Mein Österreich

24. Juni 2020

Österreich ist mehr als Schnitzel, Mozart und Après-Ski. Hinter der rot-weiß-roten Fahne stecken viele Religionen, Sprachen und Identitäten. Wir haben genauer hingeschaut und mit 25 Menschen gesprochen, die uns von IHREM ganz persönlichen Österreich erzählen.

Unser Ö

Von Amar Rajković, Jara Majerus und Hannah Lea Jutz (Text)

Eden Weldezghi, 20, Frisörin
Foto: privat

Mein Österreich ist meine neue Heimat, die mir und meiner Familie Sicherheit und Zukunft gibt.
Eden Weldezghi, 20, Frisörin

 

Derai Al-Nuaimi
Foto: Daniel Novotny

Mein Österreich. Ein Land, wo das „Wir“ mehr zählt als das „Ich“. Vielfältig, hilfsbereit und vereint, ein Land, in dem niemand vergessen wird. Das ist mein Österreich.
Derai Al-Nuaimi, 27, Vorsitzender der Bundesjugendvertretung

 

Salma Hassan Imara
Foto: privat

Österreich ist für mich Heimat und Fremde zugleich - ein innerer Zwiespalt, der wohl nie ganz vergehen wird. Denn Wiens Straßen fühlen sich so unglaublich vertraut an und doch treffen mich in meinem Wien schon ein Leben lang Blicke, die mir sagen: Hier bist du fremd. Heute weiß ich, Heimat ist kein Punkt auf einer Karte, sondern das Gefühl, angekommen zu sein.
Salma Hassan Imara, 23, Journalistin

 

Ercan Kara
Foto: Red Ring Shots

Österreich ist Heimat für mich, ein Land, in dem Träume wahr werden können. Ein Land, in dem viele Nationen und Religionen zusammen leben können. Ich fühle mich sicher und geborgen hier. Wir halten hier zusammen. Das macht mein Österreich aus.
Ercan Kara, 24, Fußballer von SK Rapid

 

Aziz Merza
Foto: Zoe Opratko

In meiner Heimat hat mir gefehlt, dass man ohne Bedenken und Angst die eigene Meinung sagen kann oder die Gesellschaft kritisieren darf. Das ist Österreich - die Freiheit zu leben und leben zu lassen.
Aziz Merza, 32, Dolmetscher und Student

 

Marie Noel-Ntwa (Foto: Michael Griefing)
Foto: Michael Griefing

Österreich ist mein Zuhause. Aber ein Zuhause, das ich mir als Frau mit Migrationshintergrund selbst gestalten musste. Meine Mutter hatte das Glück, hier eine neue Heimat zu gründen, in der wir uns entfalten konnten. Ich möchte die nächste Generationen dazu zu ermutigen, ihren Träumen und Wünschen nachzugehen – obwohl wir in einem Land leben, in dem wir noch immer nicht vollständig als InländerInnen gesehen werden.
Marie Noel-Ntwa, 29, Schauspielerin

 

Samira Mohamed
Foto: privat

Mit dem Begriff Österreich an sich verbinde ich nicht sonderlich viel, da jeder Mensch, der hier lebt, Österreich auf seine eigene Art und Weise ausmacht.
Samirah Mohamed, 21, Studentin soziale Arbeit

 

Qudratullah Alizai,
Foto: Dominik Ehrwald

Mein Österreich ist ein Land mit vielen Bergen und schöner Natur. Ein Land, voller sympathischer und erfolgreicher Menschen, die bereit sind, gegen das Coronavirus zu kämpfen. Wir schaffen es!
Qudratullah Alizai, 27, Angestellter beim Roten Kreuz

 

Jean-Paul Majerus
Foto: privat

Vor 35 Jahren bin ich zum Studieren aus Luxemburg nach Österreich gekommen – und geblieben. Die Herkunft hat hier eine große Bedeutung, für mich als Luxemburger, der aus einem Land mit einem Ausländeranteil von über 47% kommt, nicht immer nachvollziehbar. Wenn es aber darauf ankommt – in Krisenzeiten wie diesen – ist Österreich ein, Land wo Solidarität und Hilfsbereitschaft großgeschrieben werden.
Jean-Paul Majerus, 56, Volksschullehrer

 

Kenan Güngör
Foto: Magdalena Possert

Aus meiner deutschen Sozialisation ist Österreich ein Land des Ungefähren, liebt die Konjunktive, mag das Präzise weniger und ist auch konfliktscheu. Dadurch gibt es hier ein stärkeres "Leben und Leben lassen".  Die Bilderbuchschönheit der Städte, Dörfer, Flüsse und Berge hat was Anmutendes, kitschig Schönes. Es kommt mir manchmal so unwirklich vor, das ich versucht bin, hinter die Kulisse zu schauen um das Styropor zu entdecken. Bisher war ich nicht erfolgreich damit.

Kenan Güngör, 52, Soziologe

 

 

Leni charles
Foto: Kids of the Diaspora

Wien ist für mich wie ein Familienmitglied. Es gehört einfach zu einem dazu. Wenn man weg ist, fehlt es einem und ab und zu braucht man Pause, aber man wär nirgends lieber als in Wien, wenn's kritisch wird. 

Leni Charles, 30, Designerin “Kids of The Diaspora”

 

Liz Isidro
Foto: privat

Österreich bedeutet für mich Komfortzone. Bei kleinen Seen und Bergen fühl ich mich geborgen, meine Familie und Freunde sind da, hier fühl ich mich sicher und wohl. Ich bin in Österreich geboren und obwohl ich mit Migrationshintergrund aufgewachsen bin, wurde ich (fast) immer gut behandelt. Ich bin gern in Österreich - aber so richtig Daheim fühle ich mich hier nicht.

Maria-Elisabeth Isidro, 24, Community- und Project Manager Innovation Labs

 

Rami Ali (Foto: Marko Mestrovic)
Foto: Marko Mestrovic

Oft Quelle meiner Wut, Enttäuschung und Trauer. Gleichzeitig auch Objekt meiner Kindheitserinnerungen, meiner Gegenwart und meiner Zukunft sowie der Zukunft meiner Kinder. Wie oft wurde mir schon nahegelegt, Österreich zu verlassen, wenn es mir hier nicht passe - jeder Schwarzkopf, männlich und weiblich, kennt das. Jene, die das sagen sind aber nicht alle RassistInnen - viele pflegen einfach die falsche Annahme, dass Kritik Abneigung und Verachtung bedeutet. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Man kritisiert was man schätzt weil man möchte, dass es besser wird, weil man seinen Platz hier kennt und im Gegensatz zur Elterngeneration nicht einfach nur jeden Tag überleben, sondern LEBEN möchte.

Rami Ali, 27, Politologe und Islamwissenschaftler

 

 

Juli Atan Kasapoglu
Foto: privat

Ich habe in Österreich viele gleichgesinnte Menschen mit ebenfalls mehreren Kulturen und Abstammungen getroffen. Diese Menschen haben dazu beigetragen, mein eigentliches Zuhause in mir selbst zu finden. Mein Österreich ist offenherzig, hat Platz für viele Kulturen und ist bunt.

Juli Atan Kasapoglu, 28, Tanzlehrerin und Barchefin

 

 

Csilla Stoica (Foto: Christian Hlinak)
Foto: Christian Hlinak

Österreich hat mir nicht nur eine neue Sprache beigebracht, sondern es hat mir auch gezeigt, wie sich „Zuhause“ anfühlen sollte, in dem mich das Land seit 8 Jahren als Zugewanderte akzeptiert. Meine Eltern und ich sind unser Leben lang von einem Ort zum nächsten gezogen, aber ich habe festgestellt, dass der Umzug nach Österreich die beste Idee war. Die Leute, die mich umgeben machen mich zu der Person, die ich heute bin und darauf bin ich stolz.

Csilla Stoica, 22, Barista

 

 

Al Tamimi Abd Al Hammed
Foto: Al Tamimi Abd Al Hammed

Österreich: Ein Land wie ein altes Kunstwerk, das vom Staub der Bürokratie, Regeln und Normen verdeckt ist - nur darauf wartend, entdeckt zu werden.

Al Tamimi Abd Al Hammed, 27, Case Manager bei Job Service Tirol

 

 

Meri Čolić
Foto: Maximilian Salzer

Meine Eltern sind als Gastarbeiter von Kroatien nach Österreich gezogen. Ich bin aber schon in Vorarlberg geboren. Das ‚Ländle‘ ist und war schon immer meine Heimat. Wenn ich am Bodensee bin oder in der Natur, fühle ich mich am meisten zuhause. Meine ganze Familie und Freunden sind hier – und wie man bei uns im Ländle sagt: Mir heben zem. Hier ist alles geregelt und hat seine Ordnung. Das ist mein Österreich. 

Meri Čolić, 48, Facility Managerin

 

 

Dilek Strojil
Foto: privat

HEIMAT: So durfte ich Österreich bezeichnen, nachdem die ,,Wiederheimkehrfantasien" meiner Eltern erloschen waren. 
AUSGRENZUNG: Die Erfahrung, die ich leider mit 41 immer noch machen muss ,,Na, jetzt im Ernst, woher kommen'sn wirklich?", ,,Für das, dass sie ned hier geborn san, sprechn's aber gut Deutsch!" 
VORURTEILE: habe ich immer zu spüren bekommen. Zuerst durch mein ,,nicht-österreichisches" Aussehen, wie auch manchmal durch das Gefühl, das Herkunftsland meiner Eltern rechtfertigen zu müssen. 
LIEBE: Empfinde ich gegenüber dem Land, in dem ich ein freies Leben führen kann.
HASS: Das Gefühl, das ich populistischen Tendenzen gegenüber empfinde, die mir den Punkt oben madig machen wollen.
Dilek Strojil, 41, Volksschullehrerin

 

Cem Gülec (Foto: Zoe Opratko)
Foto: Zoe Opratko

Mein Österreich ist fair, multikulturell und hilfsbereit. In Österreich zu leben ist ein Privileg und ich hatte das Glück, im schönsten Teil Österreichs zu leben - in Vorarlberg. In Vorarlberg ist der Zusammenhalt der Bevölkerung - ungeachtet der Herkunft - immens. Natürlich ist Österreich nicht perfekt und in einigen gesellschaftlichen Aspekten einen Schritt hinterher. Aber ich bin froh hier zu leben und meinen Beitrag an diesem spannenden Projekt “Österreich” als angehender Lehrer zu leisten.
Cem Güleç, 25, Student und angehender Lehrer

 

Kazim Yilmaz (Foto: Marko Mestrovic)
Foto: Marko Mestrovic

Österreich ist ein Land der Möglichkeiten. Wenn Du den Willen hast, deine Ziele zu erreichen, dann gibt es in unserem Land auch einen Weg. Genau dies müssen wir uns beibehalten und weiter ausbauen.
Kazim Yilmaz, 38, Rechtsanwalt

 

Ashkan Noorian (Foto: Schuster)
Foto: Schuster

Mein Österreich ist für mich vor allem Freiheit und Toleranz. Ein sehr hoher Lebensstandard bei gleichzeitiger Unzufriedenheit. Ehrlichkeit, wo es nicht wehtut und Feigheit, wo Ehrlichkeit Mut erfordern würde. Österreich gibt mir das Gefühl von Zugehörigkeit und dann wieder von Abgrenzung. Ohne Österreich wäre ich nicht ich. Österreich ist meine große Liebe. Ich hoffe, sie liebt mich auch.
Ashkan Noorian, 38, Kardiologe​

 

Armin Nadjafkhani
Foto: privat

Mein Österreich ist Mozart, aber auch Raf Camora. A Eitrige mit an Bugl und Döner mit "scharf". Pflichtbewusstsein und Strawanzen. Fortschritt, aber manchmal auch Rückstand. Berglandschaften, Wälder, aber auch Großstadt. Burgtheater und Gemeindebau. Tradition und Wandel.
Armin Nadjafkhani, 24, Journalist

 

Bogdan Pascu
Foto: privat

In Österreich leben wunderbar spannende Menschen wie Gustav, die Musiker von den Strottern, und Wanda, Attwenger, Soap & Skin, Bilderbuch etc.... Ich denke es geht uns ganz gut hier. Ich bin ein Flüchtlingskind und habe auch weniger lustige Zeiten erlebt.
Bogdan Pascu, 51, Künstler

 

Emerito Isidro
Foto: privat

Österreich ist meine zweite Heimat. Vielleicht ist sie inzwischen sogar zu meiner ersten geworden. Mit 30 Jahren bin ich hierher ausgewandert und habe mir mit meiner Frau ein neues Leben aufgebaut. Ich habe Österreich als zweite Chance für ein besseres Leben gesehen und diese auch genutzt. Ich bin glücklich hier, fühle mich integriert und esse genauso gern Kartoffel wie Reis. 
Emerito Isidro, 60, Metallfacharbeiter

 

Eser Akbaba (Foto: Manfred Weis)
Foto: Manfred Weis

In meinem Österreich werden Çay (Tee) und Simit (Sesamring) auf der Kärntnerstraße oder am Graben verkauft und nicht nur in Favoriten oder Ottakring. Die ZiB wird von einer Frau mit Migrationshintergrund moderiert. Die sogenannten „Armutssprachen“ wie BKS und Türkisch werden auch als lebende Fremdsprachen in Schulen angeboten. 
Eser Akbaba, 40, ORF-Wetter-Moderatorin

 

Dragan Antia-Tatić,(Foto: Delna Antia-Tatić)
Foto: Delna Antia-Tatić

In der gleichen Straße Türkisch, Kurdisch, Bosnisch, Serbisch zu hören und ein Schnitzel essen zu können - ohne Konflikt, sondern mit Wiener Schmäh. Mein Österreich hat so viele verschiedene Nachnamen, weil es schön ist, dass der Balkan am Rennweg beginnt.
Dragan Antia-Tatić, 40, Fotograf

 

Luca Thaler (Foto: Daniel Spicker)
Foto: Daniel Spicker

In der Corona-Krisensituation haben die Menschen bei Ihren „Hamsterkäufen“ Angst, dass man ihnen etwas wegnimmt…dabei sollten sie einfach froh und dankbar sein, dass es ihnen in Österreich so gut geht. Durch meine Aufenthalte in Afrika und Indien ist mir bewusst geworden, wie selbstverständlich es in Österreich ist, genug zu essen und trinken zu haben, jederzeit zum Arzt gehen zu können und ein Dach über dem Kopf zu haben. 
Luca Thaler, 22, Eventmanager und Model

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