Ivica Vastic: "Sag niemals nie"

10. Juni 2008

vastic



Der älteste Spieler der EM, Ivo Vastić (38), über seine Heimat Kroatien, die Favoriten der EURO und warum er auch in zwei Jahren mit 40 bei der WM dabei sein will.

 

Von Dino Čehajić und Marc-Antonio Manguerra (Foto)


biber: Herr Vastić, haben Sie noch daran geglaubt, einberufen zu werden?
Ivo: Gehofft habe ich schon.

Sie haben in Österreich alles gezeigt was man nur zeigen kann. Hat Sie da die späte Einberufung nicht gekränkt?
Das ist Fußball. Im Fußball lebt man nicht von den Erfolgen vergangener Tage. Man muss sich immer wieder aufs Neue beweisen und das habe ich auch getan. Ich denke, dass es auch nicht gerechtfertigt gewesen wäre, wenn mich der Teamchef nur aufgrund meiner ehemaligen Erfolge einberufen hätte.

Sie wurden vor wenigen Monaten von Ihren Kritikern als „zu alt für die Nationalmannschaft“ bezeichnet. Könnten Sie sich über die EURO hinaus vorstellen, in der Qualifikation für die WM 2010 auch noch zu spielen?
(lacht) Sag niemals nie! Heutzutage geht alles, wenn man nur will. Ich dachte mir auch nicht, dass ich an einer EM teilnehmen werde und da bin ich nun. Aber wenn mich das Team braucht und ich Leistung bringe – warum nicht?

Wer ist, wenn sie sich die Österreich-Gruppe anschauen, Favorit und welche Rolle wird das österreichische Team spielen?
Die Favoriten sind sicherlich Deutschland und Kroatien. Wir dürfen die Polen nicht vergessen, die eine exzellente Qualifikation gespielt haben und sich gegen Teams wie z. B. Portugal durchgesetzt haben. Aber wir werden alles geben für den Aufstieg ins Viertelfinale – und dabei wird uns der Heimfaktor hoffentlich helfen.

Wie schätzen Sie die kroatische Nationalmannschaft im Hinblick auf die EM ein?
Kroatien hat immer schon sehr gute Spieler gehabt. Ich weiß auch nicht mehr, von wo sie die hervorzaubern (lacht)! Man braucht sich nur anschauen bei welchen Vereinen die Kroaten spielen, dann wird einem alles klar. Mit dem Ausfall von Eduardo ist Kroatien sicherlich geschwächt, er macht das Team um vieles stärker. Er ist ein Typ, der das Spiel wenden kann, wenn es mal nicht so gut läuft. Aber auch ohne ihn hat Kroatien ausgezeichnete Spieler, die bei der EM sicherlich eine große Rolle spielen können.

Zum Kroatien-Spiel: Was ist das für ein Gefühl, gegen das Heimatland einzulaufen und nicht die „eigene“ Hymne singen zu können?
Das ist eine Frage mit der ich mich nicht wirklich beschäftigt habe. Ich konzentriere mich eigentlich rein aufs Sportliche.

Wann und aus welchem Grund sind Sie nach Österreich gekommen? War das aufgrund des Krieges?
Es war nicht direkt wegen dem Krieg, aber indirekt schon. Ich wollte immer nur Fußball spielen, leider gab es 1991 keine Fußballliga in Kroatien. Damals war allen noch nicht ganz klar, ob der Krieg nun tatsächlich ausbricht oder nicht. Ich war damals 21 Jahre alt und habe mich entschieden nach Österreich zu kommen. Hier habe ich schließlich ein Probetraining bei der Vienna absolviert und habe in meinem ersten Spiel für den Club fünf Tore geschossen. Daraufhin war klar, dass sie mich behalten wollten (lacht).



Welchen Bezug haben Sie heute noch zu Kroatien?
Geboren bin ich in Split, aufgewachsen aber in Kaštele. Ich habe dort ein Haus und meine Eltern leben unten. Immer, wenn es möglich ist, fahre ich nach Kroatien um meine Familie zu besuchen.

Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages nach Kroatien zurückzukehren, um dort zu leben?
(Überlegt) Ich muss sagen, dass ich mich an das Leben in Österreich gewöhnt habe bzw. an das Lebenstempo. Daher glaube ich, dass ich auch nach meiner Karriere in Österreich bleiben werde. Aber man weiß ja nie was kommt, ich hätte mir nie gedacht, dass ich eines Tages in Japan leben werde. Also sage ich lieber: Mal schau’n! Sag niemals nie!

Würden Sie Österreich oder Kroatien als Ihre Heimat bezeichnen?
Das ist eine schwere Frage, aber für mich bedeutet Heimat dort zu sein, wo meine Familie ist. Und das ist zurzeit in Österreich. In Kroatien ist es aber sehr schön und dort bin ich auch sehr gerne. Das heißt, dass es für mich keinen Unterschied zwischen Österreich und Kroatien gibt.

Welches Auto fahren Sie und welche Musik hören Sie gerne?
Ich fahre einen Opel Antara und höre hauptsächlich kroatische Musik. Speziell mag ich dalmatinische Musik sehr.

Da Sie aus Dalmatien sind würde es nahe liegen, dass Sie Fan von Hajduk Split sind!
Ja, das stimmt. Ich bin glühender Hajduk-Fan seit meiner Kindheit. Und ich muss sagen, ich bin es noch immer und werde es auch bleiben (lacht)!

Gibt es einen Spieler oder einen Verein gegen den Sie gerne gespielt hätten, bisher aber noch nicht gegen ihn gespielt haben?
Gegen Barcelona hätte ich schon sehr gerne gespielt. Aber man kann ja nicht alles im Leben haben. Dafür habe ich z. B. an einer WM teilgenommen oder gegen Manchester United und Real Madrid gespielt.

Super, Dankeschön! Das war’s!
Ich danke. Trinken wir noch aus und gemma!

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Kommentare

 

ivooo vastic!
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