Der Rassist in mir

29. Januar 2013

 

BIN ICH EIN RASSIST?

Wir nehmen an, dass biber-LeserInnen tolerant und gerecht zu ihren Mitmenschen sind. Aber Hand aufs Herz: Hat nicht jeder von uns schon einmal in der U-Bahn einen offensichtlich Fremden argwöhnisch beäugt? Wir alle tragen Vorurteile in uns, oder etwa nicht? Wie rassistisch bist du wirklich? Das verrät dir der biber-Test!

  1. Es gibt Volksgruppen, die mir weniger sympathisch sind als andere und die bei mir negative Gefühle auslösen.

a. Mir muss ja nicht jeder sympathisch sein.                                                                       

b. Ich beurteile Menschen grundsätzlich nicht nach ihrer Herkunft.                                    

c. Sollen Sie ihren Kebap essen. Hauptsache, sie halten dabei den Mund.

 

  1. In der U-Bahn setzt sich ein Schwarzer neben dich. Was denkst du?

a. Na und? Hallo Mensch!                                                                                                   

b. Ecstasy? Heroin? Gras?                                                                                                   

c. Von mir aus kann er auch gelb sein. Trotzdem behalte ich ihn im Blickwinkel.                

 

  1. Alle Menschen, die in Österreich leben, sollen dieselben Rechte haben.

a. Sicher nicht! Sonst kommen noch alle zu uns.

b. Ja! One earth, one love. Alle sind gleich.                                                                      

c. Rechte sollten sie selbstverständlich haben, aber sie müssen ja nicht gleich die 

      Staatsbürgerschaft bekommen. 

 

  1. Es werden Spenden für eine neue Moschee in Wien gesammelt…

a. Wer spendet mir was?                                                                                                     

b. Fünf Euro weniger machen mich nicht ärmer.                                                                 

c. Bald gibt’s mehr Moscheen als Kirchen. Die sollen gefälligst daheim beten.                    

 

  1. Ich kann mir eine feste Beziehung mit jemandem aus einer anderen Nationalität vorstellen.

a. Sicher, nur die Liebe zählt!                                                                                              

b. Grauslich. Stell dir vor, du hast einen indischen Freund, der stinkt. 

c. Ich würde es versuchen, glaube aber nicht, dass das auf Dauer hält. Andere Länder, andere

    Sitten.

                                                                                                                                          

  1. Einflüsse aus anderen Kulturkreisen finde ich bereichernd.

a. Mir reicht eine. Und das ist meine.                                                                                  

b. Ich bin anderen Kulturen gegenüber sehr offen. Fast jedes Jahr fahre ich in den Magic Life  

    Club in die Türkei und finde es sehr schön dort.                                                              

c. Jawohl! Was wäre Wien ohne seine Döner, Cevapcici & Falafel?                                    

 

  1. Ich kann mir Freundschaften mit Menschen aus anderen Kulturen vorstellen.

a. Es nervt mit der Zeit, wenn sie dauernd in eine andere Sprache wechseln und ich nix  

    verstehe.

b. Ein Fremder ist nur ein Fremder, solange er nicht dein Freund ist. Nema problema!        

c. Ich bin lieber vorsichtig, sonst stehlen sie mir womöglich das Handy.

 

  1. Abfällige Bemerkungen über andere Nationalitäten verärgern mich.

a. Menschen unterscheiden sich nicht durch Ethnie, sondern durch Charaktere – also spart euch

    solche Kommentare!                 

b. Hie und da habe ich schon einmal „Tschusch“ gesagt, aber ich mein‘s ja nicht so.           

c. Nicht, wenn es verdient ist.                                                                                             

 

  1. Alle Kulturen sind verschieden, aber gleichwertig.

a. Unterschiedlich sind auch Bier und Raki, aber gleichwertig?                                             

b. Meine Kultur ist gleichwertiger.                                                     

c. Ja, na logo!                                                                                                                     

 

 

  1. Ich habe nichts gegen Nachbarn einzuwenden, die nicht meiner Volksgruppe angehören.

a. Dein Auto ein Japaner. Deine Pizza italienisch. Dein Kaffee brasilianisch. Dein Urlaub türkisch.

    Deine Zahlen arabisch. Aber dein Nachbar nur ein Ausländer?

  

b. Solange sie freundlich und höflich sind, bin ich es auch.                                                   

c. Ich mag’s halt nicht, wenn 14 Kinder über mir herumtrampeln und es am Gang nach

    Knoblauch stinkt.

 

 

 

HIER GIBT ES DIE AUFLÖSUNG ZUM TEST!

HIER GEHT ES ZU DEN PERSÖNLICHEN ERLEBNISSEN

 

Der Rassist in mir

Vorurteile hat jeder. Manche schlagen zu, manche schimpfen und viele denken sich ihren Teil. Egal ob als Täter, Opfer oder Zeuge – Rassismus kann uns täglich begegnen. Immer öfter trifft es auch „echte“ Österreicher. Bist du offen oder misstrauisch gegenüber Menschen mit fremder Herkunft?

 

Alle Schwarzen sind Drog endealer. Alle Moslems Terroristen. Alle Rumänen stehlen. Alle Türken haben zehn Kinder.
Vorurteile, mit denen manche zu leben gelernt haben. „Es überrascht mich nicht, wenn ich rassistisch angegriffen werde oder die Polizei mich grundlos durchsucht“, sagt Ashraf Ibrahim. Was ihn dennoch überrascht: dass Migrantenkinder, die in Wien aufgewachsen sind, erklären müssen, warum sie so gut Deutsch sprechen. In der biber-Redaktionskonferenz kann fast jeder von Rassismus berichten: „Die Polizei hat meinen Vater ein bosnisches Arschloch genannt“, erzählt eine Redakteurin. In seltenen Extremfällen kann der unterschwellige Fremdenhass zu Gewalt führen. Anfang des Jahres wurde eine Afrikanerin von einem Österreicher auf die U-Bahn-Gleise gestoßen. Der vermutete Hintergrund: Rassismus. Schlagen und Anspucken Mehr als 700 rassistische Vorfälle sind von der Zivilcourage und Anti-Rassismus Organisation „ZARA “ im Jahr 2011 dokumentiert worden. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher geschätzt. Die gesammelten Fälle reichen von Anspucken bis hin zu Schlägen ins Gesicht. Tatort ist meist der öffent-liche Raum – knapp ein Drittel der Fälle passiert auf offener Straße oder in den Öffis. 60 Prozent der Fälle werden von Zeugen und nicht von Be

 

troffenengemeldet. Wie oft Rassismus angezeigt wird, können die zuständigen Behörden nicht genau sagen. Solange es sich nicht um Körperverletzung handelt, sondern „nur“ um rassistische Beschimpfungen oder Beleidigungen, fällt dieses Vergehen unter Verwaltungsübertretung – genauso wie Falschparken. 19 Prozent der rassistischen Vergehen passieren online, Tendenzsteigend. Sprich gefäll igst Arabisch Täter sind aber nicht immer nur die „bösen Österreicher“, wie auch der ZARA -Report mit seinen Berichten zeigt.

Jugendliche Türken beschimpften in Tirol einen Juden: „Hitler hätte die Juden fertig machen sollen.“ Der Antisemitismus ist unter vielen Moslems in Österreich weit verbreitet. Aber auch „echte“ Österreicher werden zunehmend mit Rassismus konfrontiert. „Hier wird gefälligst arabisch gesprochen“, musste sich ein Österreicher in der U-Bahn anhören. Und wenn man, wie Markus, beim Fußballspielen mit dem Messer bedroht wird und als „Scheiß Österreicher“ beschimpft wird, dann zeigt sich: Migranten sind oft nicht nur Opfer, sondern oft auch Täter (siehe Seite 16). International gesehen ist Österreich angeblich ein Rassismus-Champion. Bei der europäischen Wertestudie 2011 belegt Österreich den ersten Platz. Auf die Frage „Welche dieser Personen hätten Sie nicht gerne als Nachbarn?“ antwortete jeder fünfte Österreicher, dass er nicht gerne neben Zuwanderern und Gastarbeitern wohnen möchte. Gilg Seeber, der Zuständige für die Auswertung der Wertestudie, begründet das Ergebnis so: „Vermutlich haben die Politisierung der Medien und der Parteien einen wesentlichen Effekt auf die Antipathie in Österreich.“

 

Von Bahar Tugrul, Jelena Pantić, Maria Matties und Senad Pintol

 

Bereich: 

Kommentare

 

Hallo!

Bin Deutschlehrerin in Frankreich. Habe diesen Test mit meinen Schülern gemacht. Sie sollten dann selbst die Ergebnisse schreiben. Es hat Ihnen sehr gut gefallen. Ich benutze oft Artikel von Biber im Unterricht. Die Sprache ist einfach, der Ton locker, die Themen aktuell und modern. Vielen Dank!!

Das könnte dich auch interessieren

Anmelden & Mitreden

1 + 6 =
Bitte löse die Rechnung