Generation Corona

14. April 2020

von Todor Ovtcharov

Die Geschichte kennt viele unterschiedliche „Generationen“. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es „die goldene Generation“. Die Generation, die keinen Krieg kannte und das Gefühl hatte, dass die Welt immer in Frieden leben würde. Der Wohlstand war überall – alle Männer hatten goldene Taschenuhren und alle Frauen Kämme aus Elfenbein in ihren wunderschönen Haaren. 

Danach kam die „verlorene Generation“ - Menschen, die zur Zeit des ersten Weltkrieges ihre Volljährigkeit erreichten und deren Jugend verdorben wurde. Sie lernten, dass man, wenn man leben will, töten muss. Die Männer hatten Armbanduhren, da sie im Krieg nützlicher waren und die Frauen schnitten ihre Haare. Es folgten die „angry young men“, die gegen die  heuchlerische bürgerliche Gesellschaft ihrer Eltern der 1950-er rebellierten. Sie meinten, dass die Uhren der Älteren stehen geblieben sind und man sie wegwerfen muss.  Danach kam die „Hippie Generation“, die weg von allen sozialen Problemen unter dem Einfluss von LSD sein wollte. Männer und Frauen hatten lange Haare und niemand ging gern duschen. Es kam die „Punk Generation“, die gegen alle und alles war. Die Haare der Menschen wurden bunt und niemand sprach über Uhren, denn würde man einen Punker fragen, wie spät es ist, würde er nur sagen, dass man sich verpissen soll. Es gab eine „Generation der Hoffnung“, als die Mauer zwischen Ost und Westeuropa fiel. Die Menschen glaubten, dass alle Brüder und Schwestern sind und sich für immer lieben würden. Bis das  World Trade Center fiel und seine Asche die Hoffnung auf Weltfrieden verbrannte. Die Uhren stoppten am 11. September 2001.Es kam die „Generation der Migration“ – Millionen von Menschen reisten um die Welt, um ein besseres Leben zu finden. Geliebt oder verhasst, hat jeder versucht seinen Platz unter der Sonne zu finden. Man brauchte wasserdichte Uhren, um über das Meer zu kommen. Ich befürchte, es folgt die „Generation Corona“, die die Welt mit geschlossenen Grenzen und Angst um den nächsten Tag kennenlernen wird. Sie wird Angst haben auf die Uhr zu schauen, denn die Quarantäne wird Monat für Monat verlängert.  Vielleicht irre ich mich. Die Uhr an meiner Wand tickt weiter.

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