Radeln in Wien

02. Juli 2020

Sommerurlaub fällt ins Wasser? Kein Problem: Wir haben den Sommerguide für alle, die Wien einmal mit dem Fahrrad erkunden wollen.

Von Nada El-Azar, Fotos: Eugénie Sophie

1. Heurigenbesuch

DONAUKANAL -> KAHLENBERGERDORF 

Eine der bekanntesten und einfachsten Strecken. Direkt am Donaukanal entlang des Wassers ist man schnell aus der Stadt heraus und im Grünen. Perfekt lässt sich die Tour mit einem Besuch bei einem der zahlreichen Heurigen kombinieren.
Radl Guide
Foto: Eugénie Sophie
 
2. Für Schwimmer
DONAUKANAL -> DONAUINSEL, DONAUSTADTBRÜCKE ODER LOBAU 
Radfahren und Schwimmen ist eine unschlagbare Sommerkombination. Von der Prater Hauptallee aus kommt man über den Radweg der Donaubrücke zum Freizeitparadies Donauinsel. Noch ein Stückchen weiter in der Richtung U2 Station Donaustadtbrücke gibt es wunderschöne Holzstege an der Alten Donau, auf denen man den ganzen Tag verbringen könnte. Unweit befindet sich auch die Lobau und – für ganz Mutige – unzählige FKK-Badeplätze.
 
Radl Guide
Foto: Eugénie Sophie

3. Für Wanderer

GÜRTEL -> SCHWARZENBERGPARK 

Vom Währinger Gürtel geht’s in Richtung Dornbacher Straße. Diese Tour eignet sich besonders gut für heiße Sommertage – denn der dicht bewaldete Schwarzenbergpark spendet Abkühlung und Schatten. Mit dem Mountainbike lässt es sich hervorragend in den hügeligen Wienerwald fahren. All jene, die es gemütlicher angehen wollen, können das Rad stehen lassen und das Ganze zu einer Wandertour auf die über 450m hohe Anhöhe von Hameau machen. 

 

 

4. Natur & Relax

WEINGARTENRADWEG

Von Mödling oder Bad Vöslau aus kann man auf dem wunderschönen 23km langen Weingartenradweg die Thermenlandschaft Wienerwald erkunden. Der Weg verläuft praktisch ohne Steigungen, aber mit ganz toller Natur. 
 
Radl Guide
Foto: Eugénie Sophie
 
5. Natur & Relax
SCHLOSSPARK  LAXENBURG 
Der Schlosspark Laxenburg ist das perfekte Tagesausflugsziel. Über das Alte Landgut im 10. Bezirk braucht man aus der Stadt etwas mehr als eine Stunde dort hin. Im Schlosspark lassen sich schöne Spaziergänge und Picknicks machen, oder Tretboote ausleihen für eine Fahrt über den märchenhaften Teich.
 
Radl Guide
Foto:Anna Saini CC BY-SA
 
 
„Manche glauben nicht,  dass ich die Trainerin bin.“
 
Somia Babiker ist Sozialassistentin beim Verein „Die Nachbarinnen“ und stieg erstmals im Jahr 2013 auf den Fahrradsattel. Heute bringt sie anderen neuen Wienerinnen das Radfahren bei und gibt ihnen so ein Stück Freiheit.
 
Wie bist du zum Radfahren gekommen?
Ich bin über meine Kolleginnen aus der Arbeit auf die Fahrradkurse gekommen. Vor sieben Jahren absolvierte ich den Anfängerkurs, heute trainiere ich Frauen, die über verschiedenste Organisationen wie beispielsweise der Diakonie zu uns kommen. 
Warum lernen viele Mädchen und Frauen aus den verschiedensten Herkunftsländen nicht Rad zu fahren?
Das hat verschiedene kulturelle Hintergründe. Ich komme ursprünglich aus dem Sudan. Als kleines Mädchen kann man noch ausprobieren, aber ab einem gewissen Alter ist Radfahren einfach Männersache.
Was bedeutet es dir, anderen Frauen das Radfahren beizubringen?
Das Radfahren hat mir schon mir persönlich eine große Freiheit gegeben. Endlich konnte ich etwas für mich selbst lernen. Etwa zwei bis drei Kurse leite ich jährlich für Frauen ganz verschiedenen Alters. Es passierte schon öfter, dass die Teilnehmerinnen dachten, ich wäre eine von ihnen, und nicht die Trainerin. Sie glauben einfach nicht, dass eine kopftuchtragende Frau wie ich den Kurs leiten kann. Ich denke, dass ich als ein Vorbild für diese Frauen sein kann und sie sich mit mir identifizieren können. Viele Frauen fühlen sich auch wohler, wenn ich sie in ihrer Muttersprache Arabisch anleiten kann.
Wo kann man sich für deine Kurse anmelden?
Alle Interessierten können sich an die Diakonie oder die Radlobby in Wien wenden.
 
Radl Guide
Foto: Peter Provaznik
 
„Die Angst kommt vom motorisierten Verkehr“

Roland Romano ist Sprecher der Radlobby Wien,  einer Interessensgemeinschaft für Radfahrer in der Stadt. 

Ich will mir ein gebrauchtes Fahrrad kaufen. Worauf muss ich achten?

Ich würde generell empfehlen, Fahrräder bei einem Händler zu kaufen. Da wird in der Regel gut kontrolliert, dass alles in Ordnung ist. Sonst ist wichtig: unbedingt Probefahren und verhandeln! Man muss ich vorher überlegen, wozu man das Fahrrad verwenden will. Wenn man im Alltag unterwegs sein möchte, und mit sauberer Kleidung ankommen will, empfiehlt es sich kein Rennrad zu kaufen. Rennräder haben häufig keine Klingel, keine Kotflügel und keine Lichtanlage. Über Kopfsteinpflaster, Gehsteigkanten und andere Hindernisse lässt es sich mit leichten Rädern nicht leicht fahren. Je stabiler das Rad ist, desto einfacher ist man in der Stadt unterwegs.

Viele Menschen haben Angst davor, im Alltag mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Warum ist das so?

Die Leute haben tatsächlich Angst mit dem Rad in der Stadt unterwegs zu sein, und diese Angst herrscht vor allem vor dem motorisierten Verkehr. Rein statistisch gesehen ist das Radfahren aber eine der sichersten Verkehrsarten überhaupt, weil es im Vergleich zum Auto- und Motorradverkehr wenig Unfälle gibt. In Wien machen sogenannte „Dooring“-Unfälle etwa 10 Prozent aus. Der Begriff „Dooring“ bezeichnet das unachtsame Öffnen der Autotür gegenüber Radfahrenden, oder auch Autos. In fast jeder Gasse Wiens ist das ein Problem, weil Autos dort den Großteil der Fläche einnehmen.

Wie kann man „Dooring“ vorbeugen?

Es ist juristisch abgesichert, einen Sicherheitsabstand von 1,2 Metern zu stehenden Autos einzuhalten. Außerdem gibt es in 80 Prozent der Wiener Seitengassen ein nicht ausgeschildertes Überholverbot, weil es für Fahrräder und Autos inklusive eingehaltenem Sicherheitsabstand einfach nicht genug Platz gibt. Wir pflegen hier zu sagen: Das Miteinander von Fahrrädern und Autos ist häufig ein „Hintereinander“.

Darf man sein Fahrrad an der Stange eines Verkehrsschildes anschließen, wenn alle Radbügel besetzt sind?

Grundsätzlich ist das erlaubt, wenn die Sicht auf das Verkehrsschild gewährleistet ist. Aber: Es gibt ein generelles Parkverbot für alle Fahrzeuge auf Gehsteigen, das gilt auch für E-Scooter. Wenn ein Gehsteig so breit ist, dass ein Auto darauf parken könnte, und noch ein halber Meter frei wäre, dürfte man das Rad ohne Weiteres dort stehen lassen – das ist in Wien aber sehr selten. Wir schätzen, dass etwa 20.000 Abstellplätze für Fahrräder fehlen – aber viele wissen nicht, dass man sein Fahrrad am Rand der Fahrbahn ebenso hinstellen darf, wo auch ein Auto parken dürfte.

Radl Guide
Foto: Eugénie Sophie

 

Radlguide
Foto: Eugénie Sophie

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