„Das fragen Sie einen 84-Jährigen?“

08. September 2022
 
Wusstet ihr, dass Heinz Fischer ein Fan von Rapid Wien ist, nie nach elf Uhr abends schlafen geht und schon seit 50 Jahren von seiner Frau die Haare geschnitten bekommt? Wir wollten vom ehemaligen Bundespräsidenten wissen, was er von den Sanktionen gegen Russland hält, warum so viele Menschen in Österreich vom Wahlrecht ausgeschlossen sind und welche Jugendwörter er kennt. 
 
Von: Antonia Baumgartner, Fotos: Lisa Leutner
 
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Kicken mit HeiFi ©Lisa Leutner
 
Biber: Wie geht’s dem Heinz Fischer eigentlich? 
 
Heinz Fischer: Dem Heinz Fischer geht es gut! Ich lese viel und habe auch mehr Zeit für die Familie und meine Enkelkinder. Als Bundespräsident musste ich mit jeder Viertelstunde sparsam umgehen, jetzt habe ich nicht mehr so einen strengen Tagesablauf. Man muss auch bedenken, dass ich 1938 geboren bin. In meinem Alter habe ich nicht dasselbe Durchhaltevermögen wie früher.
 
Wann haben Sie das letzte Mal ausgeschlafen?  
 
Ich bin immer früh schlafen gegangen und früh aufgestanden, sogar sonntags und an Feiertagen. Schon als Student war ich ein Frühaufsteher. Meine Freunde haben mich immer ausgelacht, weil sie ganz genau wussten: Nach 23:00 Uhr ist mit dem Heinz Fischer nichts mehr anzufangen (lacht). 
 
Sie haben früher unter dem Namen „DJHeiFi“ aufgelegt. Zu welcher Musik haben Sie die Menge zum Tanzen gebracht? 
 
Ich war natürlich relativ altmodisch, was meinen Musikgeschmack betrifft. Ich habe gerne Platten von amerikanischen Jazz- und Bluessängern aufgelegt. Viele von ihnen waren aus den 30er und 40er Jahren. Damals hat es diese Musik in Österreich nicht gegeben. Ich habe mir immer per Post diese Schallplatten aus London liefern lassen und die dann abgespielt. 
 
Das nächste Mal laden wir Sie zum „biber“-Sommerfest ein und Sie können Ihre Lieblingsplatten auflegen.
 
Heinz Fischer: (lacht) Eine ganze Nacht hindurch spiele ich nicht, denn Sie wissen, spätestens um 23:00 Uhr bin ich zu Hause. 
 
Sie meinten öfters, dass es Ihnen wichtig sei, auch mit Diktatoren oder Autokraten in den Dialog zu treten. Gilt dies auch für Kriegsverbrecher wie Vladimir Putin? 
 
Ich würde Kriegsverbrecher nicht nach Österreich einladen. Genauso wenig würde ich Vladimir Putin aus derzeitiger Sicht für ein Treffen nach Österreich bitten. Ich find es aber wichtig, Gespräche mit ihm zu führen. Wenn wir Frieden schaffen möchten und den Krieg überwinden wollen, müssen wir miteinander reden. 
 
Es gibt ein Video von Ihnen aus dem Jahr 2014, wo Sie vier Monate nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim über Putins „Diktatur“-Witz lachen. Was ist Ihre jetzige Meinung dazu?
 
Damals war die Situation eine ganz andere als jetzt. Wenn ein Gast eine scherzhafte Bemerkung machte, bin ich nicht mit eisiger Miene dagesessen. Wenn ich lachen musste, habe ich gelacht. Zu einem Treffen mit Putin habe ich einmal unabsichtlich das falsche Redemanuskript mitgenommen. Ein wenig nervös meinte ich zu seiner Sekretärin: „Ich habe die Rede vertauscht und nun die falschen Unterlagen vor mir liegen.“ Daraufhin hat sich Putin, der ja Deutsch versteht, zu mir gedreht und geflüstert: „Das ist dem Breschnew (ehemaliges Staatsoberhaupt der Sowjetunion) auch passiert, nur der hat es nicht bemerkt“. Da musste ich schon schmunzeln. Vladimir Putin kann, wenn er will, humorvoll sein. 
 
Unterstützen Sie die Sanktionen gegen Russland?
 
Ich glaube, Europa musste reagieren. Es ist aber wichtig zu überprüfen, ob das, was man sich von den Sanktionen erhofft, wirklich erreicht wird und den Erwartungen entspricht.
 
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Können diese Augenbrauen lügen?
 
Viele Menschen leben schon seit Jahren in Österreich, besitzen jedoch nicht die österreichische Staatsbürgerschaft und dürfen daher nicht wählen. Haben Sie viele Freund:innen, die vom Wahlrecht ausgeschlossen sind?
 
Ob ich Freunde habe, die nicht wählen dürfen, kann ich so spontan nicht beantworten. Aber es muss ein Ziel der Politik sein, dass Menschen, die dauerhaft in Österreich leben, Deutsch sprechen, hier arbeiten und Steuern zahlen, auch politische Rechte haben. Das gehört zu den Grundgedanken der Demokratie. Auch in meiner Zeit als Bundespräsident habe ich darauf geachtet, dass ich in meinen Reden nicht nur Österreicherinnen und Österreicher anspreche, sondern alle, die hier leben. Auch wenn manche nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, sind sie unsere Mitbürger.
 
 
Laut dem Standard unterstützen sie das Anliegen, dass Bosnier:innen als offizielle Volksgruppe in Österreich anerkannt werden soll. Warum ist Ihnen das wichtig? 
 
Nachdem, soweit ich weiß, die Bosnier:innen eine definierbare und repräsentierte Volksgruppe in Österreich sind, finde ich es notwendig, darüber zu diskutieren und diese anzuerkennen. Die Anerkennung einer Volksgruppe tut Österreich nicht weh. Es hat nur positive Auswirkungen, denn es stärkt das Zugehörigkeitsgefühl und die Wertschätzung gegenüber diesen Menschen.  
 
Warum glauben Sie, fällt es vielen Menschen in Österreich schwer, Verständnis und Empathie für Geflüchtete zu empfinden?
 
Es ist ein Problem, dass viele kein Verständnis für die Situation von Flüchtlingen haben. Gerade wenn man sich die Inhalte der Freiheitlichen Partei (FPÖ) anschaut, merkt man, mit welcher Härte sie Geflüchteten entgegentreten. Ich denke, dass viele dieser negativen Gefühle aus Unwissenheit entstehen. Es gibt zahlreiche Länder, in denen Menschen wirkliche Fluchtgründe haben und zur Flucht gezwungen sind. 
 
Heinz Fischer
© Lisa Leutner
 
Der Langenscheidt-Verlag hat vor kurzem das Voting für das Jugendwort des Jahres 2022 freigegeben. Ich lese Ihnen vier vor und Sie raten, was die Wörter bedeuten.
 
 Slay: 
 
Das fragen Sie einen 84-Jährigen? (lacht) Ich habe keine Ahnung. 
 
 Diggah: 
 
Das heißt Graben oder? Ich denke, das kommt vom Englischen „digging“/graben. Das könnte jemand sein, der die Wahrheit erforschen möchte? 
 
 Siuu: 
 
Ich merke schon, ich kenne weniger Jugendwörter als Vokabeln im Altgriechischen (lacht). Aber ‚siuu‘ könnte aus dem Chinesischen kommen. 
 
 Bodenlos: 
 
Ich denke da sofort an den Satz eine bodenlose Frechheit. Also eine mega Frechheit.
 
1 von 4 hatten Sie richtig!
 
Im Fußball möchte ich nicht 1 zu 4 verlieren (lacht). 
 
Apropos: Sie sind ein großer Fußballfan. Welchen Verein unterstützen Sie? 
 
Trotz den vielen Niederlagen unterstütze ich Rapid. 
 
Und international? 
 
International bin ich ein Fan von Arsenal London.
 
Können Sie uns einen Fußballtrick zeigen?
 
Heinz Fischer steht auf, schwingt sein Sakko über den Sessel und kickt los.
 

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