab jetzt schtreibt dein kommentar irgendwer anderer mit schwarzer hautfarbe.
na, was sagst?

 

vll....gibt ja auch keine schworzn in der medienwelt in österreich die qualifiziert & interessiert sind an dieser arbeit?

und ich glaub die zeitung, die einen schwarzen als chefredakteur einstellt, die wird nimma gekauft...

da hat der ungar schon recht... ö is zu nix bereit.

 

zum interview und gesellschaftlichen hintergründen kann man auf http://zurpolitik.com/2010/11/03/die-neuen-politisch-korrekten/ lesen.

 

trifft den nagel auf den kopf

würde ein schwarzer koumnist in der krone funktionieren? mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit nicht. aber, dass sich pandi so aus der verantwortung nimmt ist eine frechheit.

 

++

jawoll. das ist zu einfach.

 

gewußt warum die krone das am öftesten vom presserat gerügte blatt in diesem land ist.

ich hätte gerne die hintergründe und folgen der bild-fälschungsaffäre gewußt.

ich hätte gerne gewußt was peter gnam unter haschisch-rausch versteht.

tja...

fragen über fragen...
ABB

 

ein schmierblatt - weit weg von jedem seriösen journalismus.

meine meinung.

mfg
fred

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